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Bang Your Head Balingen 2001: Gigantische Schwermetall-Party

Es ist eine strahlende Erfolgsgeschichte des Rockbusiness: Was als Insider-Veranstaltung begann, ist ein europa-, ja weltweit beachtetes Mega-Festival geworden. Beim »Bang Your Head!! !« Heavy-Metal-Festival konnte man ’96 die Besucher in der Hirschauer Hartmann-Halle noch in Hunderten zählen – jetzt, bei der sechsten Ausgabe, hatte selbst die Polizei vor Ort Schwierigkeiten, die Besucherzahl genau festzustellen.

Seit Donnerstag waren junge und junggebliebene Schwermetallanhänger aus allen Ecken Deutschlands und Europas, ja sogar aus Nordamerika und Japan in der kleinen Stadt angekommen – am frühen Samstagnachmittag war dann (fast) alles dicht in Balingen und drumherum: Mit gut 30 000 Besuchern (die ja zum grössten Teil mit dem Auto kamen) gab’s dieses Jahr einen neuen Besucherrekord beim »BYH«. Und weil das Wetter perfekt mitspielte, schlugen noch mehr als sonst die mitgebrachten Zelte auf. Ergebnis: Am Wochenende gab es kaum ein freies Fleckchen mehr in Balingen.

Grössere Probleme sind trotzdem keine bekannt geworden. Die Organisation und Absicherung des Festivals schien auch diesmal wieder wie am Schnürchen zu laufen – und die sengende Hitze zumindest am ersten Festivaltag hielt jene Sorte Fan, die nach ausgiebigem Alkoholgenuss gerne Mist baut, von grösseren Untaten ab. Dafür hielten mehr als in den vergangenen Jahren ein unfreiwilliges Schläfchen – die Rot-Kreuz-Helfer dürften stellenweise ganz schön was zu tun gehabt haben…

Die Heavy-Metal-Party ist inzwischen über das Messegelände hinausgewachsen. Es dürften schon knapp tausend gewesen sein, die am Rande des »Bang Your Head! !!«-Festivals Camping-mässig mitfeierten. Laut genug war’s ja – je nach Windrichtung und Stärke war das metallische Gehämmere bis in den Nachbarort zu hören. Und das selbst im Kofferraum gebunkerte Bier – Sven, der aus Oberhausen angereist war, hatte eigens für das »BYH« eine zusätzliche Batterie plus Kühl- Kompressor in seine schrill bemalte Rostlaube eingebaut – schmeckte wahrscheinlich besser (und war billiger!) als die »offizielle« Festival-Verpflegung zu satten Preisen. Die muss diesmal übrigens an vielen Ständen ziemlich ungeniessbar gewesen sein. Klagen übers Essen waren vor und hinter den Kulissen das grosse Pausen-Thema des »BYH 2001 «.

Ansonsten waren aber eitel Freude, Sonnenschein und Sonnenbrand angesagt. Johnny Gioeli, der US-amerikanische Sänger von Axel Rudi Pells gleichnamiger Gruppe, schien am Samstagnachmittag ehrlich begeistert von der hochsommerlichen Kulisse und den begeistert bis frenetisch mitgehenden Fans: »Da fühl‘ ich mich wie in Kalifornien – nur, dass es dort nicht so viele begeisterte Fans für unsere Musik gibt«, rief der charismatische und höchst professionell agierende Frontmann der jubelnden Menge zu.

Das Set von Gitarrenmeister Pell und seiner Bande war nicht nur für den Tonspion einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals: Die Band war gleichermassen für Hardrock-Balladen mit fast schon klassizistisch angehauchten Soli des Chefs gut wie für derbe »Gib’s-ihm«- Hochgeschwindigkeitsummern. Das Zusammenspiel war hier perfekt – und die Musiker (insbesondere der Drummer, der sich gebärdete wie sein »Kollege« aus der Muppets-Show) bewiesen auch allesamt Entertainer-Qualitäten.

Gefeiert von den zu diesem Zeitpunkt vielleicht 14 000 Fans auf dem Messegelände wurde auch der Auftritt der Hardrock-Legende Uriah Heep am Freitagabend. Obwohl viele der ursprünglichen Mitglieder der Band, die in den 70ern und 80ern Pop-Musikgeschichte geschrieben hat, heute nicht mehr mit von der Partie sind, gelang es (Bandgründer) Mick Box und seinen Mitspielern, die Stimmung alter Rock-Tage an diesem Balinger Sommerabend wiederaufleben zu lassen: Nicht nur bei der »Lady In Black«, Uriah Heeps allergrösstem Hit, schlugen die Wellen der Begeisterung ganz hoch.

Besonders gefeiert wurden im Abendprogramm des ersten Festivaltags auch die mustergültig musizierenden Monumental-Rocker von Savatage – und die alten Recken von Judas Priest, in den 80ern so etwas wie ein Synonym für Heavy-Metal, natürlich sowieso.

Der neue Sänger »Ripper« Owens hat trotzdem ein bisschen zu sehr geschrieen – und dass Judas Priest offensichtlich den Motörhead-Lautstärke-Overkill von 1999 übertreffen wollten, tat der akustischen Transparenz nicht gut. Statt jubelnden Heavygitarren hörten viele nur noch Klangmatsch.

Ähnlich mulmig war der Sound bei Megadeth, die ihre Fans (viele waren am Samstag extra wegen dieser Band gekommen) mit einem Klassiker-Programm beglückten. Dieses Konzert hinterliess auch wegen manchen Abstimmungs-Schwierigkeiten und Timing-Problemen einen zwiespältigen Eindruck.

Eindeutig war das Urteil unter »BYH«- Experten, dass Stratovarious eine der besten Metal-Live-Bands sind: Auch diesmal lieferten der ausnehmend einfallsreiche Gitarrist Timo Tolkki und seine Gruppe wieder ein höchst energiegeladenes, mitreissendes Konzert.
Unmöglich, hier alle 22 Bands des Mega-Festivals zu würdigen. Eine positive Erwähnung haben aber sicher Armored Saint genauso verdient wie Kamelot, Rose Tatoo oder Helstar. Das Experiment, mit Six Feet Under erstmals eine Band aus dem sogenannten »Death Metal«-Lager beim »Bang Your Head!!!« auftreten zu lassen, hat – wenn auch nicht gerade überragend – geklappt.

Die grosse Show gab’s zum krönenden Abschluss des Balinger Heavy-MetalFestivals – und beileibe nicht nur auf der Bühne! Zur schrill-bunten, abwechslungsreichen »Best Of«-Vorstellung des ehemaligen Twisted-Sister-Paradiesvogels Dee Snider samt aufwendiger, spektakulärer Pyrotechnik kam – wie bestellt zu den letzten Tönen des »BYH« – die Show von oben: Bei dem überaus heftigen Gewitter, das Tausende Besucher in Nullkommanichts bis auf die Knochen durchnässte und so manches Zelt im Schlamm versinken liess, konnten Festivalmacher und Musiker nur noch einpacken… (mpg)

John Lawton: Klassischer British Rock

Der Mann ist schon länger als 30 Jahre im Rockgeschäft – und hat doch seinen Humor nicht verloren. Beim Abstecher im Glemser »Hirsch« zeigte sich John Lawton am Dienstagabend jedenfalls bestens gelaunt und präsentierte in gutem deutsch »typisch britischen« — sprich: staubtrockenen Humor.

Dass der Mann so gut deutsch kann, liegt daran, dass er seine Karriere in den frühen 70ern in Hamburg begann. Damals spielte er mit »Stonewall«, später bei den »Krautrockern« von »Lucifer’s Friends«. Mit Roger Clover war John ebenso unterwegs wie mit den »Les Humphries Singers«.

Clover empfahl Lawton dann auch 1976 an »Uriah Heep« weiter, als die einen neuen Sänger suchten. Bis 1979 war John bei den »Progressive Rockern« dabei, spielte in dieser Zeit drei Studio- und ein Livealbum ein. Dann gab’s Krach mit Ken Hensley und auch diese Ära war – bis auf eine kurze Reunion vor fünf Jahren – vorbei.

Im »Hirsch« spielt Lawton mit einer sehr gut eingespielten Band viel neues Material: Das Quintett bringt klassisch britischen Rock, nach wie vor stilistisch »progressiv« geprägt, unbeirrt von Mätzchen und schnörkellos geradeaus.

Die Reaktion der »Hirsch«-Besucher auf diese Musik ist freundlich, aber nicht gerade frenetisch. Bessere Stimmung kommt bei den »ollen Kamellen« auf: Titel wie »Firefly« oder, vom Nachfolge-Album, »Innocent Victim« kommen gut an – und bei »Lady in Black«, dem berühmtesten »Uriah Heep« -Stück , singt sogar der ganze »Hirsch« mit. (mpg)

Uriah Heep: Hardrock professionell

»Uriah Heep« schlug bei den rund 700 Besuchern in der Reutlinger Listhalle nicht  ein. Die Gruppe hielt sich mit ihren alten Hits zurück und spielte lieber ihre neueren Produktionen, denen immer noch der alte »Uriah Heep«-Touch anhaftete, aber der letzte Kick zu einem Hit fehlte.

Sänger Pete Goalby’s animierende Gesten gen Publikum wurden nur zögernd durch Mitklatschen beantwortet. Es spricht für die professionelle Haltung der Rock-Oldtimer, daß sie keinen Unmut über den schlechtesten Besuch der bisherigen Tournee zeigten, das Konzert am Tag zuvor in Horh hatte 2 000 Leute angelockt.

Im Gegenteil: Mick Box, Gitarrist und Wieder-Begründer der Gruppe, machte seine Spässchen an der Gitarre, die er immer noch exzellent beherrscht. Überhaupt fiel die Gruppe im Vergleich zu anderen Hardrock-Crews angenehm auf, weil sie auf die sonst übliche Starke-Mann-Anmache verzichtete.

Es war sicher kein schlechtes Konzert, aber das Comeback der Gruppe, die mit »Lady in Bleck« oder »Easy Livin’« Rockgeschichte schrieb, war das Konzert nicht und ist auch die neue Langspielplatte »Equator« nicht. (mpg)