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Hinterzimmertheater Rottweil: Absurd und zäh

Eine ziemlich zähe Angelegenheit war das Gastspiel des Rottweiler Hinterzimmertheaters am Samstag in der Reutlinger Tonne. Das 1986 noch unter Mitwirkung des inzwischen verstorbenen ehemaligen »Schwoißfuaß«- Schlagzeugers und Komödianten Sulla Bratke gegründete Ensemble hatte sich Eckhard Henscheid vorgenommen Die Musik des Stücks „Wird Prima“ stammt übrigens von einem weiteren Musikkumpel der Brüder Köberlein: Hansi Fink hat sie geschrieben.

Aus dem Roman »Geht in Ordnung, sowieso, genau« hat Peter Burri eine Bühnenversion erarbeitet, die gegenüber dem gedruckten Wort nur schwach wirkte. Burri spielte selbst die Rolle des saufenden Teppichhändlers Alfred Leobold: Wie er sich mit stoischem Gesichtsausdruck von Schnapsflasche zu Schnapsflasche hangelte, zwischendurch auch mal ein Hefeweizen zischte, war zumindest teilweise witzig anzuschauen.

Weit weniger amüsant war das, was Rüdiger Klotz als saufender Möchtegern-Journalist »Moppel« den rund 30 Theaterbesuchern präsentierte. Leiernd und ohne Ausdruckskraft sprach er seinen Text. Den renitenten, saugenden Untergebenen des Teppichhändlers spielte Theater-Mitgründerin Dorothee Meylan. Sie war die einzige, die aus den wahn-sinnigen Möglichkeiten, die die permanente Schluckerei sowohl im Buch als auch in der Theaterfassung bietet, etwas machte.

Dem gedruckten »laufenden Schwachsinn« — so der Titel der Trilogie, innerhalb derer »Geht in Ordnung, sowieso genau« veröffentlich wurde — fügt die Bühnenfassung keine neuen Aspekte hinzu — und witziger als »Wird prima« ist das Buch allemal.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 10. Mai 1993

Sulla Bratke: Glanzlose Gala

Glanzlose Sulla-Gala: Am Mittwoch trat die Szene-Institution Sulla Bratke zum letzten Mal mit »Grachmusikoff « in der »zelle« auf. Bei den normalen Auftritten der »Blues Blos’n’Fun«-Band ist er — weil seine durch Kinderlähmung beeinträchtigte Kondition nicht mehr mitmacht — schon seit über zwei Monaten nicht mehr dabei; Sulla will jetzt vermehrt seine komödiantische Ader zum Geldverdienen einsetzen.

Kostproben aus dem — kabarettistisch angehauchten — Programm, in dem es um das Schwein als »Partner des Menschen« geht, gab es eine Viertelstunde lang zwischen den Grachmusikoff-Songs. Die Qualität aber ließ zu wünschen ührig, man muß Sulla auch zugute halten, daß er mit seiner Show Neuland betritt; auch wollte die Einlage nicht so recht zur Stimmung passen: Fest steht, daß der Ex-Schwoissfuaß-Komödiant (man erinnere sich an die Luftballon-Nummer) noch gewaltig arbeiten muß, um wirklich größer rauszukommen.

Das    »Grachmusikoff « -Kapitel scheint für ihn endgültig ahgeschlossen zu sein — wußten Alex Köberlein und Co. doch bis kurz vor Konzertbeginn nicht, ob Bratke überhaupt zu seiner Benifizveranstaltung kommen würde.

Dies und andere Unstimmigkeiten ließen die Stimmung der Truppe deutlich sinken, die Musiker spielten sich lediglich routiniert durchs »Langsam Fett«-Programm. Die körperlichen Nachteile einer Hülsenfrucht wurden in der neuen Single »Bohnentag« ausführlich dokumentiert; alte »Schwoißfuaß«-Töne gab’s auch zu hören. Das Publikum reagierte — für Grachmusikoff-Verhältnisse — ziemlich verhalten; hängt doch das »Erlebnis« Grachmusikoff zu einem großen Teil vom Spiel- und Darstellungswitz der Musiker ab. Eine Gala war das Konzert nicht — eher ein trauriger Abgesang auf eine Szene-Legende. Schade. (mpg)