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Gotthard: Hardrock-Seligkeit

Der Rock-Fan hat’s inzwischen gemerkt: Das kleine Hirschau bei Tübingen ist nicht die schlechteste Adresse, wenn’s um deftige Spielarten der nostalgischen Sorte geht. Das »Bang Your Head«-Festival scheint – nach nur zwei, allerdings hervorragend besuchten Ausgaben – etabliert.

Und auch sonst pilgern Kuttenträger und Rockladies (besonders die mit Vorliebe für Stretchjeans und Fransen-Stiefelchen) gerne und in satter Zahl in die – bei Tageslicht betrachtet – eigentlich ziemlich »abtörnende« Stefan-Hartmann-Halle.

Auch am Samstag waren’s wieder gut 700, die sich die »harten« Jungs mit dem Matterhorn im Bandlogo anhören wollten. Warum die Schweizer sich vor Jahren, als klassischer Hardrock noch mehr out war als heute, dann ausgerechnet »Gotthard« genannt haben, bleibt wahrscheinlich offen.Wollen wir mal zugunsten der Musiker hoffen, daß das Ganze ironisch gemeint ist — glauben möchten wir’s nicht so recht…

Egal — die Jungs um Frontmann Steve Lee (ein echter Pfau, der sich aber auf der Bühne zu bewegen weiß) lieferten, jedenfalls aus Sicht der Fans, viel Qualität fürs Eintrittsgeld — und ein rein äußerlich betrachtet überdurchschnittlich langes Konzert noch dazu.

»Unplugged« und mit vier »friends« an Percussion, E-Piano und (noch zwei!) Gitarren spielten »Gotthard« in Hirschau – wobei die »akustischen« Instrumente elektrisch dermaßen verstärkt wurden, daß es doch wieder ein Heidenlärm gab.

Aber das war durchaus im Sinn der Erfinder, die harmonisch zuckersüße Balladen (»Angel«) und klassischen Boogie-Rock’n’Roll stilgerecht im Bombast-Sound aufbereiteten. Viel Beifall und Publikumsbeteiligung gab’s für die Schweizer — die sich vor dem Zugabe-Block mit einer energiegeladenen Cover-Version des Rockklassikers »Hush« bedankten. (-mpg)

Smokie: Nur bedingt bejubelt

Am Mittwochabend gaben sich die 70er-Jahre-Popper von »Smokie« mal wieder die Ehre in der Region; die Stefan-Hartmann-Halle  in Tübingen-Hirschau war allerdings nur locker zur Hälfte gefüllt.

Und die vergleichsweise wenigen Fans — der Großteil zwischen 35 und 55 Jahre alt — gingen eigentlich nur bei den ganz alten Hits der Gruppe mit. Die aktuellen Songs von der neuen Produktion »The Word — And Elsewhere« interessierten kaum einen; im Vergleich zu Oldie-Radio-Perlen wie »Lay Back In The Arms Of Someone«, »Needles And Pins« oder »Oh Carol« sind neue Titel wie »Heart«, wohl einfach zu gesichtslos — und vor allem viel zu kalkuliert auf den alten Sound getrimmt, um von den Fans angenommen zu werden.

Rund 20 Songs brachten die vier Musiker um den neuen Leadsänger Mike Craft live. Der klingt (natürlich) anders als der Kopf der »originalen Smokie« Chris Norman, aber auch viel, viel härter als Alan Barton, der 1995 bei einem Autounfall ums Leben kam.

Daß die Reibeisen-Töne (manchmal schrammten sie nur knapp am Geschrei vorbei) und die allzu heftige Betonung des Vierviertel-Grundbeats seitens der Band der Sache gut tut, darf bezweifelt werden.

Das Publikum in der aufwendig beleuchteten Hartmann-Halle kam jedenfalls längst nicht so in Stimmung, wie es die Beobachter — schweißdampfende »Smokie«-Auftritte bei anderen Oldienächten noch im Kopf — erwartet hatten. (mpg)