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Fried Dähn & Wolfgang Rehfeldt: Wechselbäder

Klar, dass mehr oder minder massenwirksame Starauftritte auch bei den »2. Tübinger Jazz und Klassik Tagen« Aufhänger sind. Aber – und das ist das Schöne an diesem musikalischen Sammelsurium – es gibt auch diesmal wieder kleine Konzert-Schätze abseits der bekannten »Locations« und »sicheren« Programme zu entdecken.

Zum Beispiel gab’s jetzt in der ehemaligen Stiftskirche St. Moriz in Rottenburg eine Orgelsoiree der nicht ganz alltäglichen Art zu erleben.

Eingeladen hatte der rührige »Kulturverein Zehntscheuer«, der ja seit vielen Jahren in seinen Programmen grenzgängerisch stilüberschreitend arbeitet. Fried Dähn, der Reutlinger Cellist und »Philharmoniker«, setzt sich auch seit Jahren virtuos, mit spannenden musikalischen Ideen und mit unbeirrter Lust an der Neuland-Entdeckung zwischen so ziemlich alle Stil-Stühle.

Mit herkömmlichem wie elektrifiziertem Instrument begegnete Dähn der Orgel von St. Moriz, die vom Rottenburger Domorganisten Professor Wolfram Rehfeldt gespielt wurde. Das ungewöhnliche Duo lieferte zusammen einen aufregenden Ohrenschmaus: Voller Dramatik die improvisierten zwei »Dialoge« der beiden Musiker, ein souveränes Spiel mit Orgel-Klangfarben Rehfeldts »Fantasie über den Namen und die Tonfolge »b-a-c-h«, präzise und rhythmisch aufwühlend schliesslich Fried Dähns Wiedergabe der Allemande aus der Bach’schen Cellosuite in C.

Besonders schön geriet bei diesem kurzen und kurzweiligen, weil mit Gegensätzen spielenden Konzert auch Regers »Aria« – in manchen Ohren mögen Dähns wilde Elektronik- und Samplerexzesse danach in seinem »Opus Y« richtiggehend wüst geklungen haben. Aber genau dieses Wechselbad der Stile und Ausdruckspaletten machte diese Begegnung spannend und für die Besucher zu einer emotional lohnenden Sache: Satter Beifall war der Lohn. (-mpg)