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Klaus der Geiger: Polit-Folk

Viel Zustimmung und herzlichen Beifall gab’s für Klaus den Geiger und seine zwei Begleiter jetzt im Reutlinger Cafe Nepomuk: Das mittlerweile 63-jährige Kölner Musiker-Original, Gitarrist Hans Wild und Kontrabassist Christian Presch lieferten Altbekanntes und kamen damit besser an als andere »politische« Musiker, die in letzter Zeit Unter den Linden zu Gast waren.

Der Parade-Aussteiger und »ewige Protestier« machte auch diesmal kräftig Polit-Stimmungsmusik: Zwischen Volkslied, ganz sachten Jazz-Ausflügen, Folk-Stilistiken querbeet und früher Rock-Tradition fidelten, klampften und zupften die drei zur ungetrübten Freude der Nepomuk-Besucher.

Bei all den schnellen Stücken, der stellenweise immer noch spektakulären Virtuosität von Klaus dem Geiger, sowie dem extrem guten Verständnis der Musiker untereinander, fiel gar nicht groß auf, dass da schon lang musikalischer Stillstand eingetreten zu sein scheint.

Auch die Texte scheinen wie aus einer längst vergangenen Ära, als BAP, Bots und Co. noch richtig große Nummern in der deutschen Pop-Landschaft waren, zu kommen: Klaus mag so gar nicht zu »Superstar«-Zeiten passen – und kommt gerade wohl deswegen bei einer kleiner werdenden, aber immer noch treuen Gefolgschaft gut an. In Reutlingen jedenfalls wurde es ein geradezu ausgelassener Abend.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

La Vela Puerca: Rock’n’Ska auf Latin-Art

Das Reutlinger »Nepomuk« bot jetzt schon wieder ein Club-Konzert auf ausnehmend gutem Niveau. Der lange, aber kein bisschen langweilige Gig mit der Band La Vela Puerca aus Uruguay geriet zu einem schweißtreibenden Party-Event mit krachendem Rock, viel Ska — und jeder Menge in diesem Kontext frisch und neu scheinenden, »typischen« Latin-Elementen.

Klar bringen es die zwei Bläser von La Vela Puerca nicht so messerscharf wie die berühmten Phoenix Horns — und Gitarrist Santiago Butler ist nicht ganz so cool wie Keith Richards.

Aber nur fast: Besonders in den schnellen, ursprünglich wirkenden Ska-Titeln kommt die exzellente Bläser-Arbeit der Südamerikaner bestens zur Geltung, und die Gitarrenriffs der in ihrer Heimat überaus erfolgreichen Jungs klingen schon öfters, als ob die berühmten »Glimmer Twins« Pate gestanden hätten.

Einen überaus fetzigen, mitreißenden Mix lieferten die routinierten, aber nicht etwa übersättigt wirkenden Musiker um den charismatischen Frontmann Sebastian Teysera im »Nepomuk« ab. Fast alle unter den rund 200 Besuchern schienen estlos begeistert.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Jack Jäckle: Soulrockbluespop

Wir können’s angesichts der Tatsache, dass es schön (und schön voll…) wie immer war, kurz machen: Vor exakt einem Jahr gab’s im Tübinger »Hauptbahnhof« die letzte überaus zugkräftige Soul- und Bluesnight mit Jack Jäckle und seinen Mannen, jetzt langte die Bande um den Tübinger Lokalmatador gleich zweimal zu.

Die Mischung aus nicht zu kantigem Rock, viel Blues und ein wenig Soul kommt beim Publikum nach wie vor bestens an, den Leuten hat’s mindestens soviel Spaß gemacht wie bei den letzten Ausgaben von Jäckle’s Bluesnacht – und die Musiker schienen auch ganz zufrieden: Bis nächstes Jahr also.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Alex Köberlein & Werner Dannemann: Schwoba-Blues im Doppelpack

Am Freitag gastierten die Herren Dannemann und Köberlein im beileibe nicht ausverkauften Tübinger »Hauptbahnhof«.

Obwohl sich der Gitarrist aus Kirchheim und der ehemalige »Schwoißfuaß«-Kopf seit Jahrzehnten kennen, hat’s zur gemeinsamen Duo-CD und dem entsprechenden Bühnenprogramm bis heute gedauert.

Im »Hauptbahnhof« gab’s eine kurzweilige Mischung aus »original« Dannemann-Blues, Covertiteln wie »Norwegian Wood« und Stücken direkt aus Köberleins Vergangenheit: Etwa »kleine Jungen« – oder, aus der Zeit seiner »hochdeutschen« Liedermacher-Karriere, »Fliegen«.

Die wenigen Abstimmungsprobleme und tontechnischen Unzulänglichkeiten (zum Beispiel Werner Dannemanns stets zu laute Gitarre) fügten dem guten Gesamteindruck keinen Schaden hinzu.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Ask The Pilot: Puristisch

Halb voll war’s im Reutlinger »Nepomuk« beim Konzert der Reutlinger Band Ask The Pilot – die Szene für Alternative Rock scheint sich, so vorhanden, anderswo zu tummeln. Es waren aber auch nicht nur erwachsen gewordene Alt-Fans aus Zeiten der Packrats gekommen. Gitarrist Robbi Kohl und Sänger John Ahlskog, der Kern der alten wie der neuen Gruppe, haben sich nach einer langen Pause mit eigenwilligen Songs und einer gegen den Strich spielenden Band zurückgemeldet.

Den Stil von Ask The Pilot als minimalistisch zu bezeichnen, wäre zu hoch gegriffen – dazu ist die Besetzung und auch das Spiel der einzelnen Musiker zu üppig. Aber sehr reduziert klingt die neue Gruppe schon – dass Robbi Kohls Gitarre und der eigentümliche Gesangsstil Ahlskogs im Vordergrund stehen, ist gewollt. Die, Sounds der Songs sind roh, ungeschliffen und meistens recht hart, die Stimmung jedoch in öfters auch düsterer Emotionalität gehalten.

Die beiden Ask The Pilot-Frontleute bringen ihre Sache überzeugend über die »Nepomuk«-Bühne. Das puristische Konzept ist an sich auch stimmig, birgt allerdings die Gefahr, über längere Hördistanz doch eintönig zu wirken. Mehr melodische Abwechslung täte sicher auch gut. Ob sich Ask The Pilot auf der (schrumpfenden) regionalen Rockszene durchsetzen können, wird die Zeit zeigen. Potenzial, wie es so schön heißt, ist
jedenfalls vorhanden…
Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Man: Ein Rock-Fest

Auch wenn das eingefleischte Fans der walisischen Rocker von Man wahrscheinlich ganz anders sehen — am Samstag wurde im Sudhaus klar, dass den Jungs um Deke Leonard und Martin Ace wahrscheinlich mal eine Auftritts-Pause in der Region ganz gut täte.

Nicht nur, weil die Besucherzahlen jetzt in Tübingen im Vergleich zu den vergangenen Auftritten dort deutlich einbrachen: Nach dem x-ten Konzert der Endlos-Power-Solisten scheinen die magischen Momente, die sich ja durchaus bei den Man-Jungs einstellen können, einer zwar professionellen, aber dennoch etwas lahmen Routine gewichen zu sein.

Vielleicht waren aber Ace, Leonard und Co. auch nur schlecht aufgelegt – schon in der Vergangenheit haben wir stark von der persönlichen Stimmung der Musiker abhängige Qualitätsunterschiede bemerken können. Und vielleicht haben Man ja auch nach dem alles andere als schlechten Auftritt des Gitarren-Meisters Werner Dannemann einen Dämpfer abbekommen.

Uns schien der neuerliche Auftritt der alten Recken jedenfalls — gemessen an den furiosen Gigs, die sie schon im Sudhaus abgeliefert haben — nur von mittelmässiger Qualität gewesen zu sein.

Mag auch sein, dass das gemeinsame Spiel mit dem Nachwuchs (mit dabei waren Aces Sohn Josh sowie Mickey Jones‘ Sohn George an den Gitarren) der Sache nicht sonderlich gut getan hat: Wann in der Rockgeschichte ist schon jemals mit drei (!) Saiten-Egomanen in einer Band schon etwas Hervorragendes herausgekommen?

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Lacuna: Melancholie-Grunge

Neben der »Soapbox« gab’s jetzt im Tübinger »Epple-Haus« auch die Saarbrücker Band »Lacuna« zu hören.

Mit gängigen Deutschrock-Spielarten hat das Quartett rein überhaupt nichts am Hut – die Bande um den hart rackernden Frontmann (Gitarre / Gesang) Marko Bach ist mit Sicherheit näher an »Pearl Jam« oder »Soundgarden« dran als an irgendwelchen deutschen Kollegen.

Das Grunge-/Crossover-Gemisch von »Lacuna« auf oben genannte Richtungen zu reduzieren, wäre ungerecht: Durch den eigenständigen Gitarrensound von Marko und Leadgitarrist Fabian Fuchs hat die »Lacuna«-Musik einen Hang zu Wüstenrockern – auch jemand wie Rich Hopkins würde sicher anerkennende Worte für die Saarländer finden.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger