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Im Kino: Roadmovie „Der 32. August“

Simone hat’s bei einem schweren Autounfall gründlich das Oberstübchen durcheinander gewirbelt. Eigentlich war das selbstbewusste Model ja auf dem Weg zu einem Termin in Italien – aber nach dem Unfall ist alles anders.

Sie kündigt ihren Job – »endgültig diesmal, nein, wirklich« -und schreitet zum »Big Deal«, wie sie es nennt, mit ihrem Kumpel Philippe. Der soll ihr ein Kind machen, jetzt und hier und sofort – eines nur für sie allein. Philippe ist wie vor den Kopf geschlagen, und damit er Ruhe hat, stellt er die Bedingung, dass der Zeugungsakt in einer Wüste stattzufinden habe.

Simone, die von der überaus präsenten Pascale Bussiere mit viel Tempo und trockenem Witz verkörpert wird, hat in Nullkommanichts Salt Lake City als kommenden Tatort lokalisiert und via Internet die Tickets gebucht.

»Der 32. August« von Denis Villeneuve ist eine Mischform aus einer – ziemlich zeitgemäss gedachten – Love-Story und einem Roadmovie. Es gibt wunderschöne, sorgsam komponierte Landschaftsaufnahmen entlang einsamer Strassen zu sehen. Dennis Villeneuve und sein Kameramann Andre Turpin spielen gekonnt mit dunklem »Low Key« und mehr noch mit Weiss – so manche Einstellung ist ein Genuss beim Zugucken.

Und der zweite Film des Frankokanadiers ist keiner, bei dem der Zuschauer zugelabert wird. Die Story selbst ist nicht so berauschend, kommt nur zäh in Fahrt. Villeneuve fordert mit seinem fast schon antiquiert langsamen Erzähltempo volle Konzentration. Die deutschen Untertitel zum französischen Ton geben die Dialoge nur fragmentiert wieder. (-mpg)

Im Kino: Pauls Reise

Ein Road-Movie der etwas anderen Art hat Rene Heisig jetzt als Kinodebüt angeliefert. In »Pauls Reise« sind die beiden Protagonisten, der zehnjährige Paul (Niccolo Casagrande) und sein Vater Michael (Peter Lohmeyer)  in einer 460 PS starken Zugmaschine auf Achse aber das Vehikel spielt in dem 90- Minuten-Streif en keine besonders wesentliche Rolle.

Paul ist schwerkrank, dem aufgeweckten – und von Casagrande erstaunlich vielseitig gespielten – Kind steht eine grosse Untersuchung bevor. Der Versuch, seinen Vater zu treffen, schlägt fehl. Zunächst. Papa, ein Fuhrunternehmer, hat wie immer nur das Geschäft im Kopf.

Aber der Sohnemann ist – wohl auch, weil er den Ernst seiner Lage ahnt – hartnäckig. Einmal will er mit seinem Vater mitfahren, einmal das Meer sehen. Eines Morgens liegt Paul nicht in seinem Bett, und Michael ist zunächst stinksauer, als er den Kleinen im Cockpit seines LKW entdeckt.

Aber mit der Zeit verraucht die Wut und Michael lernt seinen Sohn und dessen Energie besser kennen. Mit der Wandlung vom proletenhaften Trucker zum empfindsamen Vater ist Lohmeyer in seinem Element. Als die Symptome der Krankheit deutlicher werden, muss sich Michael entscheiden: Bringt er seinen Sohn zum Arzt oder erfüllt er ihm seinen Wunsch?

Die beiden fahren ans Meer, verleben eine wunderbare Zeit, bis Paul zusammenbricht. Er wird von seiner Mutter abgeholt, sein weiteres Schicksal bleibt am Ende des Films offen…
Heisig erzählt diese nur unter der Oberfläche dramatische Geschichte in angemessen ruhigem Tempo; keine schnellen Schnitte, keine hektischen Schwenks. Die Musik von »Fury In The Slaughterhouse« unterstützt die Bilder an den richtigen Stellen mit Schwung. (-mpg)