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Stefan Hiller Quartett: Virtuos swingend

An Jazz-Maßstäben gemessen, ist er blutjung — und kann doch auf seinem Instrument eine ganze Menge. Stefan Hiller, ein in Bad Urach geborener New Yorker Jazzmusiker, gastierte am Mittwochabend in der Uracher Kreissparkasse. Der Anlaß für das zweistündige Konzert in der alten Heimat: Dem 26jährigen wurde von der Professor-Fischer-Stiftung ein Stipendium zuerkannt. Am überaus renommierten Bostoner »Berklee College Of Music« schloß er sein Studium mit Auszeichnung ab.

Daß der Musiker mehr kann als andere, war auch live zu hören. Trotz der »unjazzigen Atmosphäre« (0-Ton Hiller) in der neonbeleuchteten Kundenhalle der Sparkasse brachten die vier Musiker sehr virtuos und einfühlsam ihre stets swingenden Stimmungen an die rund 80 Konzertbesucher und ließen ein stilistisch breitgefächertes Programm mit ansprechenden und selten leerlaufenden Soli hören.

Charlie Parker, John Coltrane, McCoy Tyner, Herbie Hancock oder Miles Davis nennt Hiller als seine Vorbilder. Was Wunder, daß im Bad Uracher Gastspiel neo-konservative Töne den Schwerpunkt ausmachten. Das Quartett bewegte sich meist in der Tonsprache der Hardhopper, konnte aber auch — wie in einer Hommage an den Gitarristen John Scofield — mit wenig Aufwand dampfenden Funk entwickeln. Besonders intensiv gelang Hiller auf seiner Gibson-Gitarre eine von ihm neu arrangierte Version des Standards »Body And Soul«.

Seine Mitmusiker erwiesen sich ebenbürtig: Besonders auffallend war das kraftvolle und sehr geschmeidige Tenorsax-Spiel von Götz Grünberg — und die extrem sparsame und sehr effektive Rhythmusarbeit von Roland Schneider am minimalistisch ausgestatteten Schlagzeugset im Verbund mit Bassist Remi Vignolo. (mpg)