Schlagwort-Archive: Reggae

MC Tolga: Lustloses Genuschel

Ein lustloser MC Tolga hat am viel zu späten Samstagabend zusammen mit dem Stuttgarter Lucky Punch Soundsystem im Reutlinger  »Nepomuk« Station gemacht. Erst um halb zwölf ließ sich der im Nepomuk nur nuschelnde Nachwuchs-Rapper und Schnellschwätzer zu einer kurzen Runde hinreißen, weit später in der Nacht gab’s nochmal ein kurzes Set.

Dazwischen und dazu legten die zwei Jünglinge vom Lucky Punch Soundsystem ziemlich wahllos Reggae-Platten auf — mal abgesehen davon, dass wir technisch kaum jemals ein versauteres Mix-Set erlebt haben, hätten sich die DJ’s die platte (und im Übrigen völlig folgenlose) Publikumsanmache via Mikro sparen können.

Ungefähr 60 Besucher tanzten mit.

Dr. Ring Ding & the Senior Allstars: Funky Offbeat-Grooves

Soll noch einer sagen, dass Bleichgesichter keinen Ska spielen können – »Dr. Ring Ding Ding & the Senior Allstars«, auch schon als Begleitband des Ska-Altmeisters Laurel Aitken hier und anderswo zu hören, heizten jetzt im Tübinger »Depot« einem offensichtlich fachkundigen Publikum kräftig ein.

Die Gruppe zeigte in ihrem professionell-gekonnten Set profundes Wissen um die Two-Tone-, Ska- und Reggae-Historie und besitzt neben grosser Routine offensichtlich auch enorme Spielfreude: Anders ist eine solch ausgelassene Partystimmung aus Musikersicht wohl auch kaum zu machen.

Von ganz alten Rocksteady-Nummern bis zu – authentisch, aber auch mit einem Augenzwinkern präsentierten — Ragga-Titeln reichte die Palette der Band.

Besonders motiviert schien dem Tonspion diesmal die bedingungslos exakte und funky groovende Bläser-Section von »Dr. Ring Ding & the Senior Allstars« zu sein – die lieferte zusätzliches Gewürz zu dieser sowieso schon alles andere als faden Offbeat-Suppe. (mpg)

Morgan Heritage Family: Reggae stinklangweilig

Ein Gewinn war das Konzert der »Morgan Heritage Family« um Peter Morgan höchstens in monetärer Hinsicht: Der grosse »Sudhaus«-Saal war am Sonntag voll mit Roots-Fans.

Damit ist aber schon alles Positive gesagt: Die drei Dancehall-Hüpfer im Vorprogramm – auch sie gehören praktischerweise zum 31köpfigen Morgan-Clan – kamen über die Verbreitung einschlägiger Klischees nicht hinaus; man hatte den Eindruck, dass da jemand ganz fix auf einen Zug aufgesprungen ist, bevor der endgültig abgefahren ist.

Sterbenslangweilig und beinhart konservativ der Auftritt der fünfköpfigen »Morgan Heritage Family«: Gegen die Musik dieser Gruppe mögen routinierte Backing Bands wie beispielsweise die »Robotniks«, die ja auch regelmässig die Gegend heimsuchen, wie Avantgardisten wirken.

Aber solange es noch genügend anspruchslose Reggae-Fans gibt, die auch Zweit- und Drittklassiges bejubeln, werden wir wohl auch um Konzerte wie das der »Morgan Heritage Family« nicht herumkommen. (mpg)

Dawna Lee: Tote Hose

Das alte Team der »B27«-Halle gibt’s nicht mehr, statt »DTK Music« hat jetzt ein Gastronom die Hoheit über die Hallenplanung – und Konzerte gibt’s so gut wie keine mehr.

Vorläufiger Höhepunkt der traurigen Entwicklung: Der Reggae-Abend mit der Engländerin Dawna Lee.

Das Konzert – das sich dann als Halbplaybackauftritt entpuppte – war auf Plakaten und der Presse gegenüber für 20 Uhr angekündigt worden. Aber um diese Zeit war niemand da und im Verlauf des in jeder Hinsicht stinklangweiligen Abends kamen in die »B27-Halle«, die ja gut 1300 Fans verkraftet, nur rund 50 Unentwegte.

Dass die dann auch noch fast drei Stunden einen erbärmlich schlechten DJ ertragen mussten, ohne auch nur einen Ton von Lee zu hören, ist eine Frechheit. Aber angesichts des schlechten Besuchs, dass der Konzertveranstalter (von dem in der Szene vorher noch nie was zu hören war) sich zukünftig zurückhält. (mpg)

Wailing Roots: Abwechslungsreich, vergleichsweise…

Reggae war mal wieder am Wochenende im Tübinger »Sudhaus« angesagt; mit den »Wailing Roots« spielte eine international recht gefragte Band. Trotzdem war der große Saal des Derendinger Kulturzentrums nicht ganz so voll wie sonst bei Reggae-Konzerten. Rund 250 Besucher sind aber — gemessen an der momentanen generellen Flaute bei Pop-Events — auch nicht gerade wenig.

Das multinational mit Musikern aus Jamaika, den Antillen und den USA besetzte Quintett gönnte sich weniger als 90 Minuten Verspätung — und spielte dann drei lange Sets. Zuerst meinten Reggae-Vielhörer, das grosse Gähnen kriegen zu müssen: Die »Wailing Roots« beschränkten sich in den ersten 45 Konzertminuten auf ’s bekannte Abspielen ebenfalls bekannter Bob-Marley-Titel. Nicht, daß die Songs von »War« bis »Rebel Music« nicht ihre Wirkung bei den Tanzwütigen gehabt hätten — aber so langsam könnten sich die Reggae-Bands landauf, landab auch mal was Neues einfallen lassen.

Die nostalgische Einleitung hätten sich die »Wailing Roots« — selbst seit mehr als einem Dutzend Jahren im Geschäft nämlich sparen können.

Nach der Pause zeigten die fünf durchaus eigene Prägung: Uber ihre im Vergleich sehr abwechslungsreich und spannenden Grooves von »Roots« bis »Ragamuffin« legten die »Jammernden Wurzeln« nämlich stimmig und locker Zitate aus anderen Bereichen der »Black Music«. Besonders überzeugend klang diese ungewöhnliche Form von »Crossover« dann, wenn jamaikanische Lässigkeit mit seelenvoller US-Soultradition und heftig peitschendem Funk zusammenkam. Nach zähem Anfang war’s dann doch noch ein gutes Konzert.   (-mpg)

Eek-a-Mouse: Locker und „dicht“

Reggae-Mann »Eek a Mouse« war mal wieder in der Mensa Wilhelmstrasse zu Gast; das Konzert in Tübingen war sogar das einzige in ganz Baden-Württemberg. Wer die letzten paar Gastspiele des Sängers miterlebt hat, konnte nichts bis wenig Neues an dem Date finden.

Die Verspätung – mehr als 90 Minuten – war Reggae-üblich zäh; und selbst, als fünfköpfige Begleitband routiniert zu den ersten Takten einzählte, liess der lange Lulatsch am Mikro zunächst auf sich warten.

Dann sang er seine mal schwermütig-verliebten, mal kämpferischen Lieder – ziemlich »dicht« schien »Eek a Mouse« diesmal zu sein dementsprechend – je nach Standpunkt locker bis lätschig.

Der Fünfer an Gitarre, Bass, Drums und zweimal Keyboards überarbeitete sich ebenfalls nicht und liess die sanften Rhythmen gekonnt, aber nicht eben sehr mitreissend blubbern.

Trotzdem gaben sich die zumeist ganz jungen Zuhörer sehr fetenwillig und machten auch die kleinsten Anmach-Versuche von »Eek a Mouse« begeistert mit. Scheint so, als ob bei der Tübinger Reggae-Klientel ein Generationswechsel stattgefunden hat. (-mpg)

Culture: Keine Offenbarung

»Culture« gastierte in Tübingen —aber eine Offenbarung war das Konzert der zumindest vom Namen her legendären Reggae-Gruppe nicht.

Von der ursprünglichen Gesangs-Trioformation, die mit ihrem Plattendebüt »Two Sevens Clash« 1977 einen für Jahre gültigen Meilenstein vorgelegt hat, scheint in Tübingen nur noch Bandgründer Joseph Hill übriggeblieben zu sein.

Dessen stimmlichen Qualitäten — Hill hat sich schon auch schon als veritabler Soul-Crooner bewiesen – mögen noch vorhanden sein. Zu hören war davon in der gnadenlos laut beschallten Mensa Wilhelmstrasse nur wenig.

Hill selbst machte nicht nur einen reichlich benebelten Eindruck — er hatte zum Euro-Tourstart von »Culture« auch offenbar recht wenig Lust und grummelte öfters eher, als daß er richtig sang.

Mag auch sein, dass ihn die magere Zuschauerkulisse in der Mensa enttäuschte: Höchstens zu einem Drittel war der studentische Fresstempel gefüllt — zu anderen ver-
gleichbaren Reggae-Veranstaltungen, auch mit wesentlich unbekannteren Bands, kamen in der Vergangenheit mehr. Die Band wirkte ähnlich unmotiviert wie der Chef und bot nichts, was über gelangweilte Routine hinausgeragt hätte. (-mpg)