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Degenhardt, Ebermann, Trampert: Satire parlamentarisch

Der Abend war schon schwer kabarettreif, , bevor er überhaupt richtig angefangen hatte: Thomas Ebermann, einer der drei Künstler, hatte es sich im Vorraum des »Foyer U3« an einem Tisch bequem gemacht – und wurde doch glatt von einigen Besuchern mit den Kartenabreissern verwechselt: »Ha, Sie sehen doch aus wie ein Kassenwart«, meinte eine – der Künstler nahm’s mit nur leicht gequälter Miene auf…
Nach der anfänglichen, etwas gedehnten Motivationstrainings-Nummer und einer ersten musikalischen Bösartigkeit von Kai Degenhardt (»Der Silberfisch«) machten sich die beiden Wortartisten ans Werk: »Verpasst Deutschland den Anschluss« war Motto und Frage des Abends – »in Göttingen kamen doch tatsächlich BWL-Studenten, die glaubten, wir würden das ernst nehmen…«.

Wichtig schien insbesondere Rainer Trampert hauptsächlich die eigene Botschaft zu nehmen – signifikant, dass sein Zeigefinger der rechten Hand die ganze Zeit über ausgefahren war.

Nicht, dass es Sentenzen wie »Deutsche lieben fremde Kulturen, aber sie müssen tot sein« oder böse Attacken auf den derzeitigen Innenminister an Schärfe gefehlt hätte – rhetorisch und dramaturgisch war das Rede-Programm aber eine Zumutung.

Speziell Trampert haspelte sich durch unglücklich formulierte, ellenlange Komma-Reihungen und machte sich damit manch gelungene Pointe selbst zunichte.

Den rund 80 Besuchern im »Foyer U3« gefiel’s aber trotzdem – und Kai Degenhardt, der schräg-verspielte Rock-Barde, kam bei seinem dritten Reutlinger Gastspiel sowieso gut an. (mpg)