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Rainer Tempel Trio: Ausnahme-Event

Ruhig, aber zahlreich und nachhaltig äußerte das Publikum am Samstag seine Zustimmung zu dem, was der Landes-Jazzpreisträger Rainer Tempel und seine zwei Begleiter Markus Bodenseh (Kontrabass, E-Bass) und Eckhard Stromer (Schlagzeug) hören ließen.

Sowohl Tempels zuhörende Kollegen wie auch »normale« Besucher waren sich einig, dass die drei Gegenwarts-Jazz vom Feinsten brachten.

Nicht nur, dass es jede Menge neue Tempel-Tunes (hinreißend melodisch und hübsch vertrackt: »Circus«) zu hören gab, nicht nur, dass das Tübinger Allround-Käpsele (endlich!) mal wieder selbst am Flügel saß und sich dort auch weidlich austobte: Das Rainer Tempel Trio spielte sehr stimmig, effizient und ohne Brüche innerhalb des Gruppengefüges miteinander, das Programm selbst ziemlich abwechslungsreich. Auch dieses Konzert geriet also sozusagen zum Ausnahme-Event.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Rainer Tempel: Bekommt Landes-Jazzpreis

Der 31jährige Tübinger Jazzkomponist, Arrangeur und Pianist Rainer Tempel hat den diesjährigen Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg zuerkannt bekommen.

Eine offizielle Begründung der Jury gibt es noch nicht, Rainer zeigte sich im kurzen Gespräch mit dem Szene-Tonspion am Freitagmittag überaus erfreut: »Cool, klar dass ich das gut finde, äähm, sehr gut sogar«.

Weil wir Rainer Tempel und seine Musik schon ein paar Jahre kennen, dürfen wir kompetent über die Gründe spekulieren, die zu der mit rund 13.000 Euro dotierten Preisverleihung geführt haben: Rainer Tempel ist nämlich seit fast einem Jahrzehnt ein Motor nicht nur der Tübinger Szene und hat insbesondere als Komponist, Arrangeur und Leiter einer eigenen Big-Band Hervorragendes geleistet: Seine grossorchestralen Stücke und ausgefuchsten Arrangements zählen zum Aufregendsten, was die deutsche Jazzlandschaft in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ausserdem hat Tempel bereits in ganz jungen Jahren erstaunliche technische Meisterschaft gezeigt.

Ein Preisträger-Konzert wird’s vermutlich im Oktober geben. Was er mit dem Preisgeld anfangen wird, weiss Rainer noch nicht genau: »Weil ich aber dieses Jahr wieder neue Aufnahmen mit der Bigband machen will, werd‘ ich das Geld wohl erstmal dafür verwenden«.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Rainer Tempel & NDR Big Band: Geschichten aus einer anderen Zeit

Auch auf die Gefahr einer Wiederholung hin: Schier unglaublich, wie viel der Tübinger Pianist, Komponist, Arrangeur und Bandleader Rainer Tempel wie gut kann. Nicht nur, dass der für Jazz-Verhältnisse blutjunge Musiker ein ausgezeichneter und ebenso hochmusikalisch wie effizient spielender Pianist in einer Vielzahl von Projekten war und ist, nicht nur, dass er eine eigene (!) Bigband am Laufen hält, er schreibt auch mehr oder weniger die komplette Musik für dieses Ensemble und kleinere Formationen und arrangiert sie auch noch (am Klavier, nicht auf dem Computer).

Jetzt, zur Eröffnung des Mammutprogramms der »3. Tübinger Jazz- und Klassik-Tage«, hat Tempel mit »Tales From Other Times«, einer gut 50-minütigen Bigband-Suite, eine weitere »Meisterleistung« vorgelegt.

Ganz zu Anfang gab’s Einführungsworte von Sven Gormsen, dem Chef des veranstaltenden Vereins, und der Tübinger Oberbürgermeisterin Dr. Brigitte Russ-Scherer, die wieder die Schirmherrschaft über die »Jazz- und Klassik-Tage« übernommen hatte.

In der zweiten Konzerthälfte spielte die weltweit renommierte Bigband des Norddeutschen Rundfunks im wesentlichen Stücke des Solotrompeters des Abends: Claus Stötter, jahrelanges Trompetenaushängeschild in Tübingen und jetzt reguläres
Mitglied der NDR Bigband, wurde zu Recht von den Besuchern im ausverkauften grossen LTT-Saal mit viel Beifall bedacht.

Der Knüller des Abends aber waren die »Geschichten aus einer anderen Zeit« — und Tempels wie immer witzige Anmoderationen sowieso. Das hat’s noch nicht gegeben, dass ein Bigband-Leader als erstes bei einer Festival-Eröffnung stocktrocken meint: »Guten Abend, schön, dass so viele gekommen sind —was mich gleich dazu bringt, ob jemand eine Vier-Zimmer-Wohnung für meine Familie, zweieinhalb Meter Klavier und mich weiss…«

Da hatte Tempel schon (wieder) die ersten von vielen Lachern auf seiner Seite.
Und dann erzählte er – ohne Worte – »Tales From Other Times«. Mit dem Titel fangen wir nicht besonders viel an, aber die Musik war, in acht Teilen, ziemlich einzigartig: Tempel hat das komplette Dynamik- und Klangfarbenspektrum, das ihm eine Bigband bietet ausgenützt; da gab’s tonal minimalistische Passagen in kleinster Besetzung ebenso wie volles Blech mit groovender Unterstützung der ausgezeichneten Schlagzeug- und Perkussionabteilung der Hamburger.

»Tales From Other Times« waren hochrhythmische Geschichten mit den für Tempel-Kompositionen typischen unerwarteten Wendungen, was Harmonik und Arrangements betrifft. Die Hamburger dürften die Suite des Tübingers schon alleine deswegen gerne gespielt haben, weil Tempel als Komponist so gut wie jeden ausführlich drankommen liess. Minutenlangen donnernden Applaus gab‘ für Tempel, Stötter und die 17 NDR-Musiker. (mpg)

Advanced Combo Funk: Hinreißend

Mit »Tab Two« wandelte der Ulmer Trompeter Jo Krauss schon auf eindeutig funkigen Pfaden — seine neue Gruppe »Advanced Combo Funk« ist da noch ein Stückchen konsequenter.

Und bekam jetzt beim sehr gut besuchten Tübinger »Sudhaus«-Gig die verschiedensten Stil-Ecken prima unter einen Hut: Wenn Maceo Parker, der »elektrische« Miles und George Clinton heute zusammen Musik machen würden, käme vermutlich was Ähnliches wie bei der »Advanced Combo Funk« raus: Eine hochenergetische Mixtur aus nicht zu schrägem Jazz und gut tanzbaren Grooves.

Die stiess auch in Derendingen seitens der gut 300 Besucher auf heftige Gegenliebe; besonders gut drauf waren an diesem Abend neben dem erstaunlich lockeren Chef E-Pianist Rainer Tempel, Bassmann Markus Bodenseh oder Saxofonist Libor Sima: Zwei lange Sets gab’s, jubelnden Applaus – und Zugaben satt.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Rainer Tempel Big Band: Jazz-Mannschaft umjubelt

»Was lange währt, wird endlich gut«; der Satz von Rainer Tempel zur Einleitung seines Bigband-Konzerts im »Sudhaus« klang durchaus befriedigt. Ist ja auch schön, wenn ein »lokaler« Musiker, Nischen-Mann mit Ausrichtung Jazz noch dazu, die Zuhörer in Hunderter-Einheiten anzieht: Bei der kleinen Gala zum fünfjährigen Bestehen der Bigband war der grosse Saal des Kulturzentrums wirklich bis auf das allerletzte Stehplatz-Eckchen gefüllt.

Das war nicht immer so: Als Tempel vor fünf Jahren seine »Wahnsinnsidee« einer eigenen Bigband kurzerhand mit Studienkollegen und Freunden in die Tat umsetzte, standen teilweise genauso viele Leute auf der Bühne wie unten zuhörten.

Das war nur eine Frage des Bekanntheitsgrads, nicht eine mangelhafter Attraktivität; ausserordentliche Qualität lieferte nicht nur der Chef als Komponist, enorm talentierter Arrangeur und fähiger Pianist, sondern das taten auch die einzelnen Musiker von Anfang an.

Heute ist die »Rainer Tempel Bigband« zumindest innerhalb der Szene ein Begriff – und Tempels Kollegen machen alle gern mit in diesem Orchester, obwohl das Salär nicht üppig sein kann.

Und wie sie alle am Samstag mitmachten: Ein lediglich lauwarmes oder gar schlechtes Konzert haben wir von dieser Band sowieso noch nicht gehört, aber dermassen hochmotiviert, strahlend, auf den Punkt genau und solistisch glanzvoll wie jetzt hat die »Rainer Tempel Bigband« in Heimspielen auch selten geklungen.

Hervorragende, inspirierte und spannende Soli gab’s unter anderem von den
Saxern Mark Wyand, Jochen Feucht und Frank Lauber zu hören und von Posaunist Gerhard Gschlößl.

Besonders prominent besetzt war diesmal die Trompeten-Sektion: Sebastian Studnitzky und der ehemalige »Tab Two« -Bläser Joo Kraus hielten sich solistisch vergleichsweise zurück, Claus Stötter bewies dagegen – einmal mehr – in Titeln wie »Miles Away« oder »ars amatoria« seine Klasse besonders auf dem Flügelhorn.

Wie immer bei Konzerten der »Rainer Tempel Bigband« verging die Zeit wie im Flug; der lange Abend war aber auch wegen der überaus witzigen Moderationen von Tempel kurzweilig. »Round midnight« war dann, nach donnerndem, minutenlangem Applaus und dem Italogasenhauser »Azzuro« endgültig Schluss für diesmal. (-mpg)

Groove Club: Feiner Soul-Jazz

Mag sein, dass es der einen oder dem anderen jetzt im »Zentrum Zoo« zu sehr nach »Easy .Listening« geklungen hat  – der »Groove Club« von Gitarrist Frank Wekenmann verpackte aber am Freitag recht raffinierte Inhalte in lockere Formen, die mal eher ins Funkjazz-, mal ins Soul- oder Rhythm’n’Blues-Schublädchen passen.

Bass und Schlagzeug spielten mit Dieter Schumacher und Markus Bodenseh zwei für ihre Qualitätsarbeit bekannte Vollprofis. Schumacher zeigte diesmal, dass er nicht nur swingt und ein prima Latin-Feeling hat, sondern auch sehr »shuffelig« spielen kann; das ergab im Verbund mit Bodensehs knurrigem Kontrabass-Ton dem Ganzen dann eher eine erdige Grundnote: Das PeeWee Ellis-Cover klang frisch und »funky«.

Und auf dem Original-»Fender Rhodes«-Elektropiano brillierte Rainer Tempel solistisch mehr als einmal – besonders schön in »Sunny« oder dem hinreissend gecoverten »Ain’t no Sunshine«: diesem Soulpop-Klassiker von Bill Withers verpasste der »Groove Club« einen elegant schwingenden Reggae-Mittelteil. Der glockig-weiche Sound des »Rhodes« gab dem Ganzen einen nostalgischen Touch.

Als Gast spielte bei diesem Konzert, das von Jazzclub und »Zentrum Zoo« gemeinsam veranstaltet wurde, Saxofonist Frank Lauer aus Köln. Sein Spiel klang gleichermassen im jazzigen wie im Sinn der Black Music »heiss«. Gitarrist und Bandmotor Frank Wekenmann zeigte sich als Rhythmusmacher und Solist gutgelaunt und fit: Der Chef machte dem »Groove Club« alle Ehre. (-mpg)

Rainer Tempel GmbH: Jazz-Könner

Es ist die alte Leier: In Reutlingen gibt’s ein hochkarätiges Jazzkonzert, und kaum einer geht hin. Wie so oft schon, wenn der »Jazzclub in der Mitte« zu Konzerten mit feiner Gegenwarts-Musik einlud, war auch am Sonntag beim Gastspiel der »GmbH« um den Tübinger Tasten-Tausendsassa Rainer Tempel der Kreis der Zuhörer überaus erlesen: Dabei zeigten sich nicht nur die Reutlinger Jazz-Zirkel überaus ignorant, sondern auch jene 2000 (!), die laut Dr. Gabriele Kübler von der »Stiftung für konkrete Kunst« via Brief persönlich eingeladen wurden.

30 hörten zu — und waren zu Recht ziemlich begeistert von der Musik, die prima zur weiten Halle der Stiftung passte: Die fünf Jazzer um den jungen Tübinger Pianisten, (Big-)Bandleader und Komponisten Rainer Tempel spielten mit viel Sinn für die Stille zwischen den Tönen, ausgesprochen dynamisch und gut zwischen formaler Strenge und freiem Ausdruck balancierend.

»Das ist ein Lieblingsstück der anderen« witzelte der als Musiker wie verbaler Vermittler souveräne Mittzwanziger am Flügel ironisch lächelnd, als er seine — hochintelligent und gleichzeitig herzenswarm erdachte Komposition — »Blick in die Welt« ankündigte: »Da hab‘ ich‘ nämlich vier Tonarten gleichberechtigt nebeneinander laufen lassen, und da ist’s nicht immer einfach die Kurve zu kriegen . . .«

Aber das Sextett nahm hier wie überhaupt die kompositorisch teilweise ziemlich heftig erdachten Kurven — bei Tempel und seiner ohrenfälligen Vorliebe für Collagen und Kontraste sind’s eigentlich öfters Steilabhänge — mit Bravour. Neben dem erwähnen Stück schien die enorm dynamische Musik-Geschichte um »Conan« (den Barbaren . . .) besonders gut anzukommen — oder der Tempel-»Hit« »Wechselnde Pfade«, der in dieser kleinen Besetzung stimmungsmässig ganz anders klang als in der Bigband-Version.

Auch die Soli der Musiker waren, salopp gesagt, »erste Sahne«: Tenorsaxer Marc Weyand, der Münchner Gast-Altsaxophonist Florian Trübsbach, Drummer Andreas Gandela und (ganz besonders) Christan Winninghoff (Trompete, Flügelhorn) sowie Kontrabassist Markus Bodenseh spielten allesamt einfalls- und mit individueller, wiedererkennbarer Phrasierung auf ihren Instrumenten.

Weder die Instrumentenbeherrschung, noch die Improvisationen und schon gar nicht die Stücke selbst liessen auf das nach Jazz-Massstäben »jugendliche« Alter dieser Könner-Band aus Tübingen schliessen. Und Rainer Tempel (aber das wissen die Jazzfans in der Region schon) muß schon ein ganz besonderes Tonsetzer-Händchen haben, um in diesem Alter Stücke mit solchem intellektuellen wie musikalischen Tiefgang schreiben zu können.  (-mpg)