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Martin Schneider: Mit Handkäs‘ zur Erotik

»Die geheimen Top-Tips der Erotik« waren im Reutlinger Rappenkeller bei den Kleinkunsttagen angesagt. Martin Schneider, gern gesehener Brettl-Gast in der Region, zeigte im rappelvollen Gewölbekeller die Zusammenhänge zwischen Handkäse und dem »Ätherleib«. Der wird bei dem hessischen Satiriker zum »Eddaleib« und schon über den überzogen phrasierten Dialekt lachten die Zuschauer kräftig.

Noch mehr lachten sie über die unglaublich dummen Gesichter, die Schneider als ehemaliger Discjockey für Weichspülmusik im Supermarkt und jetziger Sex-Workshopleiter hinbekam. Dass er samt seinem »Walter« — so nannte Schneider den »Ätherleib« — mehr schwer erheiternd denn leicht erotisierend auf die Reutlingerinnen gewirkt hat, kann nur an der Enge des Raums — »das ist nicht so gut, da wird der Ätherleib eingeklemmt« — gelegen haben.

Schneiders Top-Tip zur Unwiderstehlichkeit: Das Gegenüber einfach mit weit vorgeschobenem Unterkiefer (»zur Öffnung des Wurzelchakras«) anmachen. Sieht ja auch dermaßen intelligent aus…

Schneider setzt auf sein komisches Talent, ätzende, gar nach althergebrachter Kabarett-Art politisierende Worte kommen ihm selten über die Lippen. Seine Mimik ist herrlich doof — und seine Nummern sind solche von Trotteln, von konsequent zu Ende gedachter Blödheit.

Und über Trottel lacht ja jeder gerne. Tränen gelacht haben manche, als Schneider babbelnd erzählte, dass er weiß, »wenn eine Frau mit Netzstrümpfen an der Bar was von mir will, fragt sie nach Feuer«. Als endlich mal eine was von dem Handkäs‘-Gestärkten will, muss der passen: »Es hat alles gestimmt, nur Netzstrümpfe hat sie keine angehabt. Ich bin dann nach Hause gegangen.«

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 28. Oktober 1993