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Teatro Ingenuo: Bellissime!

Eine spritzige und witzige Show brachte das »Teatro Ingenuo« am Freitag Abend im Rahmen der »Kulturlaub Spezial«-Veranstaltungsreihe auf die Bühne des Reutlinger Foyer U 3. Die beiden italienischen Clowns Ferruccio und Giovanni mischten auf sehr eigene Weise Pantomime mit Improvisationstheater und Kabarettistisches mit purer Blödel-Komik.

Eigentlich sind die beiden ja gekommen, um den Reutlingern die perfekte Theatervorstellung zu liefern, teilen sie den vielleicht hundert sehr amüsierten Besuchern in einem Höllentempo und in bestem Trappatoni-Jargon jedenfalls mit. Aber schon die irrwitzige Aufwärm-Nummer lebt davon, dass einiges danebengeht.

Die beiden Figuren auf der Bühne wollen eine »superprofessionale originale geniale« Show geben und scheitern doch immer wieder an eigenen Empfindlichkeiten und Macken – und auch daran, dass sie nicht alleine auf der Bühne stehen. Moderierend fallen sie sich dauernd gegenseitig ins Wort, stolpern über das eigene Silben-Staccato im Dauerfeuer und zeigen sich gegenseitig tief betrübt, über die Unsensibilität des jeweiligen Gegenübers – weil das den anderen nicht solo spielen lässt.

Diese gnadenlos überzogene Zurschaustellung von Spieler-Eitelkeiten mitzuverfolgen macht ebenso Spass wie die wilden und oft um die Ecke gedachten Dialoge des vielseitigen Chaos-Duos anzuhören: »Warum kaust du auffe Nägel?« – »Muss kauen wegen Nägelproblemo« »Sprich mit deinem Freund wenn du hast Probleme« – »Du willst mir deine Nägel anbieten?«…

Mit solchen sketchartigen Szenen kommen Giovanni und Ferruccio bei den »Kulturlaub Spezial«gästen ebenso an wie mit der (leider nur angespielten) Idee, den Besuchern fürs Zuschauen Honorar zu zahlen, nur um damit »etwas völlig Neues im Theater zu zeigen.«
Viel Gelächter gab’s im Foyer U 3 – und satten Applaus für das Italo-Duo. (-mpg)

Hepperle: Das Lametta halbiert

Das Reutlinger Alber-Haus war voll wie schon lange nicht mehr — und ebenfalls wie früher durften die Fans schwäbischer Mundart bei Wein und Hefezopf an Tischen sitzen. »Wenn’s hoißt, die Mundartwocha send nemmr des, no schdelld dr‘ Kenig Tisch ond Wein na und s’isch wia früher«, meinte der Organisator der Mundartwochen. Wilhelm König dachte am Mikrofon auch laut über einen eigenen Raum für Mundartliches nach: »A oigens Theahtr — dees wär’s doch!?

Im Alber-Haus ernteten Manfred Hepperle und seine Mitspieler Gabi Walser, Wolfgang Engelberger und Franz Kesenheimer lauten Beifall und noch  mehr leises Gekicher und Schmunzeln für ihre Mischung aus gespielten Sketchen und Gereimtem…

»Wohin man auch schaut/der Umsatz stagniert/s‘ wird nur noch geklaut«, reimte Hepperle — und bedankte sich knitz bei seinen Zuhörern: »Sie sind trotzdem gekommen/das Haus ist voll/Sie sparen woanders/das finde ich toll«.

Im »Treibhausgedicht« nahm sich Hepperle der Pflanzenchemie an, später stritt er sich in einem Sketch mit einem pflichtbewußten Bahnbeamten darüber, »ob denn zwoimal oifach dasselbe fischt wie oimal zwoifach ond hi ond zurück«. Nachdem solcherlei existentielle Fragen geklärt sind, ist »der Zug sowieso grad‘ naus«…

Viel Gelächter bekamen die oberschwäbischen Mundart-Kabarettisten — aus der Gegend kommen überraschend viele Witzbolde — auch für jene Szene, in der ein Mann mit Hund zur Party geht und seinem Gegenüber die allerfeinsten Speisen aufzählt. Irgendwann ist klar, daß die Leckereien nur für die Vierbeiner sind — »fir uns Besitzer geiht es Leberkäs«.

Hepperle erzählte auch von einem mißlungenen Vatertagsausflug: »Dr Hugo hot neie Läbensgefährtin drbei ghet, a Tiblohmbsichologin. Die hot a Thermosflasch Pfefferminztee mitbrocht. Also, mit Ewald kamm’r älles kaputtmacha«.

Den »Ehrentag«, an dem der Opa die verkniffene Rede seines erbsüchtigen Sohnes mit stoischer Ruhe erträgt, beklatschten viele mit Kennermiene. Witzig auch Hepperles festliche Sparvorschläge. Das mit dem »Basis-Set« aus England war wohl nichts: »Dies‘ Johr hemmr Maria und Josef kriagt, nächschts kommd’s Christkind«. Aber die Lieferbedingungen sind in fremder Sprache »ond was, bitte, send denn »se sri holli gouschts??«

Weil die britische Krippe doch zu teuer war, »hemmr’s Lametta halbiert — dr‘ Länge noch«. Das war auch keine gute Idee, meinte Hepperle, denn: »Broidere Lametta schmeißen schon mähr Licht in dia Finschternis, nicht wahr?«

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 14. März 1994