Schlagwort-Archive: Klaus Birk

Klaus Birk: »I will des Pferd«

»Wackelkontakte«, heißt das neue Programm von Klaus Birk, bestens bekannt als Solo- und Duokabarettist (»Vis ä Vis«) wie auch immer mehr aus Funk und Fernsehen. Gut 60 Besucher der Metzinger GEA-Geschäftsstelle kamen am Sonntagabend in den Genuss einer Vorpremiere; die richtige Premiere ist heute im Stuttgarter Renitenz-Theater.

Wenn das Gelächter im Publikum ein Gradmesser für die Güte eines Brettl-Programms ist, dann muss Birk nicht mehr allzu viel an »Wackelkontakte« herumstricken; im Moment probiert der Kleinkünstler nämlich noch jede Menge Neues aus: »In jeder Vorstellung ändert sich was«.

Im Kern, der in Metzingen schon feststand, geht’s um »Wackler« in der Kommunikation zwischen Männlein und Weiblein. Oder, krasser und mit den Worten Birks ausgedrückt: »Frauen wollen Männer an ihren Gefühlen teilhaben lassen. Männer sind praktischer. Frauen wollen, dass Männer sagen, wie sehr sie sie lieben. Ein Mann drückt seine Liebe aus, indem er ein neues Waschbecken montiert«.

Das Prinzip eines Birk’schen Kabarettabends scheint gleich geblieben zu sein. Aus vielen kleinen Nummern und Ein-Mann-Sketchen, die durchaus nach wie vor auf schnelle Lacher zielen, nähert sich Birk seinem Thema aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln.

Bei den »Wackelkontakten« sind Birk die Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Textnummern besonders gut und elegant gelungen: Obwohl seine Metzinger Vorstellung mit gut zwei Stunden reiner Spieldauer Überlänge für Brettl-Verhältnisse hatte, blieb sie – weil der berühmte rote Faden eben da war – weitgehend kurzweilig.

Mit Sinn für Dramatik spielte Birk – von einem von »ihr« gewünschten, aber von »ihm« verpennten mittäglichen Einkaufsbummel ausgehend – allerlei todsichere Möglichkeiten vor, die »Beziehung« in den Graben zu fahren: Für sie ist es ein Super-GAU, wenn er auf ihre Frage, ob er denn eben mal schnell eine Glühbirne auswechseln könne, zwar fachmännisch erklärt, was zu tun ist – aber dann doch auf dem Sofa liegen bleibt.

Für ihn gibt es zwei Varianten eines Einkaufsbummels: »Schrecklich ist, wenn sie sich selber Klamotten kauft. Grausam wird’s, wenn sie ihm Klamotten kauft«.

Birk hat genau hingeschaut und karikiert (längst nicht nur im Schwäbischen) gängige Verhaltensmuster diesmal noch witziger als sonst: Birk-Fans dürften von dem neuen Programm begeistert sein. Nicht so recht gepasst zum Thema des Abends hat die Einleitung, in der sich Birk über die Plakate der Landtagswahl lustig machte – diese zumeist etwas platten Kalauer könnte er (wieder das Publikum als Messlatte angelegt) zugunsten des witzigen und stellenweise auch richtig schön scharf satirischen Programm-Kerns streichen.

Und auch manche andere Nummer wird vermutlich gestrafft noch besser: Etwa die, wo ein Schwoba-Männle angesichts der heutigen Werbe-Psychologie intellektuell aufgibt: Gerade hat er das wilde Pferd auf der Kinoleinwand durch Amerika reiten sehen – und versteht die Welt nicht mehr, dass diese Szene für Zigaretten werben soll: »I rauch net, i will des Pferd. Des isch gsund, hot koi BSE, i will des essa«.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Klaus Birk: Vom Schwaben in uns

Als Mitglied des beliebten Tübinger Kabarettisten-Duos »Vis a Vis« hat Klaus Birk schon in der Vergangenheit bei uns in der Region und darüber hinaus jede Menge Lacher geerntet; am Sonntag gastierte der ganz schön satirisch veranlagte Komiker bei der Abschlussveranstaltung der Reutlinger Mundart-Wochen im vollbesetzen Spitalhofsaal. Zu hören und zu sehen gab es unter dem Titel „Fata der Morgana“ eine Art „Best Of“-Auswahl von Birke bisherigen Nummern.

Im Wesentlichen drehte sich an dem zweistündigen Abend alles um die Schwaben, insbesondere um den Schwaben in jedem von uns — und auch um die Probleme, die einer mit seiner Herkunft so haben kann.

Birk fand die deutsche Vereinigung schon alleine deswegen klasse, weil seitdem die Schwaben nicht mehr alleine mit ihrem seltsam klingenden Dialekt sind. »Wir sind nördlich von Stuttgart unheimlich beliebt — solange wir die Klappe halten«, lautete eine andere Erkenntnis des Tübingers.

Sehr erheitert zeigten sich seine Zuhörer von der reichlich abstrusen Ethno-Information, nach der »der Schwabe« eigentlich ein abgesplitterter Stamm eines fernen Bergvölkchens sei — und die »Alb der Beweis dafür, dass nicht nur im Himalaya Yetis leben«.

Noch spinnerter, aber auch ziemlich komisch Klaus Birks Geschichte über die Entstehung des Mercedes-Sterns, »der im 17. Jahrhundert eigentlich eine Butterbrezel« war.

»Der Schwabe baut eigentlich nur deswegen Häuser, damit er nicht mit seiner Familie in den Urlaub fahren muss«, wußte Klaus Birk und zeigte danach recht anschaulich, wie sich das Durchschnittsexemplar eines süddeutschen Manns beim Schnellkursus »Hausfrau für Männer« beim Tellerabwaschen verhält. In der Doppelrolle von »Helmut und Kurt« — zwei Schwabenmänner mit der Intelligenz eines Staubsaugers — ließ Birk puren Blödsinn auf die Zuhörer los.

Die zeigten sich auch bei diesem Finale der Reutlinger Mundart-Wochen bestens unterhalten und sparten nicht mit Applaus.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 27. Februar 1996