Schlagwort-Archive: Hauptbahnhof

Jack Jäckle: Soulrockbluespop

Wir können’s angesichts der Tatsache, dass es schön (und schön voll…) wie immer war, kurz machen: Vor exakt einem Jahr gab’s im Tübinger »Hauptbahnhof« die letzte überaus zugkräftige Soul- und Bluesnight mit Jack Jäckle und seinen Mannen, jetzt langte die Bande um den Tübinger Lokalmatador gleich zweimal zu.

Die Mischung aus nicht zu kantigem Rock, viel Blues und ein wenig Soul kommt beim Publikum nach wie vor bestens an, den Leuten hat’s mindestens soviel Spaß gemacht wie bei den letzten Ausgaben von Jäckle’s Bluesnacht – und die Musiker schienen auch ganz zufrieden: Bis nächstes Jahr also.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Alex Köberlein & Werner Dannemann: Schwoba-Blues im Doppelpack

Am Freitag gastierten die Herren Dannemann und Köberlein im beileibe nicht ausverkauften Tübinger »Hauptbahnhof«.

Obwohl sich der Gitarrist aus Kirchheim und der ehemalige »Schwoißfuaß«-Kopf seit Jahrzehnten kennen, hat’s zur gemeinsamen Duo-CD und dem entsprechenden Bühnenprogramm bis heute gedauert.

Im »Hauptbahnhof« gab’s eine kurzweilige Mischung aus »original« Dannemann-Blues, Covertiteln wie »Norwegian Wood« und Stücken direkt aus Köberleins Vergangenheit: Etwa »kleine Jungen« – oder, aus der Zeit seiner »hochdeutschen« Liedermacher-Karriere, »Fliegen«.

Die wenigen Abstimmungsprobleme und tontechnischen Unzulänglichkeiten (zum Beispiel Werner Dannemanns stets zu laute Gitarre) fügten dem guten Gesamteindruck keinen Schaden hinzu.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Al Copley: Boogie – was sonst?

Keine Frage, Al Copley ist ein guter Boogie-Pianist. Sonst wäre er nicht für zwei Grammies nominiert worden, und hätte nicht vor B.B. King oder Eric Clapton spielen dürfen.

Bei seinem Tübinger Konzert im »Hauptbahnhof« brachte Copley weniger jene fachmännische Tasten-Artistik, wie sie hierzulande Axel Zwingenberger salonfähig gemacht hat, sondern liess schwer Blues- und Rock’n’Roll-haltigen Boogie hören.

Angesichts der vielen Boogie-Interpreten, die es im Lauf einer Saison hier zu hören gibt, war das Konzert aber kein Herausragendes.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Waltzing Matilda: Quetschkommoden-Rock

Neben den »Tübinger Tönen »aus der Konserve – der SWR stellte zwei CDs mit Tübinger Hörbildern vor – gab es jetzt im Tübinger »Hauptbahnhof« auch Live-Musik von »Waltzing Matilda« zu hören.

Ganz nüchtern betrachtet ist diese Viererbande auch »nur« eine Coverband. Das Besondere ist, dass die Rock-Klassiker querbeet – Titel der Stones, von John Lee Hooker, Bob Dylan und anderen Grössen stehen auf der »Waltzing Matilda«-Songliste  – durch die Quetschkommode von Bandchef Christof Altmann eine ganz besondere Note bekommen. Seit längerem mit von der Partie ist Gitarrist Lutz Liebenberg, vergleichsweise neu mit dabei sind Bassmann Peter Schönfeld und Thomas Horstmann – letzterer nicht als Saiten-Meister, sondern (gut!) am Schlagzeug.

Die vier von »Waltzing Matilda« kamen mit ihrem locker-lässigen Akkordeon-Rock im »Hauptbahnhof« gut an.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Karl Berger: Vibraphon professoral

Ein grosser Star des Jazz vor allem der 70er Jahre weilte in diesen Tagen in Tübingen: Karl Berger, einer der ganz wenigen deutschen Jazzmusiker, die seit Jahrzehnten auch (vielleicht auch: vor allem) im Mutterland des Jazz höchste Anerkennung geniessen, gastierte mit seinem Trio im »Hauptbahnhof«; der »Jazz im Prinz Karl« war Mitveranstalter.

Der Vibraphonist Berger, den es Mitte der 60er aus der Kurpfalz in die Staaten zog, hat dort praktisch mit der kompletten Free- und Fusion-Elite zusammengearbeitet – von John McLaughlin bis Don Cherry, um nur zwei Eckpole zu nennen. Seit ein paar Jahren ist er wieder hier, hat eine Professur an der Musikhochschule Frankfurt.

Bergers Technik wie auch seine Kompositionen sind mit dem Prädikat »kunstvoll« richtig eingeordnet; auch in Tübingen gab’s fast in jedem Chorus Neues zu entdecken. Bergers Stil ist nach wie vor ziemlich direkt, schnörkellos, trocken.

Deswegen wirkte das Konzert wohl auch ziemlich akademisch; das »Karl Berger Trio« musizierte zwar, wenn’s nur um den notierbaren Part der Musik geht, ohne Fehl und Tadel auf hohem Niveau – aber halt auch unbeteiligt und selten groovend oder swingend.

Da hat beispielsweise Wolfgang Lackerschmid schon ganz andere akustische Feste in der Region abgeliefert, und die Tübinger haben mit Dizzy Krisch ja einen höchst seelenvollen Virtuosen mitten in der Stadt. Dem Vergleich mit den letzten Gastspielen dieser beiden Künstler in der Region hält das des »Karl Berger Trio« nicht stand. (-mpg)

Earl Okin: Very british, very amusing

Der Mann ist Brite und gibt sich auch als solcher: Nicht nur bei der emotionsgeladenen Jobim-Parodie stürzt der Komiker absichtlich ab, nicht nur da liegen die Besucher des Tübinger »Hauptbahnhofs« am Sonntagabend flach vor Lachen.

Der Mann ist unbeschreiblich komisch – aber nicht nur das: Mit grosser Sachkenntnis legt er musikalische Flachstellen und Klischees seiner Kollegen bloss: Sein parodistischer Abgesang auf ’s französische Chanson, in dem »alle nur noch steinalten Mustern nachhängen«, trifft ins Schwarze.

So heftig wie bei Earl Okin konnten die »Hauptbahnhof«-Besucher selten lachen. Entsprechend laut war der Beifall. (mpg)

Beistelltische: Zappa mal ganz anders

Nein, nein, die Göttinger »Beistelltische« sind ein ganz gesitteter Männergesangverein, auch wenn sie sich, sozusagen von Berufs wegen, mit ganz frechen Texten abgeben müssen. Klar, wer Frank Zappas Stücke a capella covert, darf nicht zimperlich sein – und muss sein Handwerk beherrschen.

Also: »Titties & Beer« sangen »Beistelltische« am Freitagabend im Tübinger »Hauptbahnhof« trotz Zuschauerwunsch nicht; dafür anderes nettes Rock-Gut des grossen Meisters mit zynischen Texten.

Zuckersüss erzählte die auch humoristisch ziemlich begabte a-capella-Formation beispielsweise, was für schlimme Krankheiten man sich beispielsweise »In France« holen kann.

Die „Beistelltische“ brachten Zappa-Gassenhauer wie »Love Of My Life« noch zuckriger als das Original – und setzten höllisch vertrackte Arrangements des Komponisten ohne Verluste an Hörgenuss gut um: Im »Sofa« – eine der ganz frühen Zappa-Nummern, die jeder Fan liebt – brachten die Göttinger nur mit ihren Stimmbändern alle möglichen Sounds zum Klingen. Hervorragend! (mpg)