Schlagwort-Archive: Gotthard

Gotthard: Rockfutter für’s Radio

Dass klassischer Hardrock, möge er auch ein wenig aus der Mode sein, in der Region eine starke Fangemeinde hat, weiss man.

Auch jetzt beim Gastspiel der Schweizer von »Gotthard« kamen 850 Besucher in die Tübinger B27-Halle – Publikum queerbeet vom pickligen Kuttenträger bis hin zum gereiften Pop-Mittelalter.

Mit ihrer aktuellen CD »Open«, deren Material im Mittelpunkt des Tübinger Konzerts stand, zeigen sich die Jungs um Sänger Steve Lee von ihrer (bisher) melodischsten Seite.

Auch wenn’s das Saiten-Duo aus Leo Leoni und Mandy Meier live zwischendurch auch ganz schön krachen lässt, klingen Songs wie »Free And Alive« oder »Back To You« dem beinharten Heavy-Fan wie zeitgenössische Automobil-Werbung in den Ohren: In Tübingen boten »Gotthard« letzendlich wenig eigenständiges Radio-Rockfutter.

Aber immerhin, das muss man der Gruppe lassen, handwerklich auf höchstem Niveau. (mpg)

Gotthard: Hardrock-Seligkeit

Der Rock-Fan hat’s inzwischen gemerkt: Das kleine Hirschau bei Tübingen ist nicht die schlechteste Adresse, wenn’s um deftige Spielarten der nostalgischen Sorte geht. Das »Bang Your Head«-Festival scheint – nach nur zwei, allerdings hervorragend besuchten Ausgaben – etabliert.

Und auch sonst pilgern Kuttenträger und Rockladies (besonders die mit Vorliebe für Stretchjeans und Fransen-Stiefelchen) gerne und in satter Zahl in die – bei Tageslicht betrachtet – eigentlich ziemlich »abtörnende« Stefan-Hartmann-Halle.

Auch am Samstag waren’s wieder gut 700, die sich die »harten« Jungs mit dem Matterhorn im Bandlogo anhören wollten. Warum die Schweizer sich vor Jahren, als klassischer Hardrock noch mehr out war als heute, dann ausgerechnet »Gotthard« genannt haben, bleibt wahrscheinlich offen.Wollen wir mal zugunsten der Musiker hoffen, daß das Ganze ironisch gemeint ist — glauben möchten wir’s nicht so recht…

Egal — die Jungs um Frontmann Steve Lee (ein echter Pfau, der sich aber auf der Bühne zu bewegen weiß) lieferten, jedenfalls aus Sicht der Fans, viel Qualität fürs Eintrittsgeld — und ein rein äußerlich betrachtet überdurchschnittlich langes Konzert noch dazu.

»Unplugged« und mit vier »friends« an Percussion, E-Piano und (noch zwei!) Gitarren spielten »Gotthard« in Hirschau – wobei die »akustischen« Instrumente elektrisch dermaßen verstärkt wurden, daß es doch wieder ein Heidenlärm gab.

Aber das war durchaus im Sinn der Erfinder, die harmonisch zuckersüße Balladen (»Angel«) und klassischen Boogie-Rock’n’Roll stilgerecht im Bombast-Sound aufbereiteten. Viel Beifall und Publikumsbeteiligung gab’s für die Schweizer — die sich vor dem Zugabe-Block mit einer energiegeladenen Cover-Version des Rockklassikers »Hush« bedankten. (-mpg)