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Giora Feidman: Betörend

Der Mann ist ein Phänomen: Seit mehr als zehn Jahren ist Giora Feidman, der Klezmer-Klarinettenvirtuose, mit mehr als schöner Regelmäßigkeit auf den Bühnen der Region zu hören: Drei oder vier Gastspiele pro Jahr in einem Umkreis von 60 Kilometern – das gilt eigentlich unter Veranstaltern als sichere Methode, Bankrott zu machen.

Bei Feidman, der diesmal mit dem Dresdner Organisten Matthias Eisenberg in Reutlingen gastierte, ist das anders: Auch dieses Konzert war restlos ausverkauft – vorher standen die Fans vor der Marienkirche Schlange, nachher mussten drinnen extra Stühle aufgestellt werden.

Und wie immer begrüßte Feidman das Publikum durch den Mittelgang gehend, mit huldvoller Gestik seine Klarinette schwenkend. Später, bei seinem in dieser Form auch schon öfters gehörten Klarinettensolo, spielte er so leise, dass man sich das Atemholen kaum traute.

Wie bisher jedesmal gab’s die bekannte Mischung aus jiddischer Musiktradition, Klassik und ein bisschen Pop – in der Marienkirche war’s ein bisschen Klassiklastiger als sonst.

»In the self« von Ora Bat Chaim, das Schubert’sche Ave Maria in der gehauchten Version, von Bach das Präludium in C und die Toccata in d, »The Angel Sing« betörend schön wie erwartet. Der zweite Satz des Mozart’schen Klarinettenkonzerts als Zugabe war da schon fast eine bahnbrechende Überraschung.

Aber weil das Publikum – auch hier: wieder – wohl zum größten Teil aus eingeschworenen Feidman-Fans bestand, schien die Atmosphäre in der Marienkirche andächtig konzentriert. Der Klarinetten-Star mit den manierierten Attitüden musste den Reutlingern nicht lange erklären, wo sie wie laut mitzusummen hatten – und am Ende des Konzerts war der Applaus wieder donnernd laut. Was sonst?

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Giora Feidman: Auf leisen Sohlen

»Sie denken sicher: Was ist das nur für ein Musikgulasch, das der da vorne zusammenspielt !« – Giora Feidman, der international anerkannte und gerühmte Meister der Klezmer-Klarinette, zeigte sich bei seinem neuerlichen Gastspiel in Bad Urach von seiner humorvollen Seite, war bestens aufgelegt.

Er verkaufte den »nur« rund 350 Zuhörern seine Botschaft nicht nur mit grosser Musikalität und behender Virtuosität, sondern auch verbal: »Wir werden doch nur zur Trennung verschiedener Stile erzogen – letztendlich ist es doch alles immer nur Musik, die wirklich universelle Sprache. Deswegen spiel‘ ich jiddischen Folk und Jazz und Soul und Bach gleich nach Prokofieff . . .«

In der Tat: In seinem Programm »Klezmer Celebration« (das es genau so in den letzten Jahren regelmässig in Reutlingen und Tübingen zu hören gab) mischt der Musiker mit fliessenden Übergängen zwischen den Stücken die »Aria« von Johann Sebastian Bach mit seiner eigenen Bearbeitung des Ravel ’schen »Bolero«, bringt Gershwin mit »Hava Nagila«, indischem Tablageblubbere und den Tango-Finessen Astor Piazzollas zusammen – für jeden quotenbewussten Radio-Programmmacher wäre das zur Zeit ein wahrhaft selbstmörderischer Mix!

Aber wenn Feidman diesen mit seiner grossen Ausdruckspalette auf der Klarinette präsentiert, sind die Zuhörer hin und weg, spenden dem Meister jubelnden Applaus. Das war auch diesmal in der Bad Uracher Festhalle wieder so – und wieder wurden Feidmans Begleiter, obwohl alles andere als schlecht, auch akustisch zu Statisten degradiert.

Bassist Anthony Falanga, Percussion-Mann Bradford Catler sowie der als Ersatz für Freddie Bryant eingesprungene Manny Katz an der Gitarre verblassten neben ihrem auch theatralisch sehr begabten Chef.

Zumal die Abmischung auch bei diesem Feidman-Gastspiel in der Region wieder ziemlich schlampig war und die Hallenverhältnisse ein Übriges dazu beitrugen, dass neben den Klarinettentönen eigentlich nur Soundmatsch zu hören war. (-mpg)

Giora Feidman: Betörende Klarinette

Der Mann ist ein Phänomen: Andere Künstler haben Mühe, bei einem Gastspiel hierzulande die Halle zu füllen — aber wenn Giora Feidman in die Gegend kommt, stehen die Fans mit schöner Regelmässigkeit Schlange.

Am Sonntagabend war’s wieder soweit, die Reutlinger Listhalle bis auf den letzten Platz ausverkauft. Der Berichterstatter bemerkte eine Verjüngung des Publikums  – aber sonst blieb, sehr zur Freude der Feidman-Liebhaber, alles beim alten.

Der Klarinetten-Magier wollte erst anfangen, nachdem auch die Zuspätkommer da waren. Dann kam Feidman mit einer leisen, verhaltenen Melodie seines künstlerischen Programmgestalters Ora Bat Chaim quer durch die Halle auf die Bühne — auch das kennt man schon von seinen Konzerten, die atemlose, gespannte, ja fast sakral-feierliche Stimmung im Publikum inklusive.

Selbst das Repertoire an diesem Abend ist, wenn auch nicht bis aufs i-Tüpfelchen identisch mit den letzten Programmen, weitgehend bekannt, die Mischung aus viel traditionellem und neu komponiertem »Jiddish Folk« sowie Jazz- und Klassikstücken kommt auch diesmal so gut an, daß nach jedem einzelnen Stück donnernder Beifall aufbraust.

Den Kernschen »01′ man River« bringt Feidman diesmal, auch wieder Piazolla und auf der 98er-Tour darf Gershwin natürlich nicht fehlen. Über die fantastische Technik Feidmans, der seine Klarinetten mit mehr Ausdruck spielt als andere singend vermitteln, ist auch an dieser Stelle schon so viel geschrieben worden, dass wir uns entsprechende Lobgesänge diesmal verkneifen.

Und im Besonderen nur noch die hinreißend auf der Baßklarinette gespielte Version von Ravels »Bolero« erwähnen möchten: Das war beim Konzert am Sonntag ganz sicher einer der betörendsten musikalischen Momente.

Bleibt noch zu erwähnen, daß auch Feidmans Band keine (negativen) Überraschungen bot: Kontrabassist Anthony Falanga, Percussionist Bradford Catler und Freddie Bryant an der Gitarre sind zusammen mit ihrem Chef ein in Hunderten von Konzerten perfekt eingespieltes Team. Das wieder – das ist ebenfalls nichts Neues — einen geradezu frenetischen Schlussapplaus bekam. Wetten, daß wir Feidman nächstes Jahr
wieder hören dürfen?   (-mpg)

Giora Feidman: „Is ojs Musik“

»Musik beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern mit der Stille davor«, sagt Giora Feidman, der Klarinettenvirtuose. Bei seinem Gastspiel am Samstag in der fast ausverkauften Reutlinger Listhalle hätte man die herühmte Nadel fallen hören können, bevor der klare, strahlende Ton des begnadeten Musikers aus der Stille kam. Und Feidman (wie immer) durcn die Publikumsreihen nach vorne auf die Bühne schlenderte.

Wen wundert’s, daß der 60jährige gebürtige Argentinier, der heute weltweit als »König des Klezmer« gefeiert wird, seine Fans und deren donnernden Applaus schon nach dem ersten Song-Block mit sachter, aber bestimmter Geste bremsen musste? Schon bei den zahlreichen, ebenfalls vom »Zentrum Zoo« angebotenen zurückliegenden Gastspielen des Musik-Magiers in der Stiftskirche Tübingen zeigten sich die Zuhörer geradezu süchtig nach stilistisch so weitgefächerten, immer in höchstem Grad sanglichen Klarinetten-Tönen.

»Is ojs Musik«, weiss Feidman — und die Reutlinger wissen es ebenfalls, spätestens nach dem zweistündigen Konzert. Jiddischer Folk als Schwerpunkt, dazu ein Gershwin-Medley, »Prager« und »Donna Donna« mit homogenem Publikumschor, Schuberts Heidenröslein und das Deutschlandlied, ganz sacht und verhalten: »Is scheen!«

Viel Neues gab’s für Kenner Feidmans, der wieder mit seinen langjährigen Begleitern Joseph Basar (Gitarre) und Anthony Falanga (Kontrabass) auftrat, zusätzlich noch den soliden Tabla-Spieler Brad Catler eingeladen hatte, diesmal also nicht zu hören.

Aber: So, wie der Meister spielte, könnte er wahrscheinlich mit einer einzigen Note lange fesseln: Er benutzte seine verschiedenen Instrumente als direkte Verlängerung seiner Stimmbänder, gibt praktisch jeden denkbaren Ausdruck menschlichen Empfindens eine eigene Tonfärbung.

Dass der Beifall für Giora Feidman und seine Begleiter donnernd laut war und das Publikum hingerissen, ist klar, oder? (mpg)

Giora Feidman: Feidman erzählt

Wäre er noch nie in der Region zu hören gewesen, dann müßte hier eine atemlos begeisterte, überaus ausführliche Konzertbesprechung folgen. Giora Feidman, der Geschichtenerzähler mit unvergleichlich zartem Klarinetten-Ton, ist aber bei den Tübinger Festivals ein regelmäßiger Gast; sein Konzert in der Stiftskirche war das dritte in drei aufeinanderfolgenden Jahren.

Der Rahmen kam einem bekannt vor: Das Gotteshaus mit rund 1300 Zuhörern nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt, der Beifall der Fans rauschend laut. Mit dabei ist auch wieder Feidmans langjähriger Begleiter am Kontrabaß, Anthony Falanga. Auf der Gitarre war Joseph Basar zu hören — Feidmann ließ dem Geburtstagskind später vom Publikum ein Ständchen singen.

Überhaupt, das Publikum: „Jedesmal, wenn ich komme, singt ihr ein bißchen besser“, schmeichelt der Virtuose — und erzählt den fest und kräftig intonierenden Fans erst nach dem gemeinsamen Chorgesang, daß sie da eben »Ludwig’s Music« angestimmt haben — Takte aus dem Rondo der »Pathetique« von Beethoven.

Das Schubertsche »Ave Maria« gab es ebenso wieder zu hören wie das jiddische »Dona, Dona« und später ein »Maria« von Bernstein. Der Großteil des begeistert aufgenommener Frogramms, durch das Feidmann redselig in englisch und jiddisch führte, machten natürlich Klezmer-Melodien und -Geschichten aus.

Die erzählte Feidmann auch dieses Mal mit perfekter Instrumentenbeherrschung und ebenso sicherem Gespür für musikalische Dramatik.

Seine Begleiter  – vom einen wußte man’s sowieso — erfüllten ihre Rolle präzise. Also war’s auch am Ende des Konzerts nicht anders als sonst: Donnernder Applaus. Feidmann wird wiederkommen, ganz sicher! (mpg)