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Elmar Hörig: Elmi, Claudia und die Beatles

Proppenvoll war die Osiandersche Buchhandlung in Reutlingen beim Lesetermin mit SWF3-Dampfplauderer und -Possenreißer Elmar Hörig. Nicht nur der auf ewig jugendlich abonnierte Star-Moderator zog die Leute an — das Thema Beatles ist auch ein Vierteljahrhundert nach den »Fab Four« aus Liverpool ein Top-Thema.

Hörig ist »Elmi« und wahrscheinlich wie das mit entsprechendem Aufdruck versehene Buch »100 Prozent Elchproof«. 220 Seiten stark ist seine »Beatles-Story«. Noch eine Pilzkopf-Bio?

Ja und nein. Einerseits hat Hörig »alles ganz genau recherchiert, wirklich, ehrlich« — anderseits hat er die nackten, längst bis ins letzte Detail bekannten Fakten in Romanform verpackt. Er läßt Raimond erzählen, einen Schutzengel, der samt irischem biertrinkendem Adlatus Rupert sozusagen den »Fab Four« zugeteilt ist.

Und dieser Raimond beeinflußt die Beatles kräftig per Traum-Suggestion. Wer wußte schon, daß — laut Elmar Hörig — »Yesterday« in Wirklichkeit gar nicht von Paul McCartney komponiert wurde, sondern von einem Kriegsopfer-Engel, der das Stück als Gruß Ton der Front an seine Frau gedacht hatte, leider aber zu früh gefallen war?

»Wer außer mir kann so einen Scheiß schon schreiben ?«, nimmt Hörig eventuelle Fragen nach einem Ghostwriter witzelnd vorweg. Ob das Buch mit diesem Thema und in einer trendigen Sprache so einzigartig ist, darf bezweifelt werden.

Sicher dagegen ist: So ungewöhnlich „las« in den letzten Jahren kein Autor in Reutlingen. Hörig lieferte nämlich rund 100 Minuten lang eine Live-Show, die genau wie seine Radio-Sendung geschickt auf die Mischung aus beliebter Musik, Verbal-Kalauern und blöden Witzen im Eilzug-Tempo aufbaute.

Da wollte Elmi, die Banane in der Hand, mit Steffi Graf telefonieren und konnte sie nicht erreichen, »weil sie ihr Geld sucht«. Da las Elmi aus dem »Tagebuch von Claudia Schiffer« vor. Kostprobe? »Gestern haben Mami und ich zum ersten Mal Marmelade gemacht, weil Mami ist auch blond. Wir haben einfach Berliner geschält«, heißt es da. Später erzählt Elmi unvermittelt, daß Claudia von »David eine Hustengutsel-Fabrik geschenkt bekommen hat. Die heißt Schifferman’s Friend«.

Über solche Witze lachen die Lesungsgäste mindestens so heftig wie über den Partner Hörigs, den irischen Gitarristen und Sänger Shane Brady. Der liest zwischendrin immer wieder auf gälisch aus »seinem Buch« vor, stellt »0. J. Simpsons Buch: Who put the knife in my wife?« vor — und übernimmt ansonsten recht witzig den Part des saufenden Engelassistenten Rupert.

Damit nicht genug. Brady und Hörig lockerten mit eingestreuten Beatles-Songs von »Things We Said Today« über »And I Love Her« und »Honey Pie« bis hin zu »My Life« — den Abend zusätzlich auf. Und brachten gar — »Herzilein, Herzilein, wenn ihr beide so freßt, bricht die Bühne ein«< — Volkstümelndes mit zwei Gitarren und Gesang.

Diese musikalischen Abschnitte waren nicht nur für Beatles-Fans die eigentliche Zumutung. Die beiden klampften die gewiß nicht schweren Harmonien oft grottenfalsch — und lediglich Brady besitzt eine passable Singstimme. Als »riesengroßer Beatles-Verehrer« hätte Elmi eigentlich spätestens hier die Klappe halten müssen und seine Finger im Zaum. Aber kann schon sein, daß ein Starmoderator den Abstand zu sich selbst verliert. Zumal, wenn selbst solche Musik-Peinlichkeiten beim Publikum bestens ankommen.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 15. September 1995