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50 Jahre Jazzclub in der Mitte

Der Reutlinger Jazzclub in der Mitte hat zum 50. ein Buch herausgebracht. Fotomontage © mpgText

Jazz ist nicht tot:“…er riecht nur etwas seltsam“, hat Frank Zappa in den 70ern gespöttelt.

In Reutlingen ist der lokale – für ganz Baden-Württemberg bedeutsame – „Jazzclub in der Mitte“ jetzt 50 Jahre jung geworden. Und statt einer mehr oder minder langweiligen Festschrift hat der Club ein Buch zum Jubiläum herausgegeben, das (sehr schön von Peter Bofinger gestaltet) mit VIELEN Bild-Raritäten große und kleine Geschichten über den Jazz in Reutlingen erzählt.

Es ist ein prima Buch geworden – nicht nur wegen meiner vielen Beiträge (*grins* ): „50 Jahre Jazzclub in der Mitte – Reutlingen und der Jazz“ erzählt von den (fast privaten) mühevollen Anfängen, von wilden Jazz-Nights, von Beinahe-Weltrekorden – und erinnert an viele hervorragende Konzerte, die hier schon über die Bühne gingen, an so manche großen Stars (wie beispielsweise Ray Brown oder Albert Mangelsdorff), die unprätentiös und ohne viel Federlesens im kleinen Jazzkeller große Kunst ablieferten.

„50 Jahre Jazzclub in der Mitte – Reutlingen und der Jazz“ ist im Eigenverlag des Clubs erschienen und auch dort zu haben: http://indermitte.de/

 

Clemens‘ Dixie Cracks: Heißer Jazz

Clemens Wittel ist in der Reutlinger Jazzszene bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund — »seine« Band, »Tante Frieda’s Jazzkränzchen«, ist seit Jahrzehnten ein Begriff in der Dixieland- und Oldtime-Landschaft.

Seit geraumer Zeit hat der versierte Pianist (und »Mitte«-Programmchef) noch eine andere Gruppe am Laufen: Unter dem Namen »Clemens‘ Dixie Cracks« spielt er mit mehr oder minder berühmten Kollegen zusammen, die gerade spielfrei haben oder in der Nähe verfügbar sind.

Bei den zwei Konzerten jetzt in der Neckartenzlinger »Neckarburg« war die Besetzung noch hochkarätiger als sonst.

Wittel präsentierte diesmal nämlich Oldtime-Profis erster Güteklasse aus vier europäischen Ländern: Mit dabei wieder Drummer Norman Emberson, der durch sein Jahrzehnte langes Engagement bei der »Chris Barber Band« bekannt ist —und der auch in der »Neckarburg« mehr als einmal staubtrockenen Humor zur Freude der rund 60 Zuhörer zeigte. Und, von seinen Entertainer-Qualitäten mal abgesehen, mustergültig präzise, stets swingend und sehr abwechslungsreich spielte.

Mit »Clemens‘ Dixie Cracks« hier schon zu hören war auch der ausgezeichnete Klarinettist und Saxer Frank Roberscheuten (sonst bei den »Swingcats«): Der Mann zeigte sich in Neckartenzlingen eher für die Abteilung »Romantik« zuständig, während Daniel Barda auf der Posaune mit jeder Menge »Growls« und bluesigem Grundton für eine sehr groovige Komponente sorgte.

Diese Cracks—es stimmt auch ohne Anführungszeichen — spielten sich routiniert, gekonnt und von den »Neckarburg«-Besuchern eifrigst beklatscht durch ein Oldtime-Standard-Programm. Besonders gut gelangen beispielsweise Fats Wallers »Ain’t Misbehavin« oder der Evergreen »There’s A Plenty«.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger