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Brian Setzer: Rock’n’Roll

Die »Straycats« sind schon lange tot – es lebe Brian Setzer. Nun war der Gitarrist und Songschreiber aus New York, der vor zwanzig Jahren mit eben jenen »streunenden Katzen« ein beachtliches Rockabilly-Revival auf dem alten Kontinent auslöste, nach ein paar Jährchen Pause mal wieder da: Das Stuttgarter »LKA« war nahezu ausverkauft; die Fans feierten »ihren« Gitarrenhelden frenetisch und ausdauernd – und nach zwei Dutzend Rock-Krachern tropfte doch tatsächlich das Kondenswasser von den Wänden.

Der mittlerweile mit mehreren »Grammys« ausgezeichnete Musiker hat sich – nach seiner Bigband-Phase mit seinem ebenfalls schwer nostalgisch veranlagten »Brian Setzer Orchestra« – wieder auf seine musikalischen Wurzeln besonnen.

Und auch das Format seiner Band reduziert: Statt 16 Mitmusikern gab’s jetzt in Stuttgart nur zwei – aber was für welche: Bassist Mark Winchester erwies sich als stets swingender Tieftöner, der gleichzeitig auch mächtig Druck machen konnte, Drummer Bernie Dresel ließ es im »LKA« rockig krachen, ohne dabei auf filigrane Schnörkel und Fill-Ins zu verzichten.

Mittelpunkt war in diesem Rock’n’Roll -Trio natürlich Setzer selbst: Er ist nach wie vor ein erstklassiger Gitarrist, der alte Songs als Grundlage für frische Riffkombinationen nimmt, die ohne weiteres fürs Lehrbuch taugen würden.

Bei neueren Songs klang es nostalgisch und stark nach dem alten »Straycats«-Sound. Die Zuschauer jubelten bei den vielen alten Titeln – »Ignition«, »Rumble In Brighton«, »Runaway Boys« oder »Stray Cat Strut« – ganz besonders.

Brian Setzer: Rockt wieder

Brian Setzer ist wieder da. Diesmal nicht mit einem neuen Album seines 17köpfigen Orchesters, sondern — wer hätt’s gedacht — im Trio: Brian Setzer ’68 Comeback Special heißt die Band, mit der der dreifache Grammy-Gewinner im letzten Jahr schon Amerikas Rock-Gemeinde begeisterte. Und diese Band gibt’s jetzt in der Mitte einer ausgedehnten Europa-Tournee auch in Stuttgart live zu hören.

Setzer (41) suhlte sich schon immer gerne in Nostalgie — und er hat es mit entsprechenden Projekten schon zweimal geschafft, verstaubte Musik-Genres wieder populär zu machen. Vor rund 20 Jahren landete der gebürtige New Yorker von England aus seinen ersten Coup: Dort hatte die seltsame Mischung aus authentisch-wildem Ur-Rockabilly und dem, was später dann mal »New Wave« genannt wurde, nämlich einen Riesenerfolg.

Gitarren-Altmeister Dave Edmunds war mit drei US-Jungs ins Studio gegangen — und im Dezember 1980 fanden sich die »Stray Cats« Setzer, Bassist Lee Rocker und Slim Jim Phantom (Drums) unter den britischen Top Ten wieder; Mit »Rock This Town« und dem »Stray Cat Strut« folgten innerhalb eines halben Jahres zwei weitere Smash Hits.

Songs, die heute noch zünden und einen Rockabilly-Boom auslösten. In Europa strömten zwei, drei Jahre lang Teds, Punks und Normalos vereint in die Konzerte: Setzer und Co. machten minimalistisches Standschlagzeug, Kontrabass und Gitarren aus den frühen 50ern auch bei einer Fan-Klientel populär, die eigentlich nach der Zerstörung aller Normen und alter Werte lechzte.

Vor zehn Jahren gelang Setzer ein ähnlicher Trick. Die Stray Cats waren längst Legende und die Grunge-Rocker von Nirvana auf den Spitzenpositionen der Charts, als Setzer sich mit einer klassisch im Stil der 40-er Jahre besetzten Bigband aufmachte, erneut »The Top of the Pops« zu erobern.

Das Brian Setzer Orchestra, zu Beginn der Neunziger noch Geheimtipp und erstklassige Live-Empfehlung, hatte mit »Jump Jive And Wail« weltweit einen Tophit. Das dazugehörige Album »The Dirty Boogie« verkaufte sich drei Millionen Mal, bekam zwei Grammys: eine Popularität, von der »echte« Jazzer oft nur träumen können . Der 2000er-Nachfolger »Vavoom« war kommerziell eine sichere Bank. Setzer hätte so weitermachen können.

Stattdessen landet er wieder bei den Roots und präsentiert jetzt mit seinem 68 Comeback Special und zwei Kumpels aus seinem Orchestra klassisch schöne Rockmusik, die die vielseitigen Einflüsse und Ideen des Gitarristen zeigt. Eigentlich hatten sich Setzer, Drummer Bernie Dresel und Bassmann Mark Winchester nur sessionmäßig zusammengetan — aber mit soviel positiver Resonanz, dass die drei sich zum Touren entschlossen. Die Kritiken der bisherigen Europa-Gigs in Barcelona oder Paris
sind fantastisch. (mpg)