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Ben Willikens: Spiel mit dem Raum

Das Thema ist der Raum, die Sichtweisen und Ergebnisse sind vielfältig. Der in Stuttgart lebende Ben Willikens, Professor an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, und zehn seiner Schüler und Schülerinnen stellen noch bis zum 3. Februar in der Reutlinger Planie in der Galerie Guth-Maas & Maas Arbeiten der letzten beiden Jahre aus.

Der drei auf vier Meter große monochrome »Raum« des Lehrers hängt seit ein paar Tagen nicht mehr in der ehemaligen Heinzelmann-Fabrik, sondern als Privatbesitz im neuen »Domino«-Haus am Echazufer. Dafür gibt es in der Galerie jetzt den »Raum 23« zu sehen — die Idee dahinter ist dieselbe. Mit feinen Grauabstufungen erreicht Willikens optische Weite.

Nol Hennissen verblüfft die Besucher mit körperlos schwebenden, zarten Farben an zwei Wandobjekten und einer Installation. Wie von Scheinwerfern beleuchtet wirken seine Arbeiten — aber sie sind es nicht: Das neonartige Leuchten ist gemalt und wird von Weißflächen reflektiert.

Stefan Schmid-k zeigt in seinen Arbeiten farbliche und geometrische Spannung sowohl in der äußeren Form seiner Bildträger wie auch im Inhalt selbst. Genauso Andrea Frank, die mit nachtblau eingefärbten, strengen Holzskulpturen Akzente setzt: Ihre Arbeiten stehen in direktem Bezug zu der Industrie-Architektur der Galerieräume.

»Den Zeitbezug zur aktuellen Industrieproduktion« stellt Barbara Bernnieder für sich mit schwarzem Lack als Farbträger her. Den hat sie in einfachen, schlichten Formen auf ihre Bilder aufgetragen. Die Strukturen sind bei Melissa Logan wesentlich dichter. Aber auch sie spielt mit den Gegensätzen, setzt scharf neben unscharf und erreicht mit Wiederholungen eine räumliche Wirkung.

Groß die Gegensätze zwischen den Exponaten Julia Wegats und Katarzyna Gordziejew. Die eine nutzt mit ihrer Videoinstallation»M« modernste Methoden und Materialien, die andere beschäftigt sich, wie sie selber formuliert, »mit den unmodernen Themen Akt und Stilleben«. Ihre Tuschearbeiten zählen zum Interessantesten in dieser Ausstellung.

Die zeigt — neben Arbeiten von Heinrich Gussenberg, Ulrike Hartwig und Hans Jörg Dobliar — auch verblüffende Buch-Kunst: Angela Fechter hat in ihren filigranen Objekten Bücherseiten (die sind zum Teil auch aus Metall) abgestuft beschnitten — so daß hier im ganz Kleinen räumliche Tiefe entsteht.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 17. Januar 1995