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Bang Your Head Balingen 2002: Schwermetaller unter sich

Wir geben’s zu, die Geschichte des »Bang Your Head«-Heavy-Festivals ist eine pure Erfolgsstory. Vor sechs Jahren als Insider-Veranstaltung in der Hartmann-Halle in Tübingen-Hirschau gestartet, ist die Veranstaltung des Rottenburger »Heavy, oder was!?«-Fachmagazins zum zweitgrössten Metal-Festival Deutschlands gewachsen.

Auch dieses Jahr strömten die Fans wieder aus ganz Deutschland und darüber hinaus nach Balingen – die Massen, auch wenn insgesamt wohl etwas weniger als 2001 kamen, waren wieder nur in Tausender-Einheiten zu zählen. Lange Haare und schwarze Klamotten der überwiegende Einheitslook im Publikum – das Programm war mit Saxon und Slayer als Hauptgruppen am Freitag und Sonntag musikalisch überwiegend konservativ geprägt: Gerade recht, um die alten Kutten wieder aus der Mottenkiste zu holen . . .

Die – geschätzt – rund 25 000 Fans feierten wieder (das war bisher bei allen Balinger »Bang Your Head«-Ausgaben so) ein zwar ohrenbetäubend lautes und aus Sicht des Pop-Normalverbrauchers auch musikalisch ziemlich wüstes Fest – aber halt auch ein friedliches. Auch wenn natürlich wieder viel zu viele kräftig über den Durst getrunken hatten, gab es doch beim »BYH 2002« weniger alkoholbedingte Totalausfälle als im Jahr zuvor: Das mässig sommerliche Wetter war geradezu ideal für so ein Festival.

Das »Billing« – szene-neudeutsch für die Liste der auftretenden Künstler und Bands – ging dieses Jahr noch mehr drunter und drüber als gewohnt. Das war nicht unbedingt immer ein Anlass zur Trauer: Die Schweizer von Shakra, die als Ersatz für die Speed-Metaller von Paradox am frühen Samstagmittag auftraten, wären mit Sicherheit auch im Abendprogramm ihren Anteil am Eintrittsgeld (das war vergleichsweise massvoll) wert gewesen und die »deutsche Metal-Queen« Doro, als Ersatz für Magnum eingesprungen, hatte (wieder) keinerlei Probleme, die Fans mit ihrem doch eher kitschigen Sound zu begeistern.

Stichwort »alte Bekannte«: Die Haudrauf-Musiker von Jag Panzer waren wieder mit von der Partie und zeigten unmissverständlicher als 2001, dass sie mit filigranem Heavygitarrengejubel wirklich gar nichts am Hut haben. Iron Savior, ebenfalls schon in der Vergangenheit mit dabei, lieferten am Samstag um die Mittagszeit eine gute Show ab, und die alten Recken von Bonfire um Claus Lessmann (wieder eine »Ersatzband«, diesmal für Symphony X) klangen für viele überraschend gut: Für uns nichts Neues, wir haben sie schon bei ihrem 2000er-Auftritt in Reutlingen und danach in der Region gehört und für gut befunden. Auch in Balingen kümmerten sich die Bonfire-Routiniers wieder geradezu liebevoll darum, ihre Fans in Stimmung zu bringen. Den Preis für den besten Kontakt zum Publikum müssen sie sich mit Gamma Ray teilen.

Als stumme Fische und uninteressiert-gelangweilt präsentierten sich die mit Spannung erwarteten Halford. Nightwish zeigten sich vor den britischen Metal-Opas von Saxon als musikalisch anspruchsvollste Band des gesamten Festivals: Die finnische Band verband höchst komplexe Arrangements mit derbem Ausdruck – so was gab’s auf den »Bang Your Head«-Festivals noch nicht oft zu hören.

Die Cover-Band Fozzy, die alte Metal-Hits aus den 80ern gut nachspielte, darf, wenn’s nach den Fans geht, ebenfalls wiederkommen. Die beiden Headliner des diesjährigen »BYH«, Saxon und Slayer, wurden zwar von den vielen Fans, die letztendlich nur ihretwegen gekommen waren, mit viel Vorschuss-Jubel empfangen – wer aber die anhaltend frenetische Stimmung bei vergangenen Festival-Hauptkonzerten miterlebt hat, weiss, das diesmal bei beiden Altstar-Bands der Szene die Luft ein wenig raus war. Saxon, einst Aushängeschild des British Metal, hielt sich wacker und kam mit einem Hit-Programm über die Runden.

Und Slayer, die US-Paradiesvögel mit der wilden Show? Die Songs, in Balingen ein wohl nach den Verkaufszahlen ausgewähltes Hitprogramm, klangen glanzlos und heruntergespult, in ihrem Bühnen-Habitus wirkten die vier öfters so, als ob sie sich selbst parodieren wollten – kein Vergleich (wenn der überhaupt erlaubt ist) beispielsweise mit der packenden Show, die »Motörhead« 2000 in Balingen ablieferte.

Insgesamt konnten die Fans aber wieder mit dem Schwermetall-Paket zufrieden sein – die Veranstalter waren’s auch, grössere Zwischenfälle sind uns nicht bekannt geworden. Das »Bang Your Head 2003« kann kommen. (mpg)

Bang Your Head Balingen 2001: Gigantische Schwermetall-Party

Es ist eine strahlende Erfolgsgeschichte des Rockbusiness: Was als Insider-Veranstaltung begann, ist ein europa-, ja weltweit beachtetes Mega-Festival geworden. Beim »Bang Your Head!! !« Heavy-Metal-Festival konnte man ’96 die Besucher in der Hirschauer Hartmann-Halle noch in Hunderten zählen – jetzt, bei der sechsten Ausgabe, hatte selbst die Polizei vor Ort Schwierigkeiten, die Besucherzahl genau festzustellen.

Seit Donnerstag waren junge und junggebliebene Schwermetallanhänger aus allen Ecken Deutschlands und Europas, ja sogar aus Nordamerika und Japan in der kleinen Stadt angekommen – am frühen Samstagnachmittag war dann (fast) alles dicht in Balingen und drumherum: Mit gut 30 000 Besuchern (die ja zum grössten Teil mit dem Auto kamen) gab’s dieses Jahr einen neuen Besucherrekord beim »BYH«. Und weil das Wetter perfekt mitspielte, schlugen noch mehr als sonst die mitgebrachten Zelte auf. Ergebnis: Am Wochenende gab es kaum ein freies Fleckchen mehr in Balingen.

Grössere Probleme sind trotzdem keine bekannt geworden. Die Organisation und Absicherung des Festivals schien auch diesmal wieder wie am Schnürchen zu laufen – und die sengende Hitze zumindest am ersten Festivaltag hielt jene Sorte Fan, die nach ausgiebigem Alkoholgenuss gerne Mist baut, von grösseren Untaten ab. Dafür hielten mehr als in den vergangenen Jahren ein unfreiwilliges Schläfchen – die Rot-Kreuz-Helfer dürften stellenweise ganz schön was zu tun gehabt haben…

Die Heavy-Metal-Party ist inzwischen über das Messegelände hinausgewachsen. Es dürften schon knapp tausend gewesen sein, die am Rande des »Bang Your Head! !!«-Festivals Camping-mässig mitfeierten. Laut genug war’s ja – je nach Windrichtung und Stärke war das metallische Gehämmere bis in den Nachbarort zu hören. Und das selbst im Kofferraum gebunkerte Bier – Sven, der aus Oberhausen angereist war, hatte eigens für das »BYH« eine zusätzliche Batterie plus Kühl- Kompressor in seine schrill bemalte Rostlaube eingebaut – schmeckte wahrscheinlich besser (und war billiger!) als die »offizielle« Festival-Verpflegung zu satten Preisen. Die muss diesmal übrigens an vielen Ständen ziemlich ungeniessbar gewesen sein. Klagen übers Essen waren vor und hinter den Kulissen das grosse Pausen-Thema des »BYH 2001 «.

Ansonsten waren aber eitel Freude, Sonnenschein und Sonnenbrand angesagt. Johnny Gioeli, der US-amerikanische Sänger von Axel Rudi Pells gleichnamiger Gruppe, schien am Samstagnachmittag ehrlich begeistert von der hochsommerlichen Kulisse und den begeistert bis frenetisch mitgehenden Fans: »Da fühl‘ ich mich wie in Kalifornien – nur, dass es dort nicht so viele begeisterte Fans für unsere Musik gibt«, rief der charismatische und höchst professionell agierende Frontmann der jubelnden Menge zu.

Das Set von Gitarrenmeister Pell und seiner Bande war nicht nur für den Tonspion einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals: Die Band war gleichermassen für Hardrock-Balladen mit fast schon klassizistisch angehauchten Soli des Chefs gut wie für derbe »Gib’s-ihm«- Hochgeschwindigkeitsummern. Das Zusammenspiel war hier perfekt – und die Musiker (insbesondere der Drummer, der sich gebärdete wie sein »Kollege« aus der Muppets-Show) bewiesen auch allesamt Entertainer-Qualitäten.

Gefeiert von den zu diesem Zeitpunkt vielleicht 14 000 Fans auf dem Messegelände wurde auch der Auftritt der Hardrock-Legende Uriah Heep am Freitagabend. Obwohl viele der ursprünglichen Mitglieder der Band, die in den 70ern und 80ern Pop-Musikgeschichte geschrieben hat, heute nicht mehr mit von der Partie sind, gelang es (Bandgründer) Mick Box und seinen Mitspielern, die Stimmung alter Rock-Tage an diesem Balinger Sommerabend wiederaufleben zu lassen: Nicht nur bei der »Lady In Black«, Uriah Heeps allergrösstem Hit, schlugen die Wellen der Begeisterung ganz hoch.

Besonders gefeiert wurden im Abendprogramm des ersten Festivaltags auch die mustergültig musizierenden Monumental-Rocker von Savatage – und die alten Recken von Judas Priest, in den 80ern so etwas wie ein Synonym für Heavy-Metal, natürlich sowieso.

Der neue Sänger »Ripper« Owens hat trotzdem ein bisschen zu sehr geschrieen – und dass Judas Priest offensichtlich den Motörhead-Lautstärke-Overkill von 1999 übertreffen wollten, tat der akustischen Transparenz nicht gut. Statt jubelnden Heavygitarren hörten viele nur noch Klangmatsch.

Ähnlich mulmig war der Sound bei Megadeth, die ihre Fans (viele waren am Samstag extra wegen dieser Band gekommen) mit einem Klassiker-Programm beglückten. Dieses Konzert hinterliess auch wegen manchen Abstimmungs-Schwierigkeiten und Timing-Problemen einen zwiespältigen Eindruck.

Eindeutig war das Urteil unter »BYH«- Experten, dass Stratovarious eine der besten Metal-Live-Bands sind: Auch diesmal lieferten der ausnehmend einfallsreiche Gitarrist Timo Tolkki und seine Gruppe wieder ein höchst energiegeladenes, mitreissendes Konzert.
Unmöglich, hier alle 22 Bands des Mega-Festivals zu würdigen. Eine positive Erwähnung haben aber sicher Armored Saint genauso verdient wie Kamelot, Rose Tatoo oder Helstar. Das Experiment, mit Six Feet Under erstmals eine Band aus dem sogenannten »Death Metal«-Lager beim »Bang Your Head!!!« auftreten zu lassen, hat – wenn auch nicht gerade überragend – geklappt.

Die grosse Show gab’s zum krönenden Abschluss des Balinger Heavy-MetalFestivals – und beileibe nicht nur auf der Bühne! Zur schrill-bunten, abwechslungsreichen »Best Of«-Vorstellung des ehemaligen Twisted-Sister-Paradiesvogels Dee Snider samt aufwendiger, spektakulärer Pyrotechnik kam – wie bestellt zu den letzten Tönen des »BYH« – die Show von oben: Bei dem überaus heftigen Gewitter, das Tausende Besucher in Nullkommanichts bis auf die Knochen durchnässte und so manches Zelt im Schlamm versinken liess, konnten Festivalmacher und Musiker nur noch einpacken… (mpg)

Bang Your Head Balingen 2000: Mekka der Schwermetaller

Hardrock und Heavy-Metal bis zum Ohrensausen, fast zwei Dutzend Bands in einem 26-ständigen Mammut-Programm, Fans zu Tausenden aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und darüber hinaus.

Wer beim diesjährigen »Bang Your Head!!!«-Festival — wieder veranstaltet vom Rottenburger Fachmagazin »Heavy, oder was!?« – mit dabei war, mag kaum glauben, dass das Riesenfestival vor einer halben Dekade in der Hirschauer Hartmann-Halle als Insider-Veranstaltung begann: Damals kamen 400 Fans zu einer Art »Familientreffen«, diesmal werden es wohl um die 13 000 Besucher gewesen sein, die am Wochenende das Balinger Messegelände enterten – und das beschauliche Städtchen für zwei Tage in ein Mekka der Schwermetall-Musik verwandelten. Im Vergleich zum letzten Jahr, als »Deep Purple« und »Motörhead« als Headliner denkwürdige Highlights lieferten, kamen allerdings deutlich weniger Besucher.

Dafür hatten Verkäufer und Sponsoren das »BYH«, wie das Festival abgekürzt heißt, fest in ihrer Hand. Das trieb teilweise seltsame, in einem Fall sogar ziemlich geschmacklose Blüten. Das Messegelände erinnerte mit den Dutzenden Ständen fliegender Händler eigentlich mehr an einen Wochenmarkt als an ein Musik-Festival – und was, bitteschön, hat ein Mädchen-Trio, das sich zu Billig-Technopop aus der Konserve entblätterte, auf einem Heavy-Festival zu suchen?

Nichts, natürlich – ausser, dass eine das »BYH« unterstützende TV-Produktionsgesellschaft die Hupfdohlen in markiger Kulisse abfilmen wollte. Die Fans vor der Bühne quittierten das befremdende Spektakel am ersten Festivaltag mit lauten, nicht wohlmeinenden Pfiffen.

Schade – in den »BYH«-Anfangstagen waren die Fach-Journalisten um Horst Odermatt eigentlich angetreten, ein Gegengewicht zur verkommerzialisierten Szene aufzubauen. Aber das »Schneller, größer, lauter«-Prinzip fordert natürlich- auch beim »Bang Your Head!!!« seinen Tribut – und die ständig steigenden Produktionskosten müssen – angesichts der immer noch vergleichsweise moderaten Eintrittspreise – anderswie aufgefangen werden.

Zu den Bands: Die mit Spannung erwarteten Klassiker von »Thin Lizzy« sagten leider wegen Krankheit ab, ebenso die US-Recken- von »Grimson Glory« – letztere mit einer hanebüchenen Begründung: Laut offizieller Pressemitteilung soll ein Gitarrist der Band in einen giftigen Kaktus gefallen sein. Wer’s glaubt…

Die »Scorpions« um Klaus Meine waren aber da – und liessen sich trotz ziemlich magerer musikalischer Leistungen von dem alles anderen als jungen Publikum mit einem satten Hit-Programm am Freitag frenetisch feiern. Wer im derb Alkohol gesättigten Publikum noch etwas mitbekam und/oder stehen konnte, reckte die Arme nach oben und sang die Klassiker im geschlossenen Fan-Chor mit. Glück für Herrn Meine: Stimmlich zeigte der sich nämlich am Freitag (wie ja auch bei dem »Scorpions«-Gig vor vier Jahren in der Stuttgarter Schleyer-Halle) alles andere als gut disponiert.

Dafür waren die Recken von »Saxon« extrem gut drauf – und kamen bei dem Publikum, das im Durchschnitt wohl etwas über 30 Jahre alt war, auch bestens an. Ebenso »Demons & Wizzards« – und ganz besonders auch »Axxis« am frühen Nachmittag, die sich wieder einmal als ebenso gute Musiker wie auch sehr bemüht um ihre Anhänger zeigten.

Eine feine Vorstellung lieferten am Samstag auch »Virgin Steele« und – ganz besonders – die eidgenössischen Hardrock-Pioniere von »Krokus«, die mit sauberem Handwerk und Engagement beeindruckten.

Nicht nur aus Sicht der Fans ziemlich deplatziert wirkten dagegen »Doro« mit Grunge-lastigen Songs – und noch mehr die US-Highspeed-Könige von »JAG Panzer«, die, schaut man sich die magere Resonanz der Festivalbesucher auf ihr Set an, wohl besser im Mittagsprogramm gespielt hätten. Dafür wurden die deutschen Musiker von »Running Wild«, die ganz zum Abschluss des »Bang Your Head 2000« auftraten, dann wieder ziemlich frenetisch gefeiert.

Bei all dem Kommerz ist dem Heavy-Festival auch was sehr Positives geblieben: Obwohl – zumindest am Freitag – sich viele hundert Fans bis zur Besinnungslosigkeit betranken, obwohl sich viele Schwermetall-Liebhaber optisch als ganz »böse Buben« ausgaben, hatten die Rot-Kreuz-Mitarbeiter, Polizisten und das Sicherheitspersonal  ein vergleichsweise ruhiges Wochenende: Beim »Bang Your Head 2000« gab es keine nennenswerten Zwischenfälle. (-mpg)

Bang Your Head Balingen ’99: 17000 bei Motörhead und Deep Purple

Das Gewitter ist vorbeigezogen. Und Balingen steht noch. Von Donnerstag bis Samstag war es ein Mekka der Hardrock-und Heavy-Metal-Fans. Zum »Bang Your Head!!!«-Festival – aus Tübingen-Hirschau wegen akuten Platzmangels aufs Balinger Messegelände und in eine Disco verlagert – kamen insgesamt rund 17 000 Fans und 21 Bands.

Die Gegend lag zwar bei den 17 Openairauftritten am Freitag und Samstag bis in die Vororte hinein unter Dauerbeschallung der Sägegitarren, und sämtliche Parkmöglichkeiten waren ausgeschöpft – aber grössere Zwischenfälle gab’s bei dem Mammut-Rockereignis keine. Ein paar Rempeleien unter Fan-Grüppchen am Freitag, Alkoholleichen satt übers ganze Programm verteilt: Nichts Besonderes für ein Rockfestival dieser Grössenordnung.

Die meisten der Fans schwelgten in der harten bis knallhart-derben Rockmusik, die zwar aus Trendforscher-Sicht ein wenig angestaubt sein mag – aber offensichtlich immer noch sehr viele Anhänger hat. Horst Odermatt, Herausgeber des Rottenburger »Heavy, oder was!?« und Chef-Organisator der Festivals, hat also was die Auswahl der Bands und des Orts anbetrifft – offensichtlich den richtigen Riecher gehabt.

Die Entwicklung des »Bang Your Head!!!«-Festivals in nur vier Jahren (`96 kamen rund 600 in die Hirscher Hartmann-Halle) zu einem weit über deutsche Grenzen hinaus attraktiven Mammut-Ereignis ist schon erstaunlich.

Mit dieser überwältigenden Resonanz – letztendlich aus Fansicht und deswegen erfolgreich von den Blattmachern organisiert – hat selbst aus dem Veranstalterteam keiner gerechnet. Vor dem Festival erhoffte Odermatt Zehntausend, alleine beim Headlinergig der Rocklegende »Deep Purple« hörten dann 9 000 grösstenteils begeisterte Fans zu.

Die wenigsten werden direkt aus der Region gekommen sein. Aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien reisten Kuttentragende Jünglinge wie bärtige Biker-Bären an, sogar aus Grossbritannien und Japan (!) waren Fans da.

Derb, rauh, am Freitag auch ziemlich versifft ging’s zu bei der Balinger Premiere des »Bang Your Head! ! !«- Rockfests – aber die Stimmung war wieder prima und von einem »Wir sind alle eine Familie«-Gefühl der Masse überlagert, die Dauerbesucher des Festivals schon kennen.

Das professionell arbeitende Ordnungs- und Sicherheitspersonal zog mit – freundlicher schien die »Security« dem Berichterstatter bei Festivals dieser Art selten.. .

Um dreiviertel elf kam der Aufschrei aus Tausenden Kehlen. Da stimmten nämlich Ian Gillan, Jon Lord und Co. ihr »Smoke On The Water« an – und fast alle sangen bei diesem Über-Rockklassiker mit. Der Auftritt des – stimmlich erstaunlich fitten – Gillan und seiner routinierten, aber nicht langweiligen Kumpane geriet für die Besucher zum Highlight – eine im Vergleich zum ganz alten Sound (etwa dem auf »Made in Japan«) »originalgetreu« reproduzierte Version von »Strange Kind Of Woman« inklusive.

»Glanzlicht« wäre als Beschreibung für den Auftritt von Schreihals Lemmy Kilmister und seinen bösen Buben von »Motörhead« ungeeignet. Der Frontmann wollte offensichtlich beweisen, dass die schon in den 70ern wegen ihres brachial lauten Sounds berüchtigten Musiker immer noch den Fans die Haare mittels Lautsprecher-Membranen fönen können: Dieser Gig beeindruckte nicht wegen musikalischer Feinsinnigkeiten wie bei »Deep Purple« so manchesmal, sondern wie früher – wegen der Lautstärke.

Da halfen selbst Ohrstöpsel nichts. Lemmy müsste bei solch einer Beschallung eigentlich schon längst taub sein aber seinen grössten Hit »The Ace Of Spades » – hat er bestens hingegröhl. . ., pardon, hingekriegt.

Da gefielen die Schweden von »Hammerfall« im direkten Vorprogramm zu Lemmy eigentlich viel besser – die Band brachte sehr melodische, harmonische Metal-Elemente, ohne die Klischee-Kisten allzusehr zu bemühen.

Was gab’s sonst noch beim Heavy-Festival? Mindestens noch ein halbes Dutzend wirklich sehr gute Auftritte, viele andere passable dazu. Der Platz hier reicht bei weitem nicht aus, jede erwähnenswerte Band des 23stündigen Konzertmarathons zu berücksichtigen.

Länger im Gedächtnis bleibt vielleicht dem einen oder anderen noch vielleicht der Auftritt von »W.A.S.P.« haften, die regelrecht in Kunstblut planschten und auch sonst eine regelrecht kitschig-martialische Show lieferten. Die Frage, ob da Routiniers mit manchen Genre-Klischees gespielt haben oder das Ganze womöglich bierernst gemeint ist, bleibt offen. Manche Fans feierten in fast schon blinder Verehrung mit, die meisten sahen’s mit belustigter Miene.

Am freundlichsten und herzlichsten haben »Dio« um den Ex-»Rainbow«-Sänger Ronnie James Dio ihre Balinger Fans bedient. Der drahtige und stimmlich mit enormem Umfang topfitte »Oldie« spielte nicht nur altes Material (»Stargazer«) mustergültig, sondern zeigte sich als Allround-Sänger, der auch nach langen Jahren Spass im Rockbusiness hat. Die Fans dankten es ihm mit Begeisterung.

Überhaupt galt in Balingen, was schon alle bisherigen »Bang Your Head!!!«- Ausgaben ausgezeichnet hat: Auch diesmal mischten sich wieder viele Musiker unbefangen unters »gemeine Volk« – der Kontakt zu den Stars war im wesentlichen hautnah und unkompliziert.

Erfreuliche Aussichten also fürs nächste Jahr. Im Gespräch mit dem Tonspion versprach der über beste Szene-Kontakte verfügende Festival-Chef Odermatt jetzt schon ein noch attraktiveres Programm. (-mpg)

Gotthard: Hardrock-Seligkeit

Der Rock-Fan hat’s inzwischen gemerkt: Das kleine Hirschau bei Tübingen ist nicht die schlechteste Adresse, wenn’s um deftige Spielarten der nostalgischen Sorte geht. Das »Bang Your Head«-Festival scheint – nach nur zwei, allerdings hervorragend besuchten Ausgaben – etabliert.

Und auch sonst pilgern Kuttenträger und Rockladies (besonders die mit Vorliebe für Stretchjeans und Fransen-Stiefelchen) gerne und in satter Zahl in die – bei Tageslicht betrachtet – eigentlich ziemlich »abtörnende« Stefan-Hartmann-Halle.

Auch am Samstag waren’s wieder gut 700, die sich die »harten« Jungs mit dem Matterhorn im Bandlogo anhören wollten. Warum die Schweizer sich vor Jahren, als klassischer Hardrock noch mehr out war als heute, dann ausgerechnet »Gotthard« genannt haben, bleibt wahrscheinlich offen.Wollen wir mal zugunsten der Musiker hoffen, daß das Ganze ironisch gemeint ist — glauben möchten wir’s nicht so recht…

Egal — die Jungs um Frontmann Steve Lee (ein echter Pfau, der sich aber auf der Bühne zu bewegen weiß) lieferten, jedenfalls aus Sicht der Fans, viel Qualität fürs Eintrittsgeld — und ein rein äußerlich betrachtet überdurchschnittlich langes Konzert noch dazu.

»Unplugged« und mit vier »friends« an Percussion, E-Piano und (noch zwei!) Gitarren spielten »Gotthard« in Hirschau – wobei die »akustischen« Instrumente elektrisch dermaßen verstärkt wurden, daß es doch wieder ein Heidenlärm gab.

Aber das war durchaus im Sinn der Erfinder, die harmonisch zuckersüße Balladen (»Angel«) und klassischen Boogie-Rock’n’Roll stilgerecht im Bombast-Sound aufbereiteten. Viel Beifall und Publikumsbeteiligung gab’s für die Schweizer — die sich vor dem Zugabe-Block mit einer energiegeladenen Cover-Version des Rockklassikers »Hush« bedankten. (-mpg)