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Poesie & Musik: Hesse verjazzt

Eine Lesung der selteneren Art gab es in der Reutlinger Osianderschen Buchhandlung; der kurze (und auch recht kurzweilige) Abend mit der Gruppe »Poesie &Musik« und Gedichten von Hermann Hesse war überdurchschnittlich rege besucht: Nur zwei Stuhlreihen blieben unbesetzt. »Poesie & Musik« — das sind der Schauspieler Ulrich Gebauer, Gitarrist Gerhard Reuther, Andieh Merk (Flöte, Saxophon, Perkussionsinstrumente) sowie Bassist Willi Macht. Seit acht Jahren präsentiert das Quartett — immer mal wieder auch in unseren Breiten — Literatur und Musik in enger Verzahnung; bisher gab’s neben einem Programm mit Liebesgedichten auch eines zum Gedächtnis an Erich Fried sowie eine Kästner-Hommage.

Und jetzt also, mit dem (zu erwartenden?) bitteren Titel »Und trotz dem Leben« ein Hermann-Hesse-Abend. Gebauer las, akzentuiert und deutlich, insgesamt aber ein wenig zu gleichförmig in der Stimm-Modulation, knapp zwei Dutzend Gedichte des Literatur-Nobelpreisträgers: den »Mißglückten Abend«, das »Sterbelied des Dichters«, »Auf den Tod eines kleinen Kindes, die »Gestutzte Eiche« und mehr — auch sehr witzige, satirisch-ironische Arbeiten, die nicht gerade »typisch« für Hesse sind: »Immer fand‘ ich nur wenig Wonn‘ / bei Damen, die rochen nach Eau de Cologne«, kalauert der berühmte Autor beispielsweise in »Etwas ganz Allgemeines über die Weiber«.

Mit Heiterkeit nehmen die Besucher auch die Sticheleien zwischen Gebauer (Glatze) und Gitarrist Reuther (Glatze kommt noch . . .) auf, mit denen die beiden den »Mann von 50 Jahren« humorvoll spielerisch begleiten: »Von der Wiege bis zur Bahre, sind es fünfzig Jahre, dann beginnt der Tod. . .«

Die Musik an diesem Abend war — bis auf wenige Stellen, wo die Zählweisen der Musiker ein wenig auseinander zu gehen schienen – sehr gut gespielt, farbenreich und überaus dynamisch. Besonders der Bassist fiel mehrmals mit außerordentlichem (und ausnehmend sensiblem) Spiel auf; Andieh Merk gefiel mit seinem variantenreichen Einsatz auch exotischer Percussionsinstrumente; aus der brasilianischen, einsaitigen Berimbao holte er verblüffend viel Atmosphäre heraus. Das Publikum honorierte das — wie auch die Gesamtleistung des »Poesie & Musik«-Ensembles — mit viel Beifall. (-mpg)