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Adam Rafferty: Unaufdringlicher Jazz

Mag sein, dass der ruhige Modern Jazz, den der New Yorker Gitarrist Adam Rafferty mit seinem Trio am Samstag im Reutlinger »Jazzclub in der Mitte« hören liess, in den Clubs des »Big Apple« genau das Richtige ist – gemessen am sonst hierzulande üblichen Abwechslungsreichtum war sein Konzert, obwohl technisch vom Feinsten, doch ein bisschen zu ruhig . .

Rafferty klang ein wenig nach Pat Martino und viel mehr nach George Benson. Eigenständigkeit bewies er – leider – beim Reutlinger Konzert nur selten, Fingerfertigkeit dagegen auf hohem Niveau: Bei dem New Yorker verbanden sich Jazz-Standards und Eigenkompositionen Raffertys zu niemals nervigem, unaufdringlichem Gegenwarts-Jazz: Das ist je nach Standpunkt ganz unterschiedlich zu werten.

Mit Rafferty musizierten im gut, aber nicht hervorragend besuchten »Jazzclub in der Mitte« Kontrabassist Danton Boller und Drummer Tomas Fujiwara solide, aber ebenfalls unspektakulär.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Adam Rafferty Trio: Mainstream

Mainstream-Jazz der ganz gemütlichen Sorte hörten die Besucher des Reutlinger »Jazzclubs in der Mitte«: Zu Gast war der amerikanische Gitarrist Adam Rafferty mit seinem Trio. Doch fast wäre das Konzert geplatzt: Rafferty und Co. kamen zwar in Reutlingen an, nicht aber ihre Instrumente. Die Leih-Musizierausrüstung hat’s dann aber offensichtlich auch ganz gut getan…

Adam Rafferty zeigte sich – wie seine Mitmusiker auch -als versierter Techniker mit hohem Standard. Sein Ton ist nostalgisch weich und gänzlich unaufdringlich, er ist ein swingender Rhythmiker – und das Single-Note-Spiel des New Yorkers ist gleichermassen präzise, akkurat und elegant fliessend.

Mit ihm spielten der österreichische Drummer Gernot Bernroider sowie Danton Boller aus Los Angeles am Bass. Bernroider brachte durchschnittliches, solides Handwerk. Mag sein, dass er sich und sein Können im konservativen Musik-Konzept Raffertys gar nicht ausspielen kann. Vom Gros der jungen Mainstream-Schlagzeuger konnte sich Bernroider in der »Mitte« jedenfalls nicht abheben. Schon eher aufhorchen liess da Bassmann Danton Boller, der auf dem Kontrabass sanglich-sinnliche Soli mit sehr schönem Ton zu Wege brachte.

Schade nur, dass Rafferty für seine Europa-Tour ausgerechnet fast nur Standards ins Programm genommen hat, bei denen die Kenner hierzulande das grosse Gähnen überfällt.

Mag sein, dass so ein erzkonservatives Repertoire – alles aus der tausendfach kopierten Notenbibel »Real Book« nachzuspielen – den richtigen Sound zur dezenten Beschallung von Hotel-Lobbys abgibt: Regelmässige Besucher der Reutlinger und TübingerJazzclubs (die sich jetzt endlich eine gemeinsame Programm-Vorschau bieten) sind handfestere und auch weniger langweilige Jazz-Töne gewohnt. (-mpg)