Archiv der Kategorie: Kunst

Play Monk: Auf den Spuren eines Jazz-Exzentrikers

Und schon wieder gab’s jetzt im Reutlinger »Jazzclub in der Mitte« ein ausnehmend gutes Konzert modernerer Spielart. Der Keller in der Gartenstrasse war beim Gastspiel des Quartetts »Play Monk« auch noch recht gut besucht.

Unter dem Gruppennamen, der eher auf eine grundsätzliche stilistische Ausrichtung als auf pures »Nachspielen« (wie sollte das bei Monk-Tunes auch möglich sein?) verweist, haben sich bestens bekannte regionale Szene-Cracks zusammengetan: Martin Schrack (Klavier) und Martin Keller (Tenor- und Sopransaxofon sowie Bassklarinette) lieferten auch in der »Mitte« die schrägen Leadstimmen, Parade-Basser Markus Bodenseh (unter anderem bekannt von der »Rainer Tempel GmbH«) und Lutz Gross das mitnichten minder quer gedachte und gespielte rhythmische Fundament.

Den musikalischen Geist des grossen Jazzpiano-Querkopfs Thelonious Monk haben die vier recht gut in die »Mitte« gezaubert – speziell Keller und Bodenseh (am Kontrabass) spielten mehr als einmal ihre Soli mehr als »monkish«: Da gab’s schon weit vor »Round Midnight« die unvergleichliche Mischung aus swingender Eleganz und musikalischer Barrikadenstürmerei zu hören. Gut.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Lamin Kenda: Erbärmliche Afro-Grooves

Es ist unsere Sache eigentlich nicht, auf Musikgruppen derb draufzuhauen – aber im Fall von LamM Kenda und der »Musa Moto Band« müssen wir eine Ausnahme machen: Auf gut Deutsch war das, was die buntgemischte Musikerbande im »Nepomuk« ablieferte, nämlich unter aller Kanone.

Fangen wir mit dem Frontmann an: Der zeigte nun wirklich bei jedem Stück, dass richtige Intonation bei ihm Glückssache ist. Am besten klangen die – prinzipiell statischen, fast immer langweiligen – Afrogrooves der Band dann, wenn Lamin nicht sang.

Dann gab’s da noch einen Perkussionisten brasilianischer Herkunft, der zwar mit Begeisterung seine Congas bearbeitete, aber glücklicherweise nicht zu hören war: Ein Blick auf seine Hände genügte, um festzustellen, dass er sein Handwerk weder gelernt hatte noch in der Lage war im rhythmischen Geschehen zu folgen.

Zu allem Unglück blies auch noch einer auf der Bühne tutend in ein Saxofon – jeder mittelmäßig begabte Musikschüler hat nach ein paar Stunden einen besseren Ansatz.

Einzige Lichtblicke in diesem musikalischen Desaster waren ein mit versteinertem Gesicht den korrekten Beat schrammelnder Gitarrist sowie ein ebenfalls hart gegen das Chaos segelnder Keyboarder: Beide wären gut beraten, nicht weiterhin ihr Talent bei Lamin Kenda und der »Musa Moto Band« zu verschwenden.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger

Dizzy Krisch & Friedrich Förster: Ein Sommernachtstraum

Am Samstagabend strömten weit mehr als 1 000 Schaulustige in den Reutlinger Stadtgarten, um in der warmen Spätsommernacht den zweiten Teil der Landeskunstwochen-Performance von Friedrich Förster mitzuerleben. Der Tübinger Licht- und Laserexperte hegeisterte mit einer dreiviertelstündigen, multimedialen Schau, zu der er den Tühinger Vibraphonisten Dizzy Krisch eingeladen hatte. Rund um den Kinderspielplatz waren Lautsprecher aufgestellt, aus denen sphärische Musik und Vibraphon-Improvisationen räumlich variabel tönten.

Der Stadtgarten war mit roten und blauen Scheinwerfern illuminiert, als Förster die ersten Lasermuster über Dias, die er auf eine riesige Leinwand projizierte, fließen ließ. Krisch steuerte mit seinem Spiel über einen Computer direkt Größe und Form der Laserbilder — das war nicht nur für ihn ein beeindruckendes Erlebnis.

Förster zeigte außerdem Diaimpressionen der Landeskunstwochen, einen roten, lustig wirbelnden Laser-Hut: Das Publikum, darunter in den ersten Reihen auch viele ganz junge Zuschauer, war von den träumerischen Licht-Bildern hingerissen und spendete zwischendurch immer wieder Szenenapplaus.

Zum Schluß seiner Schau vernebelten Mitarbeiter Försters mit einem Riesenaufwand und noch mehr Engagement die Luft des Stadtgartens, und der Meister selbst zeichnete Laser-Flächen, Licht-Tunnel und sich drehende Figuren in den das Licht reflektierenden Himmel. Die körperlosen Gehilde wurden wieder von Krischs Vibraphonklängen verändert und über Spiegelsysteme in den Nachthimmel geschickt — einfach fantastisch. (mpg)