Eine Geschichte für erwachsene Kinder

Warum Julia und Knut doof sind und eine Flasche brauchen

Eine Geschichte für erwachsene Kinder

Das ist die Julia.

Julia ist sauer auf Knut.

Julia sagt, daß der Knut ihrem Freund Bert übers Internet böse Nachrichten geschickt hat.

Knut sagt, daß er es nicht war, und führt gute Gründe ins Feld. Julia sagt, daß er es war. Und, sagt Julia, daß sie erst dann wieder gut mit dem Knut ist, wenn Knut zugibt, daß er es war.

Und das hat sie ihrer Freundin Annelie gesagt, auf die sie auch mal sauer war, weil Annelie nämlich noch mit dem Knut spielt. obwohl sie das, sagt Julia, doch gar nicht mehr darf, weil der Knut mit den bösen Nachrichten ihr und dem Bert weh getan hat, aber jetzt ist Julia wieder gut mit Annelie und hat ihr gesagt, daß sie es dem Knut sagen soll, damit der Knut das mit den bösen Nachrichten zugibt und die Julia dann wieder gut mit Annelie und Knut sein kann und mit Bert auch und der Bert auch wieder mit der Annnelie.

Beweisen kann keiner etwas, und weil das alles schon lange, lange her ist und keiner sich mehr so richtig erinnern kann, was damals alles genau passiert ist, klingt das alles nicht nur kompliziert, es ist es auch.

Es ist sogar noch viel komplizierter:

Knut, dem könnte das ganze Gezerre ja egal sein, dem ist die Julia aber gar nicht egal.

Und Knut will, daß Julia wie früher mit ihm im Sandkasten spielt.

Dem Knut, sagt Paul, der ein guter Kumpel von dem Knut ist und der die ganze Geschichte mit Julia und Knut und Annelie mitgekriegt hat, also dem Knut, sagt Paul, bleibt eigentlich, damit die Julia ihn wieder auch mal an ihrem Eis lutschen läßt, nix anderes übrig, als etwas zuzugeben, was er nicht gemacht hat.

Und das, sagt der Paul, wird der Knut nie machen. Weil der Knut sich nämlich noch im Spiegel angucken will und gelernt hat in der Schule, daß man nix zugeben soll, was man nicht gemacht hat.

Oder, sagt der Paul, wenn es der Knut doch war, könnte ja sein, er war ja nicht dabei, sagt Paul, dann, also wenn der Knut beim Bert doch über Julia gestänkert hat, dann kann er das doch unmöglich vor einem Mädchen zugeben und vor all den anderen in der Klasse ja auch nicht.

Paul sagt, daß die dann alle den Knut auslachen, und er ist sich sicher, sagt Paul, daß der Knut doch dann nie mehr schöne Sandburgen bauen kann, weil er immer denken muß, daß er eh immer die blöden Brücken baut, die dann einstürzen und daß die Julia dann immer auf ihn runterguckt, und ihn auslacht, und er kann doch nicht einem Mädchen sagen, daß er alles täte, damit sie wieder mit ihm spielt, das geht doch gar nicht.

Der Knut hat ja auch seinen Stolz, sagt der Paul, und deswegen kann der Knut, der es sicher nicht gewesen ist, das mit dem bösen Brief an Bert nicht zugeben, selbst wenn er es doch war.

Sagt der Paul. Und der Knut, sagt Paul, hat, wenn er das mit dem Gemosere doch war, das ganz sicher nur gemacht, weil er ganz arg sauer und stinkig war, weil die Julia auf einmal gesagt hat, daß sie ab jetzt nie wieder mit dem Knut mittags rausgeht, und nie mehr Sandburgen baut, und die Julia doch vorher noch gesagt hat, daß der Knut die besten Burgen überhaupt baut und sie, also die Julia und der Knut, mal zusammen einen ganzen PALAST bauen müssen…

Da war der Knut ganz arg traurig und wenn er es getan hat, also das, daß er die Julia beim Bert schlecht gemacht hat, sagt der Paul, hat er das nur deswegen gemacht, weil er die Julia eigentlich ganz doll lieb hat.

Der Paul sagt, daß das bei seiner Mama und seinem Papa auch oft so ist, daß die sich streiten und fürchterlich in die Haare kriegen, weil einer den anderen, ohne daß er das wollte, ganz arg wehgetan hat und der andere dann zurückhaut und die Mama schmeißt das teure Geschirr an die Wand und der Papa geht in die Garage und am Ende mögen sich Papa und Mama doch wieder und sagen dem Paul, daß er endlich ins Bett gehen soll und gucken sich so komisch an.

Aber der Paul sagt auch, daß Julia und Knut nicht so sind wie seine Mama und sein Papa, und weil er glaubt, daß die Julia zu stolz ist um die dumme Geschichte einfach zu vergessen, und der Knut zu stolz ist, vor der Julia die Hosen runterzulassen und zu merken, wie er rot wird, also deswegen, sagt der Paul, glaubt er, also der Paul, daß die Julia und der Knut nie wieder miteinander spielen.

Was den Paul traurig macht und die Annelie auch, weil sie den Knut und die Julia mag, und am allermeisten, sagt der Paul, sind die Julia und der Knut traurig.

Weil die sich eigentlich nämlich doch noch ganz doll mögen und am liebsten gleich wieder spielen würden aber nicht können, weil sie doch beide zu stolz sind und sich dann immer so komisch angucken.

Dem Paul sein Bruder Sebi, der war auch mal zu stolz. Und dann hat der Kinderarzt von Sebi und Paul, der Doktor Warm, dem Sebi gesagt, daß er seinen Stolz in eine Flasche tun, wegwerfen und vergessen soll, und das hat der Sebi dann mit dem Paul gemacht und sie haben die Flasche in den großen Teich bei der Schule geschmissen und dann war der Stolz von dem Sebi weg und der Sebi hat sich wieder gut gefühlt. Deswegen, sagt, der Paul, geht er jetzt runter in den Keller und guckt nach ner großen leeren Flasche für Julia und Knut. Ganz groß muß die sein!

Martin P. Gerner