Gleis 4: Vielgleisige Formation

Mit Scheuklappen ist die Tübinger Saxofonistin Dorothea Tübinger schon lange nicht mehr aufgetreten. Vor dem großen »Nepomuk«-Open-Air am nächsten Wochenende lieferte sie jetzt zusammen mit drei Sax-Kolleginnen dort vor rund hundert begeisterten Zuhörern kammermusikalisches zwischen »E« und »U«.
Wobei »Gleis 4« – so haben Tübinger (Sopran- und Alt-Sax), Silke Panknin (Alt), Annette Janle (Tenor) und Baritonsax-Spielerin Christina Schoch ihre Formation genannt – gleichermaßen die »klassischen« wie auch die »jazzigen« Musik-Teile des Abends mit großer Ernsthaftigkeit interpretierten und offensichtlich auch mit der gebotenen kunterbunten Mischung bestens unterhielten.

Von Bach bis zur Gegenwart reichte die Palette. Das »Dreigroschenoper«-Medley gelang den vieren, die durchweg sehr sauber, rhythmisch präzise akzentuiert und zusammen schön homogen spielten, besonders gut. Nach Satie waren später Jazz-Klassiker wie Thelonious Monks »Round Midnight« für die Musikerinnen wie auch die Zuhörer »Spaziergänge«.

Innerhalb des Gesamtklanges von »Gleis 4« war es immer wieder Doro Tübinger, die die anderen überstrahlte. Das lag nicht nur an hörpsychologischen Gegebenheiten – das hohe Sopransax setzt sich gegen tiefer klingendes immer leicht durch -, sondern an der musikalischen Klasse, die die Musikerin erreicht hat. Viel Beifall gab’s im Nepomuk für »Gleis 4«.

 
Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger