Turntablerocker: Ein bisschen viel Routine

Jede Menge geboten war an den Feiertagen in der Tübinger Szene-Disco »Depot«: Neben mehr oder minder heimischem DJ-gewächs gab’s am Sonntag zum Beispiel ein »Soundsystem« gehobener Klasse: Aus dem Duristkreis der bekannten »Rockers HiFi«-Dubschmiede war eine Abordnung nach Tübingen gereist und beschallte das »Depot« locker und lässig mit wirklich coolen Dub-Riddims.

Die grosse Sause war tags zuvor angesagt. Die Stuttgarter Turntablerocker – auch bekannt als Discjockeys Hausmarke und Thomilla – hatten sich mit einem »Old School«-HipHop-Programm angesagt: Der Fanandrang stellte dann alles in den Schatten, was wir bisher bei den Abstechern der Stuggitown-DJ’s in ihren Lieblingsclub im Südwesten erlebt haben.

Schon vor Mitternacht — früh für »Depot«-Verhältnisse — gab s ‚in der Disco kaum ein Durchkommen mehr: Egal, ob Tänzer oder Zugucker: Schweissnass waren alle.

Und vor dem »Depot« drängelten sich die Tanzwütigen, die wegen akuter Überfüllung des Clubs warten mussten, in einer dicken Traube — da dürften stellenweise zwei, dreihundert Leute darauf gewartet haben, einen Ton (an Sichtkontakt war kaum zu denken!) von ihren Lieblings-Plattenlegern zu erhaschen…

Die Turntablerocker boten auch diesmal wieder Qualität—für den Geschmack des Tonspions aber diesmal mit ein bisschen zuviel sicherer Routine zusammengestellt, und stellenweise fast lieblos, aber meist treffsicher mit Effekten aus den neuesten Kistchen aus dem einschlägigen Elektronikhandel verziert.

Ein schlechtes Set lieferten Hausmarke und Thomilla mit ihrem musikhisto-
risch interessanten Abend beileibe nicht – sie zeigten sich halt aber auch nicht in der Hochform, wie wir sie schon im »Depot« erleben haben dürfen.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger