Ulrich Roski: Freche Klappe

Andere hätten sich längst aufgegeben. Vor mehr als zwei Jahren schien es mit der Bühnenkarriere des Ulrich Roski, vor dreißig Jahren zur Creme de la Creme der deutschen Liedermacher zählend, endgültig vorbei zu sein: Ein Zungenkarzinom ist für einen Sänger noch schlimmer als für andere.

Der Berliner Satiriker und Liedermacher, der einst so berühmt war wie Reinhard Mey, aber schon immer viel sarkastischer, hat sich nicht aufgegeben und tourt seitdem mit einem mehr literarisch ausgerichteten Programm durch die Lande. Und obwohl es ihm beim leider nur mäßig besuchten Abschluss des Sommerfests des Glemser Kulturvereins gesundheitlich alles andere als gut zu gehen schien, wären seine Pointen auch in einem besseren Umfeld zündende Knaller gewesen.

Den Bärenanteil des Abends bestritten Evi Liessner und ihr Klavier-Begleiter Mr. Leu mit gnadenlos überzogener Slapstick-Songcomedy. Musikalisch einigermaßen sicher, versuchte das Duo sich an Parodien von Bar-Songs. Es blieb beim Versuch, das ständige Grimassieren Mr. Leus nervte.

Zu Beginn setzte sich Roski selbst noch ans Klavier, später gab ’s , da blitzten der scharfe Spott und der kindliche Drang zur Albernheit des Herrn Roski besonders exemplarisch auf, unter anderem den Bericht einer Reise auf die griechische Insel Lesbos. In knochentrockenem Ton wunderte sich Roski da, warum »90 Prozent der Taxifahrer dort männlich waren«.

Weil Roski seine Krankheit ungerührt zum satirischen Thema macht, kann Betroffenheit über das Schicksal des Künstlers schnell befreitem Lachen Platz machen. Und zum Lachen gibt’s bei dem, der die Klappe nicht hält, noch jede Menge Grund.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger