Ines Martinez: Mit Charme und Können

Dass sie enorm begabt ist, war schon vor siebzehn Jahren, ganz am Anfang ihrer Karriere, klar. Damals sorgte die Reutlinger Sängerin Ines Füldner mit Satin Love & The Brass Connection eine Zeit lang für Aufregung in der lokalen und regionalen Popszene.

Wie viel Ines Martinez – den Namen hat sie von ihrem kubanischen Mann – aus ihrem Kapital gemacht hat, konnten jetzt die Besucher des Gemeindezentrums Hohbuch erleben: Martinez‘ »Musikkabarettshow« (Eigendefinition) entpuppte sich als abwechslungsreiche, vergnügliche und in aller musikalischen Vielfalt sehr gelungene Unterhaltung.

»Frosch am Hals« heißt das etwa zweistündige Programm, in dem Martinez mit Ironie, Witz und Charme leichtgewichtig daherkommende Songs, Couplets und Moritaten vom Leben im allgemeinen und im besonders schweren Fall mit kleinen Sketschen und Dramen als Anmoderationen verbindet.

Als Sängerin zeigt Ines dabei von Blues über Latin-Stoff bis hin zu Piaf- und Monroe-Parodien technische Perfektion und viel Einfühlungsvermögen ins jeweilige Genre; dass der Abend zu einer ganz runden Sache wird, liegt aber auch wesentlich an dem kontrolliert komödiantischen Spiel von Martinez. Eine pragmatisch resolut-schwäbische Dame vom Typ »Lieblingsnachbarin« kommt bei ihr ebenso überzeugend, natürlich und »echt« wie eine Verkörperung eines blonden Dummchens, das dann auch immer haarscharf unter dem richtigen Ton liegt . .

Partner Ralph Abelein erweist sich als einfühlsamer und ebenfalls sehr versierter Piano-Begleiter. Auch er spielt mit und auch er tut das mit viel komischem Talent.

Im Hals hat sie ihn sowieso nicht und mit einem »Frosch am Hals« muss sich Ines Martinez nicht herumplagen.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger