Ilona Nowak: Jazz locker

Heiß ging’s her beim Jazz-Abend der Metzinger Musikschule: Im »Pavillon« an der Nürtinger Straße herrschten nicht nur schier unerträgliche Klimaverhältnisse – das »Ilona Nowak Jazztet«, das dort gastierte, machte auf Musikerdeutsch vor knapp zwei Dutzend Besuchern heftig »Dampf«.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens war nicht etwa die junge Sängerin mit ihrer flexiblen, warmen Stimme oder Gitarrist Jochen Probst, der die meisten Stücke des Abends geschrieben hat. Sowohl Nowaks kurze Scat-Einlagen wie auch ihre generelle Phrasierung waren hörenswert, Probsts meist introvertiertes, manchmal bluesig-zupackendes Single-Note-Spiel auf der klassischen »Gibson«-Jazzgitarre auch.

Beide gingen aber, mehr noch als Paul Müller (Kontrabass) und Saxer Jürgen Häußler, angesichts des wirklich überragenden Spiels von Ausnahme-Drummer Joachim Fuchs etwas unter. Egal, ob beim einleitenden Sonny-Rollins-Standard, bei Probsts Stücken oder solo im »Leopard’s Walk« des Polyrhythmie-Meisters Peter Giger: Die Drums von Fuchs standen oft im Vordergrund und waren selbst pianissimo gespielt stets präsent.

Der Mann ist halt ein echtes Groove-Tier: Das Zuchauer-Auge konnte seine schnellen Rolls oder die Kabinettstückchen an der HiHat-Maschine (das sind die zwei waagerecht übereinander liegenden Becken, die fast in jedem Schlagzeugset vorkommen) nicht mehr auflösen – und fürs Ohr war’s ein abwechlungsreicher, hoch dynamischer Genuss.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger