Marc Feigenspan: Feiner Easy-Listening-Jazz

Egal, ob man’s »Easy Listening Music«, Pop-Jazz oder sonstwie nennt: Das Jazzkonzert von »Dukespan NYC« jetzt in der nicht ganz ausverkauften Metzinger Festkelter war von solidem Handwerk geprägt. Auch wenn das »NYC« im Gruppennamen (das ja für »New York City« steht) ein Gastspiel aus dem »Big Apple« nicht nur des Jazz suggerierte, waren’s doch Musiker aus dem Ländle, die dem buntgemischten Publikum kräftigen Applaus entlockten.

Ins Leben rief Schlagzeuger Marc Feigenspan seine »Dukespan NYC«-Musikprojekte halt in New York; dort hat der Reutlinger Klopf-Werker fast eine Dekade lang gelebt. Und mit so illustren Kollegen wie Jim Snidero, Bob Beiden oder Max Roach gearbeitet. Mit der Jazzlegende Roach ist Feigenspan auch als Tour-Manager durch die ganzen USA gereist.

Der Reutlinger bestätigt im Pausengespräch den Eindruck fast aller Jazzmusiker aus der alten Welt, die eine Weile »überm Teich« gearbeitet haben: »Europa ist im Vergleich zu Amerika ein wahres Schlaraffenland für Jazzer«. Die Szene dort sei zwar professioneller, aber ungleich härter als die hierzulande, meint auch Feigenspan. »In einer Stadt wie Chicago gibt’s zwar Dutzende Clubs – aber nur einen einzigen, wo du als Musiker auftreten kannst, wenn du tatsächlich etwas verdienen und nicht nur draufzahlen willst«.

In die alte Heimat zurückgekehrt ist Marc Feigenspan samt seiner Frau, der Sängerin Eva Letticia, aber nicht etwa, weil ihm in den Staaten die Luft als Jazzer zu dünn geworden wäre: Der Schlagzeuger bekam ein lukratives Angebot, in einem Ludwigsburger Studio als Komponist und Post-Producer zu arbeiten – und deswegen lebt Marc seit rund einem dreiviertel Jahr wieder im Ländle.

Zwei Projekte hat er jetzt hier am Laufen: Mit seiner grösseren »Dukespan«- Formation, die deftig mit den lateinamerikanischen »roots« seiner Frau spielt, begeisterte Feigenspan vor kurzem bei einer »noche latina« die Gäste des Reutlinger »Nepomuk«. In der Metzinger Festkelter zu Gast war das kleine »Dukespan«-Quintett, das die »gezähmtere«, nicht ganz so auf Bewegung ausgerichtete Musik bringt.

Letticia, Feigenspan und ihre in der regionalen »Muckerszene« bestens bekannten Mitmusiker Sebastian Studnitzky (Trompete, E-Piano), Christoph Dangelmaier (Bass) sowie Gitarrist Matthias Haut ließen fein gemachte Musik hören: Wer mit Fusion-Jazz etwas anfängt, wem die »Yellowjackets« oder der sanfte Funk eines Grover Washington jr. zusagen, der dürfte auch bei diesem Fünfer musikalisch bestens aufgehoben sein.

Richtiggehende Jazz-»Freaks« (von der Sorte waren auch ein paar da . . .) hätten sich in der Festkelter vielleicht ein wenig mehr Biss und musikalische Eigenständigkeit von dieser Formation gewünscht – aber die sind vielleicht bei der Latin-Formation besser aufgehoben…
Die Überraschung des entspannten Musikabends bot Sebastian Studnitzky. Dass der Hansdampf auf (fast) allen Tübinger Sessions ein toller Trompeter und Flügelhornist ist, wussten Kenner schon. In Metzingen zeigte er sich auch noch als Groove-Meister auf dem – nach Pop-Massstäben uralten – »Fender Rhodes Mark I«- Elekropiano. Der unvergleichliche, glockig- warme Klang dieses Instrumentenklassikers hat den Konzertklang ganz wesentlich geprägt. (-mpg)