Max Raabe: Perfekte Nostalgie

Ausgerechnet ein neukomponierter und lediglich auf den Sound von anno dazumals getrimmter Song ist bisher sein grösster Hit geworden. Mit »Kein Schwein ruft mich an« hat sich Max Raabe in die Herzen eines Millionenpublikums gesungen.

Aber sein eigentliches Metier sind nostalgische Schlager: Deutsche Popmusik aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg hat in Raabe und seinem ebenso routiniert wie perfektionistisch spielenden Palast-Orchester einen minutiös genauen und stimmlich begabten Interpreten gefunden.

Das Gastspiel des Berliner Sängers und seines Orchesters jetzt im Tübinger Festsaal der Universität war so gut wie ausverkauft – und das Altersspektrum im bunten Publikum war grösser als bei Raabes Konzert in Reutlingen am Anfang diesen Jahres.

Das Programm dagegen ähnelte sich nicht nur in der Songauswahl und den Arrangements – selbst die oft scherzhaften Moderationen glichen sich bei den Konzerten bis auf ’s Wort.

Und die Tübinger lachten (wie auch das Reutlinger Listhallen-Publikum) herzerfrischend über Max Raabe, als er dem »hochverehrten Publikum den Kauf unserer Tonträger« schon deswegen nahelegte, »weil wir uns am Erlös derselben persönlich zu bereichern zu gedenken«.

Und Ohrwürmer und Evergreens wie »Ich steh‘ mit Ruth gut«, die altbekannte Geschichte vom »kleinen grünen Kaktus«, der Song über die »schöne Isabella von Kastilien« oder »Brasil« kommen sowieso fast immer gut an: Zufriedenheit und Amüsement war aus den Hörer-Gesichtern abzulesen. (mpg)