Giora Feidman: Auf leisen Sohlen

»Sie denken sicher: Was ist das nur für ein Musikgulasch, das der da vorne zusammenspielt !« – Giora Feidman, der international anerkannte und gerühmte Meister der Klezmer-Klarinette, zeigte sich bei seinem neuerlichen Gastspiel in Bad Urach von seiner humorvollen Seite, war bestens aufgelegt.

Er verkaufte den »nur« rund 350 Zuhörern seine Botschaft nicht nur mit grosser Musikalität und behender Virtuosität, sondern auch verbal: »Wir werden doch nur zur Trennung verschiedener Stile erzogen – letztendlich ist es doch alles immer nur Musik, die wirklich universelle Sprache. Deswegen spiel‘ ich jiddischen Folk und Jazz und Soul und Bach gleich nach Prokofieff . . .«

In der Tat: In seinem Programm »Klezmer Celebration« (das es genau so in den letzten Jahren regelmässig in Reutlingen und Tübingen zu hören gab) mischt der Musiker mit fliessenden Übergängen zwischen den Stücken die »Aria« von Johann Sebastian Bach mit seiner eigenen Bearbeitung des Ravel ’schen »Bolero«, bringt Gershwin mit »Hava Nagila«, indischem Tablageblubbere und den Tango-Finessen Astor Piazzollas zusammen – für jeden quotenbewussten Radio-Programmmacher wäre das zur Zeit ein wahrhaft selbstmörderischer Mix!

Aber wenn Feidman diesen mit seiner grossen Ausdruckspalette auf der Klarinette präsentiert, sind die Zuhörer hin und weg, spenden dem Meister jubelnden Applaus. Das war auch diesmal in der Bad Uracher Festhalle wieder so – und wieder wurden Feidmans Begleiter, obwohl alles andere als schlecht, auch akustisch zu Statisten degradiert.

Bassist Anthony Falanga, Percussion-Mann Bradford Catler sowie der als Ersatz für Freddie Bryant eingesprungene Manny Katz an der Gitarre verblassten neben ihrem auch theatralisch sehr begabten Chef.

Zumal die Abmischung auch bei diesem Feidman-Gastspiel in der Region wieder ziemlich schlampig war und die Hallenverhältnisse ein Übriges dazu beitrugen, dass neben den Klarinettentönen eigentlich nur Soundmatsch zu hören war. (-mpg)