Piccola Orchestra Avion Travel: Musik für den Film im Kopf

Selten, dass populäre Musik allen oberflächlichen Kategorisierungsversuchen widersteht, gleichzeitig sanglich-simpel und einfach schön wie auch voller Tiefe und Komplexität ist.

Die sechs Italiener vom »Piccola Orchestra Avion Travel« lieferten am Freitag im Tübinger »Zentrum Zoo« solche Töne: Leichte Unterhaltung im besten Sinn und – kompositorisch, spieltechnisch, dramaturgisch auf allerhöchstem Niveau angesiedelt.

In ihrer Heimat sind die aussergewöhnlichen Musiker schon lange populär: Anfang der 80er verbuchten »Avion Travel« beachtliche Erfolge als Rockband. Nach und nach wandte sich die Gruppe um den gleichermassen als Sänger wie auch darstellerisch begabten Beppo Servillo aber der reichen Tradition italienischen Liedguts, dem »Canzone«, zu – und vom Rock ab.

Alle Mitglieder des »Piccola Orchestra Avion Travel« haben in der römischen Filmstadt Cinecitta gearbeitet und Soundtracks für preisgekrönte Filme, unter anderem für Lina Wertmüller oder Mario Monicelli produziert.

Das schafft Erfahrung und Vielseitigkeit: Im »Zentrum Zoo« schufen die Sechs ein Musikgemälde, wie es sich praller, farben- und kontrastreicher kaum denken lässt.

Schräge Geschichten im Singer-/ Songwriter-Stil (»L ‚Astronauta«) treffen da auf nicht minder schräge Instrumentalpassagen, in denen sich der musikalische Geist von Henry Mancini mit den Tonschöpfungen von Electric-Jazz-Pionieren wie Herbie Hancock oder Miles Davis zu vereinen scheint.

Saxer Peppe D’Argenzio ist auch auf dem Baritonsaxophon eine Wucht, Gitarrist Fausto Mesolella drückt sich in einer Vielzahl musikalischer Idiome – von Rock über Reggae und allerlei Ethno-Spielarten bis hin zu »Noise«-nahem Klang flüssig und mit viel Sinn fürs Drama aus. Und die Klangflächen, die Pianist und Keyboarder Mario Tronco beisteuert, sind weit weg von den Standard-Samples der gängigen Tasten-Mode.

Das Publikum ist hin und weg von der Vorstellung des »Piccola Orchestra Avion Travel«, hört konzentriert zu und spendet schon am am Anfang heftigst Beifall. Der ist am Ende donnernd laut, die Musiker müssen sich -zigmal verbeugen – und kommen selbstverständlich zu einer Zugaben-Runde wieder. (-mpg)