Yothu Yindi: Wie Feriendorf-Animateure

Zugegeben — der Tonspion ist in Sachen »Yothu Yindi« vorbelastet. Vor fünf Jahren nämlich gastierten die Ethno-Popper aus Australien beim »1. Reutlinger Marktplatz-Festival« und lieferten dort ein Konzert, das ziemlich langweilig und nichtssagend war.

Jetzt traten die Musiker und Tänzer um Frontmann Mandawuy Yunupingo in der Tübinger B27-Halle auf. Und kochten im wesentlichen dasselbe lauwarme Pop-Süppchen wie damals in Reutlingen.

Dicke Keyboard-Flächen in (fast) immer gleicher Akkordik, dazu einfache, aber nicht einfallsreiche Rhythmen, ein bisschen Didgeridoogetute drum herum: Keine Offenbarung in Sachen »World Music«, schon gar keine Pflege tradierter volksmusikalischer Elemente des fünften Kontinents.

Die oft verwendeten Offbeat- (sprich: Reggae-) Grooves machten das Konzert nicht attraktiver.

Angesichts der etwas anbiedernden Mitmachaufforderungen von »Yothu Yindi« musste schon fast der Eindruck aufkommen, dass da Feriendorfanimateure auf der Bühne standen. Und im Vergleich zu der mehr als schlichten Vorstellung, die nur von einer knappen Hundertschaft Härtefans mit anderer als abwartender Haltung konsumiert wurde, müssen einem (beispielsweise…) die Stücke eines Dr. Alban schon fast wie Avantgarde-Kompositionen vorkommen. (mpg)