Andre Schnisa tot: Keine Schweineorgel mehr

Die »Schweineorgel« der Schwobarocker von »Schwoissfuass« ist verstummt. Ihr Spieler Andre Schnisa ist am Sonntag in seiner Wohnung in Entringen gestorben. 47 Jahre alt ist das Multitalent geworden, vor vier Wochen hat Schnisa von seinem nahenden Ende erfahren: Magenkrebs im Endstadium, keine Aussicht auf Rettung.

Den gebürtigen Leverkusener hatte es in den siebziger Jahren nach Tübingen verschlagen, er studierte dort Psychologie. In der Reutlinger Szene-Kneipe »Kaiserhalle« traf er auf die anderen Schweissfüsse – die Chemie stimmte, er wurde ihr Bassist und Orgelspieler.

Aber auch als Rhythmusgitarrist ist er aufgetreten. In den letzten Jahren – etwa bei der umjubelten »Schwoissfuass-ReTour« vor drei Jahren, aber auch bei seiner anderen Band »Mandala Street Movie« – bearbeitete Schnisa aber hauptsächlich auf unvergleichlich intensive Art die Hammondorgel.

Sein flirrend-psychedelisches Spiel, seine Meisterschaft im Umgang mit den klangfärbenden Zugriegeln kam bei Fans wie Kollegen an: Schnisa wurde zum begehrten Studiomusiker, sein Einsatz, sein Aufgehen in der Musik war weithin bekannt.

Beim »Heimspiel« 1996 auf der Alb im Rahmen des Trochtelfinger Festivals am Mägerkinger See hat Schnisa Finger und Tastatur blutig gespielt, gemerkt hat er’s erst nach dem Auftritt.

Bei »Schwoissfuass« war Andre Schnisa nicht nur als Instrumentalist und Komponist (die Hits »Oinr isch emmr dr Arsch« und »Fremde Zigaretten« gingen beispielsweise auf sein Konto) wichtig: Andre nahm Mitmusiker wie Fans mit seiner staubtrocken-humorvollen,
schlagfertigen und hellwachen Art für sich ein. Ein auf Platte dokumentiertes Beispiel dafür ist zum Beispiel »Mr. Bum Bum«.

Schnisa war kein Egozentriker, wie es sie in Massen unter den Musikern gibt: Der erfahrene Rocker war stets am Nachwuchs interessiert und sich auch nicht zu schade, kleinen Lokalbands die Kabel anzuschliessen.

Auch als Rundfunk-Journalist hatte Andre Schnisa viel zu sagen. Seine Sendungen bei der Tübinger »Wüsten Welle« waren fachlich fundiert, gekonnt gemacht und oft locker witzig. »Musik und Musiker waren seine Familie«, sagt sein langjähriger Bandkumpel Alex Köberlein, »da drin ist er ganz aufgegangen«. Schnisas bisher unveröffentlichte Arbeiten will Köberlein demnächst auf mindestens einer CD veröffentlichen. (-mpg)