Max Raabe: Perfekte Schlager-Nostalgie

So richtig bekannt geworden ist Sänger Max Raabe vor sieben Jahren mit »Kein Schwein ruft mich an«. Die auf altmodisch getrimmte Eigenkomposition wurde zeitweilig ein richtiggehender Gassenhauer.

Im Mittelpunkt des ausverkauften Konzerts von Raabe und seinem 13köpfigen »Palast-Orchester« am Dienstag, abend in der Reutlinger Listhalle standen allerdings Schlager von anno dazumals akustisch wie optisch perfekt präsentiert.

Das Nostalgie-Erlebnis fing mit der authentischen Besetzung des Orchesters an und hörte mit den weitgehend im Original präsentierten Arrangements noch lange nicht auf: Die Musiker zeigten sich mit Fliege und gestärktem Stehkragen; selbst Frisur und Make-Up der Viola-Spielerin Emily Bowman erinnerten an die Modetrends der 20er.

Und Raabe selbst knödelte nicht nur in bester Salonlöwen-Manier, sondern trug auch – übertrieben parodierend – eine unterkühlt-affektierte Noblessse zur Schau – inklusive ständig rollendem »r« und einem Sprachduktus, der eindeutig nicht von unserer heutigen Welt war.

»Wir möchten ihnen den Kauf unserer Cassetten und CD ’s sehr ans Herz legen, weil wir uns am Erlös persönlich zu bereichern gedenken«, meinte Raabe beispielsweise vor der Pause.

Zu hören gab’s zum Beispiel den Peter-Kreuder-Hit »Annabell« von 1937, »Hab keine Angst vor dem ersten Kuss«, »Ich kauf‘ mir eine Rakete« oder – unvermeidlich in so einem Programm – die Geschichte vom kleinen grünen Kaktus, der vom Balkon fällt. Diese und andere erfolgreiche Songs (»Ich geh‘ ins Wasser«, »Mein Herz sagt leise: ich liebe Dich«) präsentierten Raabe und sein Orchester mit witziger ironischer Distanz. Das Publikum, buntgemischt zwischen 20 und 70, zeigte sich von der Vorstellung restlos angetan und spendete ausgiebig lauten Beifall. (-mpg)