Barbara Dennerlein: Mit Swing und Charme

Wo »Babs« auch spielt, gibt’s keine freien Stühle mehr – und ungeteilte Zustimmung der Fans. Wie das Reutlinger »Foyer« bei den Landes-Jazztagen war auch jetzt das Tübinger »Zentrum Zoo« beim Konzert der zierlichen Münchnerin an der sperrigen Hammondorgel ausverkauft; mehr als 300 Gäste genossen ihre groovig-swingenden Songs. Beim »Zoo«- Gig in lockerer Clubatmosphäre spielte die Orgel-Virtuosin fast nur komplett neues Material – nur wenige Stücke des Programms am Donnerstagabend gab’s auch schon bei den Jazztagen zu hören.

Dass es die meisten Kompositionen, die Dennerlein und ihr kongenial und sehr variabel spielender Duopartner Daniel Messina (Schlagzeug) im ausgezeichnet beschallten    Schleifmühleweg-Club brachten, erst ab Juni auf der neuen CD »Outhipped« konserviert geben wird, erzählte die Organistin ihren Fans charmant-verschmitzt lächelnd hinterher nachdem sie in der sehr langen (»Hoffentlich haben Sie sich erholt – ich mich nicht!«) Pause geduldig Frage um Frage beantwortet und massenhaft CDs und Poster signiert und verkauft hatte. Dermassen gross en Andrang sieht man bei Jazzern ganz selten.

Aber das, was Barbara macht, ist ja auch ziemlich einzigartig. Von ihrer fantastischen Spieltechnik auf den Manualen ihrer Orgel brauchen wir hier gar nicht mehr zu reden. Von Dennerleins noch unglaublicherem Koordinationsvermögen auch nicht: Das erlaubt es ihr, mit locker-perfekten Grooves auf dem Pedal einen Spitzen-Bassisten so zu ersetzen, dass kein bisschen auffällt, dass da »Kollege Computer« mit im Spiel ist.

In Tübingen bringt sie sogar mit gelegentlicher Gitarren-Blockakkordik, Flügel-Samples und astreinen »Vibrafon«-Soli noch weitere elektronisch gespeicherte und verarbeitete Klangfarben mit ins Spiel – geschmackvoll, sparsam dosiert und kein bisschen aufgesetzt.

Neben dem instrumentalistischen Ausnahmetalent der Barbara Dennerlein ist es wohl vor allem ihr perfektes Swing-und Groove-Feeling, das ihre Musik so spannend macht -und das gleichermassen bei der Musikerin wie bei der Komponistin und Arrangeurin zum Tragen kommt.

Was die international gerühmte Bayerin jetzt aus dem Stones-Hit »I Can’t Get No Satisfaction« gemacht hat, dürfte Mick Jagger vor Neid erblassen lassen: Gut und gerne zehn Minuten lang trägt Dennerleins soulige Version, die das Original an Abwechslungsreichtum weit hinter sich lässt, ohne den rockigen Charakter zu verlieren. Und Messinas Shuffle-Variationen sind eine Klasse für sich.

Oder der humorvolle »Frog Waltz«, bei dem Barbara gleichzeitig hochelegant und vor prallem Soul-Ausdruck trotzdem nur so sprühend über die Tasten hüpft: Eine wunderbar zwischen extremen Polen ausbalancierte Komposition, die sicher einmal zu den .»Dennerlein-Klassikern« gehören wird. Hervorragend auch der Blues »Farewell To Old Friends«, den der bescheiden auftretende Orgel-Star seinen 1998 verstorbenen Freunden gewidmet hat, dem Jazz-Rundfunkmann Peter Weiss vom SFB und Bigband-Leader Horst Jankowski.

Diese Songs und andere in dem (wie bei ihr üblich) ausgiebig langen Konzert wurden von den »Zoo«-Gästen – da gleichen sich dann die Konzerte in Reutlingen und Tübingen wieder – frenetisch bejubelt. Und Barbara gab das Kompliment in überaus freundlichen Worten zurück: »Das ist heute ein Konzert, das auch Daniel und mir einen Riesenspass macht. Da kommt so viel ‚rüber von Euch!« Danke, gleichfalls. (-mpg)