Hans-Günther Butzko: Rundumschlag

Amüsant, scharf und abwechslungsreich getextet — und vor allem mit großer schauspielerischer Finesse umgesetzt: Hans-Günther Butzko präsentierte zum Abschluß der Reutlinger Kleinkunsttage im vollbesetzten »Rappenkeller« einen satirischen Rundumschlag gegen (fast) alles und jeden.

Vor dem Info-Schalter der Bahn (»scheint so, als ob das Auskunftspersonal aus Sado-Maso-Studios rekrutiert wird«) wird er schier wahnsinnig, deutscher Privat-TV-Frohsinn macht ihn wütend: »Schon eine Mords-Leistung, daß dieser Harald Schmidt jeden Abend einen 30-Minuten-Monolog auswendig von so großen Pappschildern abliest«.

Beckenbauer bekommt wegen seiner nationalistischen Sprüche (»Du, Franz, das mit dem »Kaiser« ist nur ein Spitzname«) ebenso sein Fett weg wie die neuen und alten Regierungsparteien. »Der Stollmann programmiert aus Rache ein Videospiel, »Karate-Kid Oskar«« — und die CDU ist bei Butzko zum »Club der Verlorenen« mutiert, mit »Kohl als Ersatz für Lilo Wanders in Wa(h)re Liebe«. Den Alt-Bundeskanzler parodiert er phonetisch nicht perfekt, aber mimisch überaus treffend. In die Lacher hinein meint er: »Lachen Sie nicht, ich bin Kabarettist, ich kann keine Schröder-Parodie!«.

Lange, aber kurzweilig ergeht sich Butzko über die Unterschiede zwischen seiner und der heutigen Jugend, und macht sich bösartigst seine Brettl-Gedanken um den Zusammenhang zwischen Militär und Videospiel-Generation. »Wow, jetzt hab‘ ich schon 500 Tote — noch 80, bis ich ein Bonus-Leben krieg’«, läßt er einen Kampfpiloten sagen.
Bei solchen und ähnlichen scharfen Tönen bleibt den Gästen der »Kleinkunstbühne im Rappen« das Lachen im Hals stecken — aber aufs Ganze gesehen wirkt das gekonnte Kabarett des Hans-Günther Butzko schwer zwerchfellerschütternd: Heftiger Beifall. (-mpg)