Biermösl Blos’n: Lederhosen-Anarchos

»Willkommen in dieser wunderbar geschmückten Mehrzweckhalle«: Schon mit dem allerersten Satz hatten die bayerischen »Biermösl Blos’n« das Publikum in der schmucklos-sterilen Wannweiler Uhlandhalle auf ihrer Seite. »DeSi«, die »Kulturinitiative für den Wilden Norden«, hatte eingeladen — und offensichtlich den richtigen »Riecher« gehabt: Gut 500 dürften es trotz Fußball-Übertragung gewesen sein, die den manchmal harmlosen, meist aber (bekannt) bissigen Musiksatiren der drei Well-Brüder aus Günzelhofen-Hausen zuhörten.

Die Halle war für einen »running gag« gut: Immer wieder kamen die Musiker aufs »sportliche« Ambiente zurück — »habt’s ihr net a paar Kerzen, damit’s hier gemütlicher wird«, fragte einer aus der ebenso musikalischen wie spöttisch veranlagten Brüder später.. .
Den Gästen überbrachten die »Biermösl Blos’n« »Grüße der bayerischen Staatsregierung, also von Dr. Dr. Franz Beckenbauer« — und kamen schnurstracks zu den wesentlichen Punkten einer funktionierenden Dorfgemeinschaft: »Mir hob’n nämlich a Super-Kanalisation, 15 000 Anschlußmöglichkeiten bei 468 Einwohnern.« Nach einem Bayern-Lied der sehr speziellen Art (»Welcome To Bavaria«) gab’s die »offizielle Hymne der freiwilligen Feuerwehr Hausen« zu hören — ein vor Hohn über den Eifer der Brandlöscher nur so triefendes Stück: Erst holen die Brandlöscher nämlich mit viel Aufwand eine Katze vom Baum um sie dann versehentlich beim Zurücksetzen mit dem Löschfahrzeug zu überfahren. . .

Mit der Feuerwehr hatten es die Multi-Instrumentalisten sowieso: Vier Jahre vor dem 100jährigen der »FFW Hausen« sei ein Festausschuß gegründet worden, immer mittwochs habe es »Brainstorming und so an Workshop« gegeben, »zwischendurch hob’n ’s dann mal a Entziehungskur gmacht.« Die sorgfältige Vorbereitung des Fests hat sich aber wohl schon gelohnt: »Denen is wos eing’fallen, da hat koaner mit gerechnet — a Bierzelt hobn’s aufgstellt.« Beim Festgottesdienst sei da dann »Mozarts Spatzenmesse vollstreckt« worden — und auch die drei »Biermösl Blos’n seien »wegen anam Kulturprogramm« gefragt gewesen. »Mir spuiln solche Evergreens wie >Alte Kameraden< oder >Candle In The Wind<.. .

In den Variationen über das bayerische Wort »g’hert« — »Auf schwäbisch to belong to, am ehesten« — nahmen die »Biermösl Blos’n« lokale wie grosse Politik auf die Schippe — »D’r Schaufler g’hert der Katz« und »der Gerhard Schröder in die CSU«. Später verhohnepipelten die drei ignorante Pauschaltouristen: »Die ganze Landwirtschaft, also zwei Bauern, wor’n in Kenia. Super Flug, super Hotel, super Essen — nur Mombasa wor net so toll: Absolute Scheisskanalisation«. Dafür müssen die Bajuwaren in Afrika wenigstens nicht auf vertraute Grundnahrungsmittel verzichten: »Im Kralhotel -zum wilden Massai saufen sie a Löwenbräu«.

Die Well-Brüder erzählen von »Minderheiten, die absolut net zur Mehrheit g’hern wollen, mir hob‘ n a Super-Mehrheit« oder sie veralbern längst neuzeitliche verbogene Bräuche: Bei der Auto-Prozession zu Fronleichnam kommen »zwei Leopard II vorneweg«, danach die Autos, Motorräder, Mofas — und ganz zum Schluß »die Rasenmäher, zahlenmäßig die stärkste Fraktion.« Die aus Fürstenfeldbruck vorbeifliegende »Tornado«-Staffel »hot dr Pfarrer allerdings nimma zum Segna derwischt — an totalen Tennisarm hot er g’habt« — der Arme.

Solche und andere Sketche und Satiren nahmen die Wannweiler dankbar und lachend auf, hörten auch — wie immer bei den »Biermösl Blos’n“ – gekonnte musikalische Veralberungen. Etwa das »Concerto Bavariae von Friedemann Bach, der hot sich in Hausen amol die Syphilis, a bekannte Musikerkrankheit, g’holt«, wo die drei Brüder mit Bach-Trompete, Tuba und Wanderklampfe sehr witzig und ganz und gar respektlos barocke Komponierformen mit tradierten bayerischen Tänzen vermischen.

Allerdings klangen Instrumente wie Stimmen blechern-dünn, und nur bei allerhöchster Konzentration war überhaupt was zu verstehen. Dass die Veranstalter auf eine halbwegs professionelle Lichtanlage verzichteten und statt dessen die Musiker mit Halogen-Flutern von unten beleuchteten, mag ja noch angehen. Aber dass die Musik mit völlig ungeeigneten Mikrofonen von den halleneigenen (Durchsage-)Lautsprechern verstärkt wurde, ist heutzutage unverzeihlich.

Kaum mehr als bessere Telefon-Qualität boten diese sogenannten »Rundstrahler« — in Zukunft wäre das »DeSi«-Team gut beraten, eine der regionalen professionellen Tontechnik-Firmen mit der Beschallung solcher Veranstaltungen zu beasuftragen. Da hätte es dann (wegen der besseren Verständlichkeit) noch ein paar Lacher mehr gegeben — und sicher viele Unmutsäusserungen wegen des Giesskannen-Sounds weniger.    (-mpg)