Bernd Kohlhepp: Vom Weltenbummler Hämmerle

Wenn Schwaben eine Reise machen, dann kann das zu heftigen Verwicklungen führen. Und wenn diese von Bernd Kohlhepp — ehemals eine Hälfte des Clownkabaretts »Vis ä Vis« — kabarettabel für die Bühne aufbereitet werden, strömen die Fans. Zumindest wieder die Reutlinger: Beim »Kulturlaub Spezial«-Termin mit Kohlhepp und seiner Figur Hämmerle war das »Foyer U3« nahezu ausverkauft.

Einen »subbr Urlaub« hat er gehabt, der Herr Hämmerle aus Bempflingen. Deswegen sollte der Titel für die Urlaubsdia-Show ja auch ursprünglich »Buenos Dias« heißen. Bevor es losgeht mit dem Vortrag, bittet Kohlhepp noch »zügig rauszugehen, wenn das Programm fertig ist . . . da gibt’s doch tatsächlich manchmal Leute, die dann eigene Witze erzählen«.

Daß es dann keine Lichtbilder zu sehen gibt, sondern nur Kleinbild-Diarähmchen, hat damit zu tun, daß »das ein Diavortrag ist und kein Projektorvortrag«.

Schwer beeindruckt ist der manchmal knitz, oft gnadenlos behämmert angelegte Hämmerle von der Welt. Vor allem von »wiahotsnomalghoißa« — und davon, daß »die Ährde rund ischt«: Hämmerle wundert sich, daß man »so weit mr au wegfährt, doch immer wieder zurückkommt«.

Auch die Armut anderswo lässt den Schwaben nicht kalt: »Also, I könnt‘ des net«. Obwohl er ja, dank einschlägiger Erfahrung auf der heimatlichen Baustelle, mit dem Unbekannten ganz gut zurechtzukommen scheint: »Mir hent do au an Asiate, der isch aus der Türkei. Mit dem kannsch jeden Spaß macha, der verschtohts jo et, hihi. Und daß der anders ischt, merkt mr‘ scho dra, dass der hoimfährt, wenn’r Urlaub hot. Des dät mir nie eifalla.«

Keine Frage, Hämmerle geht auch, nachdem erstmal der Opa »als Anrufbeantworter« im heimischen Wohnzimmer verstaut und die eigene Flugangst durch geschickte Panikmache unter den anderen Passagieren gedämpft ist, in der Fremde seinen Weg. Zumal sich’s da viel besser über die Nachbarn bruddeln lässt: »Wir paddeln bei extremer Feuchtigkeit und Fleckfieber-Anfällen durch den Urwald und Armbrüschtles sitzen wieder auf Borkum und essen Bockwurst, die Spießer!« . . .

Dann doch lieber selber gegessen werden. Zwischen den »Hämmerle«-Sketchen in Mundart nimmt Kohlhepp gekonnt und zur Abwechslung mal etwas feinsinniger in seinem Reisetagebuch literarisch-feuilletonistische Berichtsformen auf die Schippe.

»Offenbar bin ich Zeuge eines magischen Rituals, bei dem ich eine gewisse Rolle zu spielen scheine. Ich fühle mich geschmeichelt — auch wenn mich ein ungutes, mulmiges Gefühl beschleicht, das ich auch schon vom Geburtstag meiner Grosstante her kenne«, heißt es da. Und dann: »Aber ich habe beschlossen, erst zu pfeifen, wenn ich gar bin«.

Mit Hämmerle erfahren die »Foyer«-Besucher, die sich größtenteils sehr amüsiert zeigen, alles über »Zen und die Kunst, einen Kaktus zu bestechen«. Kohlhepp lässt seinen Protagonisten echt behämmert (und wie immer mit großem mimischen Abwechslungsreichtum dargestellt) vom »Voodoo it yourself«-Kurs berichten, zusammen mit dem Reise-Chaoten lernen die »Kulturlaub«-Gäste, »sieben Weltmeere am Geschmack zu unterscheiden«.

Und sie bekommen einen philosophischen Schnellkursus verpaßt, der klarmacht, warum der »Schwabe an sich« auch anderswo ins Fettnäpfchen treten kann und darf: Weil die Ferne nah wird, wenn man sich aus der Nähe entfernt, ist laut Hämmerle »die Ferne nichts anderes als die Nähe, und deswegen heißt sie auch Fernä« . . . Ach, so ist das. (-mpg)