Tony Dunham, Frauen, Frust und Fruchtbarkeit: Geschlechterkampf

Ein postmodern-scheusslich eingerichtetes Appartment, ein Tisch, zwei Stühle, eine Anrichte: Viel brauchte das »Ensemble 95« am Freitagabend im Reutlinger »Foyer U 3« nicht, um Tony Dunhams Stück »Frauen, Frust und Fruchtbarkeit« auf die Bühne zu bringen. Rund 50 nahmen die Einladung von Kulturamt und Jugendpflege im Rahmen des »Kulturlaubs« wahr und schauten sich den 80-Minuten-Einakter an. Am Ende gab’s regen Beifall.

Dunham nimmt in einer Momentaufnahme ein Pärchen aus dem offensichtlich sehr späten Nachtleben irgendeiner Großstadt heraus und lässt die Zuschauer an einem verbal fesselnden ersten gegenseitigen Abtasten teilhaben.

»Er«, das kommt nach allerlei mehr oder weniger kühl kalkulierten Vorstössen heraus, hat die Postkarte von der »Ex« noch an der Spüle hängen, gehört wohl (weil teewasserfilternd!) eindeutig zu der Spezies, die sich gerne ins Schublädchen »Neuer Mann« eingeordnet sieht. »Sie« trinkt Whisky schneller als er den Tee, ist im übrigen mit »Forschung« beschäftigt.

Die Flirt-Redepfeilchen flirren hin und her: Jörg Hummel legt seine Rolle geschickt zwischen tapsiger, ziemlich echt wirkender Naivität und — da dann manchmal zu dick aufgetragen — jovialer Grosskotzigkeit an. Coralie Wolff gibt ihrer Figur einen eiskalt berechnenden, aber nicht unverspielten Zug: In dieser Rollenkonstellation muss das Männchen unterlegen bleiben, das wird ganz schnell klar.

Unklar bleibt zunächst, was Frau will. Erst nach einigem Hin und Her rückt sie damit heraus, dass sie erstens die gerade erzählten Storys von übler Kindheit und Vergewaltigung frank und frei erfunden hat, zweitens ihm mal gehörig den Marsch blasen will.

»Er« ist nämlich Autor des Buches »29 – Frauen, Frust und Fruchtbarkeit« — und »sie« mit dem Inhalt des Traktats nicht einverstanden. Und jetzt zeigt sie dem Schreiberling, sozusagen am praktischen Beispiel, dass er vom wirklichen Leben und besonders von Frauen keine Ahnung hat. Die ganze Auseinandersetzung gipfelt in einem dann plötzlich nicht mehr elegant-spritzigen, sondern sehr ernst und moralinhaltig formulierten und auch gespielten Monolog der »Forscherin«: »Ich wollte mal sehen, wie Du wirklich mit dem anderen Geschlecht umgehst . . . Du bist ein Mann, deswegen bist Du verantwortlich.«

Ihm reicht es — nachdem aus seiner Sicht das »primäre Ziel« des Abends sowieso unerreichbar geworden ist — sowieso schon eine ganze Weile. Tony Dunhams Stück endet mit wüstem Frauengeschrei vor der Wohnungstür: »Er« zeigt den ersten Schimmer von Konsequenz und setzt »sie« an die Luft. (-mpg)