Glenn Miller Orchestra: Routinierter Bigband-Jazz

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt war die Eninger Grieshaber-Halle am Freitag beim Gastspiel mit Bigband-Jazz. Das »Glenn Miller Orchestra« spielte — und die bunte Zusammenstellung aus bekannten Melodien der Swing-Ära kam an: Lauten Applaus gab’s für die 17 Musiker von den Eningern.

Das hauptsächlich mit niederländischen Musikern besetzte Orchester hat mit der originalen Band Glenn Miller überhaupt nichts zu tun; Orchesterleiter Wil Salden ein routinierter Pianist und (jedenfalls aus der Sicht eines Jazzfans) ziemlich schlechter Sänger — hat sich halt die Namensrechte gesichert.

Namen sind Schall und Rauch — will heissen: Wer den originellen Sound der in den dreissigern und vierzigern wohl beliebtesten US-Bigband — auf Schallplatten ver gleichsweise gut erhalten — im Ohr hat, der merkte auch in Eningen recht schnell, dass da nur ein musikalisches Abziehbild des »echten Stoffes« zu hören war. Die Äusserlichkeiten — das Repertoire, die Instrumentenkombinationen und weitgehend auch die Arrangements — stimmten zwar: Aber vom »Feeling« der alten Band war in Eningen nichts zu spüren.

Wie beim letzten Gastspiel des Orchesters in der Region vor ein paar Jahren in der Reutlinger Listhalle liess Salden die »Moonlight Serenade«, den »Chattanooga Choo Choo«, die »American Patrol« und rund 20 weitere Swing-Titel noch glatter und romantisierender spielen, als Miller vor einem halben Jahrhundert. Von der feurigen Energie, die so ein Jazz-Massengebläse entfachen kann, war in der Grieshaber-Halle so gut wie nichts zu spüren; die Musi ker — allen voran die fast schon schläfrig wirkende Orchestersängerin Miett Molnar — spielten zwar unbedingt exakt, aber sehr unbeteiligt wirkend zusammen.

Die routinierte Langeweile, die dieses Orchester musikalisch verbreitete, machte sicher so manchen echten Jazz-Fan grausen: »Somewhere Over The Rainbow«, die berühmte, tief emotionale Glanznummer von Judy Garland, tönte bei den Niederländern so, als ob sie den Song zur Untermalung einer nächtlichen TV-Programmvorschau spielen würden.
Der desinteressierte Eindruck, den die Musiker machten, wurde durch die Ansagen des Orchesterleiters noch verstärkt: Im Tonfall eines Losverkäufers auf dem Jahrmarkt pries Wil Salden das Programm an. Sehr schade. (mpg)