Schwoißfuaß: CD „RattaKarma“ – Nostalgisch, nicht peinlich

Die alten Schwobarock-Fans werden jubeln: »RattaKarma«, die eben erschienene neue »Schwoissfuass«-Produktion, knüpft nahtlos an die Hoch-Zeiten der legendären Band um Alexander Köberlein an.

Als ob’s nie eine zehnjährige Pause gegeben hätte, bringen Bluesharp-Virtuose Riedel Diegel, Tastateur und Chef-Produzent Andre Schnisa, Didi Holzner an der Gitarre, Bassist Michel Stoll und die beiden Klopf-Werker Bodo Schopf und Gottlob Schmid wieder deftig-kernige, dabei aber dezent verspielte Rockmusik mit den aussagekräftigen, bilderreichen Texten von Köberlein zusammen.

Junge Hörer, die die »Schwoißfüaß« früher nicht hören haben können, werden verstehen, warum die Band seit 1986 auch ohne Konzerte oder Platten in den Köpfen vieler Leute präsent war.

Wie auf den ersten beiden Produktionen haben die Musiker nicht im Studio herumgebosselt, sondern sich hingestellt, gespielt und, sagt Köberlein, »alles genau so, wie es aus uns rauskam, aufgenommen«, 13 Stücke in dreizehn Tagen im Tübinger »Neckarsound«-Studio: Da bleibt zum Verzetteln keine Zeit.

Das Ergebnis ist erfrischend: Frisch und unverbraucht tönt der charakteristische »Schwoissfuass«-Sound eine Stunde lang aus dem CD-Player. Das liegt auch daran, dass die Musiker »RattaKarma« mit den Instrumenten von anno dunnemals eingespielt haben — noch stärker fällt allerdings die Spiellust der sieben auf. Auf dem letzten Album vor der »Wiedergeburt«, »Mach was!?«, klingt die Musik viel müder (geradezu gelangweilt) als auf der neuen CD.

Was gibt’s zu hören? »Dr Sulla leabt no« zum Beispiel — eine warmherzige
Erinnerung an den unter tragischen Umständen gestorbenen ersten Schlagzeuger und Ober-Komiker der Band, Sulla Bratke. Oder das Stück »Süsser Messerschnitt«: Eine den Punkt trocken-witzig treffende Satire zum Thema kosmetische Chirurgie. »Und heut‘ grüssen uns die Schaufensterpuppen, wenn wir am Fenster vorbeiflanieren«, läßt Alex da den Chor der Silikon-Verstärkten aalglatt säuseln.

Überzeugend und direkt auch der gelungene Schwoba-Rap »Dr Afang«: So hip wie hier hat noch keiner auf Schwäbisch zu den afroamerikanischen Strassen-Rhythmen getextet — die Reime fliessen flüssig und elegant in dieser schwer kulturpessimistischen Nummer, die auch als Maxi-CD-Auskopplung veröffentlicht wird. Pures Geblödel mit dezenten Seitenhieben auf Esoterik-»Spinner« findet sich dagegen im Titel-Stück und im absichtlich saublöd getexteten »Ach Leverkusen« von einem gewissen »Eddy Overton« alias Andre.

Ansonsten pure Nostalgie. Ganz besonders in der treibenden (Danke, Groove-Meister Stoll!) Neuversion vom »Wasserkopf« — aber auch im Instrumental »Flower Hower« von Riedel Diegel und überzeugend blueslastig in »I moß hoim«. (mpg)