Hölderlin Express: Folk ohne Grenzen

Proppenvoll war die Kneipe im Tübinger Hauptbahnhof, als der heimische »Hölderlin Express« eines seiner seltenen Konzerte in der Heimatregion gab. »Einmal im Jahr ist genug« sagt Gitarrist Jorgen W. Lang — denkt aber laut über eine Wiederholung des Tübinger Konzerts in 1996 nach: »Im Herbst kommt unsere neue Platte, da sollten wir dann vielleicht eine Präsentationsveranstaltung machen . . . «.

Man darf gespannt sein — die preisgekrönten (Folkförderpreis des MDR 1993) Musiker um die Drehleierspielerin Elke Rogge zeigten sich im Hauptbahnhof nämlich nicht nur spiel- und experimentierfreudig, sondern auch akustisch mit neuen Facetten.

Neben älteren Stücken, die Rogge & Co. auf ihrem CD-Erstling von ’94 verewigt haben (besonders gut gelungen, besonders beim Publikum angekommen: »Der Yeti«), gab es vor allem im zweiten Set neues Material zu hören. Klassische Folkies mit Wollstrumpf-Image waren die »Hölderlin Express«-Musiker nie; »Folk ist nur unsere Basis«, sagt Lang. Schon vor zwei Jahren boten sie eine aufregende Melange aus Alter Musik, Pop, Jazz, Rock samt Einflüssen von fast überall.

Im Hauptbahnhof Tübingen legten Elke Rogge, Lang, der auch beim x-ten Zuhören immer noch erstaunliche Olav Krauss (Geige, E-Geige) und Ralf Gottschald, der (fast) immer lächelnde HighEnergy-Perkussionist, noch einen Zahn zu: Das Musikverständnis der Gruppe scheint nun wirklich allumfassend geworden zu sein: Zu all dem Bekannten gesellten sich noch hypnotische afrikanische Grooves von Gottschald, wilde, stellenweise »noisige« Sound-Collagen von Krauss und Gesang dazu.

Das alles kam prima an, das Konzert (bis auf die mit 50 Minuten arg lange Pause) war stimmig, weil sich hier musikalisch Neues mit hohem technischem Können und sichtlichem Spass an der Sache verband. (mpg)