Horstmann, Wiedmann, Daneck: Spannung auf zwölf Saiten

Musikalische Hochspannung auf zwölf Saiten im Tübinger Jazzkeller: Der Tübinger Gitarrist Thomas Horstmann trat mit seinem langjährigen Musik-Partner und Gitarren-Kollegen Martin Wiedmann und dem exzellenten »Groovemeister« Matthias Daneck am Schlagzeug auf.

Und alle drei präsentierten sich eben in der Form, in der man sie auch bisher kannte — sei’s vom »Zweitett« her, von »LTD«, »Tiny Mess«, »Charly Haigls Festival Band« oder auch unzähligen Session-Geschichten. In all diesen Formationen waren und sind die drei aktiv, Dauergäste in den Jazzclubs der weiteren Region. Und zeigen sich stets eher am musikalischen Umgewöhnen interessiert als an der — publikumswirksamen — Reproduktion eingefahrener Klischees.

So auch bei diesem Konzert. Die Besucher hörten Musik, die, kurz gesagt, schräg genug erdacht war, um neu und erfrischend zu klingen — und harmonisch und dynamisch dabei so sensibel und intelligent gemacht wirkte, daß auch Nicht-Jazzfans wahrscheinlich mit großem Genuß zugehört hätten.

Zum Beispiel beim Stück »The Free, Chained« von Horstmann: Da drehten sich am Anfang die Sounds der beiden Gitarren umeinander, das Einschwingverhalten der Töne wurde mit dem Volumenpedal träger gemacht. Dann begann Horstmann auf dem Gitarren-Synthesizer ein kurzes, immer wiederkehrendes Motiv mit einer »atmosphärischen« Fläche im Hintergrund, Daneck swingte leise auf der Snare-Trommel, setzte Akzente auf Holzblöcken Und Wiedmann improvisierte wechselnd mal in weiten Bögen, mal sehr staccato darüber.

Genauso fein zwischen harmonischer Eleganz und jazzigem Draufgängertum ausbalanciert klang das Wiedmann-Stück »Always Round«. Und bei »Tune 0« kam noch ein weiteres Element dazu — die Satire: Für den Kenner sehr witzig verarbeitete Horstmann in diesem Stück Bebop-Traditionen.

Sehr jazzig legte das Trio (Horstmann: »Im eigentlichen Sinn mach‘ ich keinen Jazz, bin an musikalischer Freiheit interessiert«) auch bei einem Ornette-Coleman-Stück los — eher kammermusikalisch ruhig klang’s im Gitarren-Duo »Carissima«. Und immer versuchten alle drei, die Grenzen und Spielweisen ihrer Instrumente neu auszuloten.

Dieses Stück gibt’s übrigens  auch auf der CD »Decade« zu kaufen, bei der neben den beiden »Chefs« Horstmann und Wiedmann sowie Daneck auch noch Bassist Johannes Killinger sowie als »Special Guest« Trompeter Claus Stötter mitmachen. Die Songs kamen bei der zweistündigien Tübinger Live-Premiere im Jazzclub — das Ganze lief unter dem Motto »CD-Präsentation« — hervorragend an. Genauso gut wie in der Konserven-Version: Die Scheibe läuft im Haaggassen-Keller schon seit vier Monaten. (mpg)