Chaka Khan: Ohne Fehl und Tadel

Bis auf den letzten Winkel gefüllt war das Tübinger »Foyer«: der »Zoo« hatte die Black-Music- und Soulgröße Chaka Khan eingeladen. Und ganz junge wie auch ziemlich gesetzte Chaka-Fans warteten geduldig in immer unerträglicherer Schwüle auf den grossen afroamerikanischen Star. Ein Star ist die gewichtige Soul-Lady nämlich immer noch, auch wenn ihre größten Zeiten mit »Rufus« in den 70ern schon sehr lange zurückliegen, das letzte wirklich große Album »CK« (mit Miles Davis, Prince, Bobby McFerrin und Stevie Wonder als »Gaststars«) auch schon sieben Jahre alt ist.

Aber die 75 Minuten Wartezeit plus viertelstündigem Jazz-Funk-Fusion-Gedonner der zumindest technisch exzellenten »Frank Nimsgern Group« zur Einleitung waren vergessen, als Chaka Khan schon als zweite Nummer einen ihrer ersten Hits brachte: Bei »I’m Every Woman« — von der Band »authentisch« mit stampfendem Disco-Beat unterlegt — waren die Tübinger hin und weg und voll mit dabei.

Danach brachte die Sängerin, die seit Jahren schon nicht mehr in den USA, sondern in London und meistens in Mannheim wohnt, in guter stimmlicher Verfassung mit der Ballade »Sweet Thing« einen weiteren Erfolgstitel aus der »Rufus«-Zeit.

Dizzy Gillespies »Night In Tunisia« geriet schön schräg, den zusammen mit Bruce Hornsby komponierten und aufgenommenen Titel-Track ihres im Januar erscheinenden neuen Albums »Love Me Still« hätte sie sich sparen können: Billig auswechselbar klingende Rock-Funk-Klischees. Immerhin brachten hier der erst 25jährige Saarbrücker Gitarrist Frank Nimsgern und sein Keyboarder Wolfgang Dalheimer gute Soli.
»Ain’t That Peculiar« sang Chaka später, den von Stevie Wonder geschriebenen,
»Grammy«-ausgezeichneten Klassiker»Tell Me Something Good« — und dann unter großem Jubel und mit schlechtem »I wanna hug you«-Gerappe seitens des Hintergrundsängers Marc Stevens den Super-Hit »I Feel For You«.Als Zugabe gab’s »Ain’t Nobody« — von einer da schon wieder deutlich gestreßten Chaka.

Aber sie sang weitgehend ohne Fehl und Tadel — und die sieben Musiker um Frank Nimsgern agierten geschlossen, kompakt und sehr funkig. Der Chef selbst hielt sich — genau wie bei seinem Auftritt im Reutlinger »Jazzclub in der Mitte« vor fünf Jahren — selten zurück und demonstrierte aberwitzige Gitarrenkunst. Wie damals wäre aber wohl auch jetzt ein bißchen weniger viel mehr gewesen. Einen Großteil des restlos begeisterten Beifalls dürfen er und seine Bandkollegen aber für sich verbuchen. (mpg)