Gerhard Polt: „Ja, nein, des is scho richtig!“

Bevor Polts Gerhard die Story vom Zwetschgenmanderl auf ‚dem Oktoberfest »loswerden“ konnte, gab’s fast Haue für einige Zuschauer. Die Veranstalter vom Tübinger »Club Voltaire“ sprangen nämlich in der Mensa Wilhelmstrasse mit einigen Gästen äußerst rüde um.

Von vorne:. Die »Club Voltaire«-Leute hatten versäumt, die Kartenkontrolle am Eingang der Mensa zu plazieren. So strömten alle — auch die, die noch gar keine Karte hatten – auf die Veranstaltungsebene hoch. Und  wollten dort, nachdem seitens des Clubs mit Verweis auf feuerpolizeiliche Auflagen niemand mehr direkt in den Zuschauerraum gelassen wurde, natürlich aus der Entfernung umsonst Zuhören. Das paßte wiederum den »Voltaire«-Leuten ganz und gar nicht, einer rastete aus und »trug«. einen Zuschauer fast im Schwitzkasten-Verfahren weg, versuchte andere, die Treppe hinunterzuschubsen. Ir Verlauf der Streiterei fiel eine Tischbarrikade um — verletzt wurde nach Kenntnis des GEA-Kulturspions niemand…

Nach diesen unfeinen, vom »Club Voltaire« selbst verschuldeten Szenen am Rande ging’s mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung los. 1200 waren mindestens da, von Anfang an in bester Laune, lachwillig und klatschfreudig.

Und Polt, der wie fast immer im Verbund mit den drei musikalischen Brüdern der. Biermösl Blosn auftrat, setzte auf sichere Karten und gewann: Permanentes Gekicher in den ersten Reihen und donnernden Applaus gab’s für das zweieinhalbstündige Programm, das genau so schon sehr, sehr
oft zu sehen war.

Da war jene — eingangs erwähnte — Begebenheit auf dem Oktoberfest zu hören, »wo der Maßkrug nur ganz leicht auf dem Hinterkopf vo dem Geistesmenschen aufg’setzt is, dabei muaß so oaner doch wissen, dass ma mit an Kopf, der wo nix aushält, ned aufs Oktoberfest genga darf«. Die Polt-Fans hörten zum x-ten Mal die reichlich abgedrehte Geschichte vom dörflichen Gemeinderat (»Alle warn’s da, ja klar«) samt Weber Max und seinen Sechsämter-Tropfen, seine Granteleien über einen Leasing-Würge-Vertrag und die Besuche einer bayerischen Familie bei den »Man-Eatern«.

Zwischen den Poltschen Kabarett-Szenen sorgte die »Biermösl Blosn« in mindestens so bewährter Art wie ihr Kollege für Erheiterung: Der Mix aus Verbalsatire (zum Beispiel über Mega-Dorfkanalisationen oder das Kruzifix-Urteil) und authentisch gespielter Volksmusik kam auch in
Tübingen wieder an.

Autor: Martin Gerner

Erstabdruck/Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 26. Oktober 1995