Grip Weeds: Gekonnter Rock

Eigentlich war der Tonspion ja nur ausgezogen, um über das »zelle«- Konzert der Berliner Girl-Group »Lemonbabies« zu berichten. Weil aber am Mittwoch in dem rappelvollen Reutlinger »Kulturschock« die Vorgruppe um Klassen besser war, sei hier über die Spree-Frauen nur berichtet, daß sie in ihren sparsamst arrangierten Beat-Nummern hauptsächlich den Charme des Dilettantismus versprühten.

Im Vergleich zu den New Yorker »Grip Weeds« machten die »Babies«, die alle Twens sind, trotz (oder wegen) ihres kräftig forcierten naiven Kleinmädchen-Images samt Styling eine schlechte Figur.

Zupackend, mitreißend und schön krachig dagegen die Musik des hierzulande weitgehend unbekannten New Yorker Quartetts. Rick (Gitarre) und Kurt (Schlagzeug) Reil, Bassist Mick Hargrave und Kristin Pinell (Gitarre) spielten mal schnörkellose, mal psychedelisch ausufernde Songs, die jenseits von Stilbezeichnungen einfach durch ihre Qualität überzeugten.

Genauso die Musiker selbst: Die »Grip Weeds« gehen mit unbedingter Präzision ans Werk, ohne dabei jemals steril zu klingen.

Daß der Beifall des Publikums trotzdem nicht so laut ausfiel wie für die »Zitronenbabies«, kann nur an dem starken Bekanntheits-Gefälle liegen. Altgediente »zelle«-Leute waren sich mit anwesenden Musikprofis einig: »The Grip Weeds« werden’s weit bringen. (mpg)