Candy Dulfer: Candys Sax begeistert alle

Daß eine europäische Musikerin in jungen Jahren von der Creme de la Creme der US-Szene hofiert wird, kommt nicht alle Tage vor. Die Saxophonistin Candy Dulfer aus Amsterdam, gerade mal 25, hat mit Aretha Franklin, Van Morrisson, Ex-»Eurythmic«- Dave Stewart und Prince zusammengespielt — und nimmt’s cool: »Na ja, es sind nicht mehr allzu viele Leute übrig, mit denen ich schon immer zusammenspielen wollte«.

Jetzt war die Saxophonistin (das Altsax spielt sie am häufigsten) mit ihrer exzellenten neunköpfigen Band »Funky Stuff« auf Einladung des »Zentrums Zoos« im Tübinger »Foyer« zu Gast und begeisterte mit ihrem funkigen, sehr geschmeidigen Spiel alle.

Daß der Saal an der Blauen Brücke bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft war, lag wohl an der kostenlosen Video-Werbung, die Prince der Holländerin lieferte. Im Streifen zu seinem Song »Partyman« war Candy weltweit zu sehen und zu hören — bessere Promotion ist kaum denkbar.

Die Neugierigen wurden nicht enttäuscht: Die Saxophonistin und ihre Begleiter lieferten in Tübingen ein zweistündiges Konzert der Extraklasse: Die Melange aus ein wenig Jazz, viel Rhythm’n’Blues und behäbig rollenden Funk-Riffs war zwar nicht gerade neu — aber raffiniert arrangiert und vor allem perfekt gespielt.

Mit 15 Jahren hat Candy Dulfer »Funky Stuff« gegründet, kennt die Musiker »ewig und drei Tage«. Das hörte man: Die Titel ihrer aktuellen Produktion »Sax-a-Go-Go« kamen sehr kompakt über die Bühnenrampe, klangen wesentlich druckvoller und hitziger als auf Konserve. Dabei blieben trotz aller Emotionen, die Candy und vor allem Gitarrist Ulco Bed musikalisch begeisternd umsetzten, die Musiker bestechend exakt: Hätte jemand im »Foyer« verbotenerweise ein Tonband mitlaufen lassen, wäre die Live-Platte im Prinzip fertig gewesen.

Eine Hommage an Maceo Parker, den langjährigen Leiter der James Brown Band, gab’s ebenso zu hören wie ein kleines Denkmal für Miles Davis. Dazu mit »Funky«, »Bob’s Jazz« oder einer langen Coverversion von »Pick up the pieces« (Original: »Average White Band«) Ohrwürmer satt, zwischendurch ein einziges langsames Stück: »I can’t make you love me« – das  erinnerte stark an Balladen des Minneapolis-Meisters Prince.

In dessen Gitarren-Stil liess Ulco Bed gegen Ende des Tübinger Konzerts ein langes, beseeltes Solo hören: Da waren die 500 dann restlos hin und weg, klatschten sich die Hände nach mehr wund. Eine Zugabe, ein Dankeschön — und Candy samt Band war weg. Sie darf aber gerne wiederkommen.